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Zu viel Liebe = schädlich?

Ich sitze gerade entspannt auf einer Bank auf einem Spielplatz als ein etwa vierjähriger Junge meine Aufmerksamkeit weckt. Der Kleine flitzt ganz aufgeregt zu seiner Mama und will ihr zeigen, wie toll er allein rutschen und schaukeln kann - ganz ohne die Hilfe seiner Mami… Während die erfreute Mutter ihrem Sohnemann beim Toben zuschaut, bemerkt sie den vorwurfsvollen Blick einer anderen Mutter nicht, die ganz offensichtlich das in ihren Augen fehlende mütterliche Verhalten dieser Frau nicht verstehen kann...

Noch ehe ich mich versehe, entbrennt eine hitzige Diskussion auf dem Spielplatz zwischen den beiden. Eine Frage wird zum Vorwurf: Darf man sein Kind toben lassen ohne stets die schützende Hand der Mutter in der Nähe des Kindes zu wissen?
»Einem Kind kann man doch gar nicht zu viel Liebe und Schutz geben«, denken viele Eltern. Prinzipiell brauchen vor allem kleine Kinder eine große Portion Zuwendung, Liebe und Sicherheit, doch wie bei so vielem im Leben gilt auch hier: Zu viel ist ungesund. Experten nennen dieses "Über-Mutterphänomen" schlicht Affenliebe.


Was versteht man unter dem Phänomen der "Affenliebe"?
Die so genannte Affenliebe ist durch ein übertriebenes Maß an Liebe und beschützen des Kindes gekennzeichnet. Das Wort kommt vom Verhalten mancher Affenarten, die ihren Nachwuchs ablecken und dabei fast erdrücken. Manche Eltern meinen es mit ihrer Fürsorgepflicht leider zu gut. Damit ist nicht das Kuscheln auf dem Sofa oder das "An-die-Hand-nehmen" im Straßenverkehr gemeint. Sie möchten ihre Kinder vor jeder nur möglichen Gefahr schützen und ihnen alles Unangenehme des alltäglichen Lebens ersparen.
Wichtig für Eltern ist jedoch zu wissen: Kinder müssen Erfahrungen sammeln, gute wie schlechte, um sich zu selbstständigen und selbstbewussten Erwachsenen entwickeln zu können. Werden sie allerdings überbehütet und somit wichtigen Erfahrungen beraubt, kann dies sehr schädlich für ihre Entwicklung sein. Dies ist den meisten Eltern leider nicht bewusst, da sie es oft nur gut mit ihren kleinen Lieblingen meinen.


Selbstverständlich sollte man die Kleinen vor Gefahren schützen und sie auf solche aufmerksam machen. Manche Eltern sehen allerdings Gefahren, wo gar keine existieren. Beispielsweise sollte eine Mutter auf dem Spielplatz nicht ständig das Kind halten oder den Sprößling jeden Tag auf dem Schulweg begleiten, wenn der Knirps den Weg gut alleine meistern könnte. Die Affenliebe bei Eltern rührt meist von der eigenen Erziehung her. Wenn man überfürsorglich erzogen wurde, besitzt man nicht die Fähigkeit, Gefahren richtig einzuschätzen und gibt dies an den eigenen Nachwuchs weiter. Kinder müssen allerdings lernen, mit Gefahrensituationen umzugehen. Als Erwachsener steht ihnen niemand mehr zu Seite, um die Hand zu halten.


Affenliebe kann sich auch in Form von "Verwöhnen" bemerkbar machen. Oftmals aus schlechtem Gewissen aufgrund von Zeitmangel oder wegen der Trennung vom Ehepartner werden viele Kleine mit Spielzeug und Geschenken überhäuft. Doch was gut gemeint ist, tut den Kindern oftmals nicht gut. Sie können überfordert werden und empfinden das viele Spielzeug oft als Belastung. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Ansprüche nun kontinuierlich ansteigen. Die Sprösslinge müssen auch lernen, dass man sich bemühen muss, um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Fällt alles in den Schoß und bekommt das Kind immer das, was es will, wird es für Bedürfnisse anderer möglicherweise nicht sensibilisiert. Es erwartet eventuell auch außerhalb der Familie, alles Gewünschte zu bekommen und eckt damit unter Umständen an. Erfährt das Kind außerdem nie, dass das eigene Handeln Konsequenzen nach sich zieht, wird es diese Erfahrung spätestens schmerzlich in der Schule machen.


Welche Folgen hat die Affenliebe?


Psychologen meinen, dass sich ein überhütetes Kind zu einem sehr ängstlichen Erwachsenen mit geringem Selbstbewusstsein entwickeln kann. Dies tritt vor allem dann ein, wenn es sich ständig an die Warnungen der Eltern erinnert. Aber auch die Kehrseite ist möglich: Da das Kleine nie gelernt hat, Gefahren richtig einzuschätzen, traut es sich zu viel zu. Dies führt zu einem erhöhten Unfallrisiko. Ganz gleich in welche Richtung sich der Nachwuchs entwickelt, eine verzerrte Realitätsauffassung könnte in beiden Fällen die Folge sein . Aus Überbehütung kann aber ebenso ein starker Wille, Ungehorsam oder Tyrannei resultieren. Diese Kinder haben häufig starke Probleme, sich in Gruppen zurecht zu finden.


Bin ich selbst eine Über-Mama?


Wenn Sie das Gefühl haben, Ihren Nachwuchs zu sehr zu behüten, dann fragen Sie am besten eine neutrale Person, die die Situation objektiv einschätzen kann. Ihre Ängste und Sorgen haben sicherlich eine Ursache. Versuchen Sie diese zu ergründen und Ihre Ängste abzubauen.
Ist Ihr Steppke bereits sehr ängstlich, da Sie ihn bisher immer vor jeder nur möglichen Gefahr beschützt haben, so sollten Sie ihren kleinen Liebling Schritt für Schritt an schwierige Situationen heranführen, so dass er langsam Selbstbewusstsein entwickelt. Ein plötzlicher Wechsel des Erziehungsstils wird noch mehr Ängste hervorrufen. Und auch Sie als Elternteil müssen lernen, loszulassen.


Zur elterlichen Liebe gehört nämlich auch, Vertrauen in die Fähigkeiten des Kindes zu haben!
Die Dreikäsehochs dürfen auch mal Fehler machen, aber seien Sie trotzdem immer für Ihr Kind da, damit es sich nach seinen Erfahrungen in Ihren sicheren Armen wiegen kann.

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