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Kinder herzlich willkommen!

Stellen Sie sich vor, Sie kommen auf Arbeit und werden mit Werbeslogans wie diesen empfangen: »Auch als Führungskraft halbtags? Das geht. Damit Leben und Arbeit zusammenpassen.« Oder noch besser: »Lust auf Kinder.«

Um noch ein bisschen weiter zu träumen… Nehmen wir an, hier auf Ihrem Arbeitsplatz dürften Sie Ihren Kinderwunsch offen aussprechen und Sie würden Ihren Job, wie alle Ihre Mitarbeiter, als Himmel auf Erden bezeichnen... Und jetzt halten Sie sich fest, dieser Ort existiert tatsächlich!

In dieser Geschichte passt wirklich jedes Detail
Was wie ein Märchen klingt, ist in Hartmannsdorf bei Chemnitz Realität. Bei »Kommunikation Sachsen«, kurz KOMSA, sind Kinder herzlich willkommen. KOMSA, der Name erinnert irgendwie an die lustigen Produktnamen des großen schwedischen Einrichtungshauses. Kein Wunder, es war ein gebürtiger Schwede, Gunnar Grosse, der das Unternehmen 1992 gegründet hat und seitdem auf ungebremstem Erfolgskurs ist. Er packte nach der Wende die Gelegenheit beim Schopfe, dass ein großer ostdeutscher Kommunikationsmarkt zu erschließen war. Sich dafür ab 1994 in Hartmannsdorf niederzulassen, ist nicht so abwegig gewesen, hatte er doch dort den Bauernhof seiner Vorfahren geerbt. Familiäre Wurzeln als Fundament für ein familienfreundliches Unternehmen - in dieser Geschichte passt wirklich jedes Detail.

Katrin Haubold, die Leiterin der Personalabteilung, ist seit sieben Jahren im Unternehmen. Ihre fünfjährige Tochter Emma und die Führungsposition im Unternehmen sind gut vereinbar. Nur wie, fragt man sich. Nach der Geburt ist die junge Frau ein Jahr zu Hause geblieben und mit zunächst einem Tag Home Office pro Woche langsam wieder eingestiegen. Jetzt hilft eine ausgefeilte Planung. »Montags ist Emma-Tag«, da bleibt Mutti zu Hause. »Dienstags ist Omatag«, Oma freut sich über den Besuch der Enkelin. »Und ab Mittwoch ist es dann auch wieder schön, in den Kindergarten zu gehen.« Emma fragt dann schon mal »Mama, darf ich heute wieder Letzte sein?« Kein Problem, der Betriebskindergarten ist in fünf Minuten erreicht. Ein Unternehmen, das sich verpflichtet fühlt, den Mitarbeitern den Rücken frei zu halten, das ist eine wahre Rarität in Deutschland.

Das »Du« macht alle zu Kollegen
Anhaltendes Wachstum, Frauenanteil 50 Prozent, Frauen in Führungspositionen 41 Prozent, Altersdurchschnitt 34 Jahre bei bisher einem in die Rente verabschiedeten Mitarbeiter, hohes Engagement, kurze Wiedereinstiegszeiten nach der Babypause - die Pressesprecherin Katja Förster hat nur frohe Botschaften zu verkünden. Ihr Chef ist sächsischer Familienbotschafter, seine familienfreundliche Philosophie hat aber auch über Sachsens Grenzen hinaus deutschlandweit Aufmerksamkeit erregt.

Viele Politiker ließen sich von Gunnar Grosse bereits duzen. Es ist ein verlässliches Mittel gegen Hierarchien, denn das »Du« macht alle zu Kollegen. Das sorgt nicht nur im Betriebskindergarten für ein ganz neues Vertrauen. Als es eine anonyme Umfrage zum Bedarf geben sollte, wurden die Wünsche einhellig offen ausgesprochen. Betriebskindergarten, das gab es doch im Osten schon mal. Ist aber nicht antiquiert. KOMSA kann für sich sogar in Anspruch nehmen, 2003 den ersten Betriebskindergarten in den neuen Bundesländern eröffnet zu haben.

Und diesen Sommer wurde noch der Kindergartenneubau »Weltenbaum« eingeweiht. Leiterin Carola Trenkmann berichtet, dass zusehends auch Männer die Elternzeit nutzten. Die Zeiten, als nur Mütter für Hinbringen und Abholen der Kleinen verantwortlich waren, sind sowieso längst vorbei. Außerdem gibt es in den Räumen unter dem großen begrünten Dach und mit den Holzwänden einen männlichen Erzieher sowie Michelle, eine englische Muttersprachlerin. Bis 18:30 Uhr ist der Kindergarten geöffnet, so lange muss Emma also manchmal auf Mutti warten. In besonders arbeitsaufwendigen Zeiten kann es auch länger dauern.

Mehr Flexibilität geht nicht
Aber, das macht nichts in einem Unternehmen, in dem die Unternehmensziele sozusagen auch die Ziele jedes einzelnen Mitarbeiters sind. Diese Identität ohne Reibungsverluste ist wohl das große Geheimnis Gunnar Grosses. Für beide Seiten, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, steht das Individuum im Mittelpunkt. Und wenn sich der Mitarbeiter aufgehoben und verstanden fühlt, arbeitet er freiwillig und gerne, vielleicht sogar überdurchschnittlich viel. In Gleitarbeitszeit? Das war gestern. Im Konzept des gegenseitigen Vertrauens gibt es auch eine gleich lautende Arbeitszeit - Vertrauensarbeitszeit. Aufgaben und Zielvereinbarungen werden im Team geregelt, mehr Flexibilität geht nicht.

Katrin Haubold steht am Fenster ihres Büros und sieht den Kindergarten, wo sie Emma gut betreut weiß. Sie schätzt die Nähe von Kindergarten und Unternehmen, auch die Kinder erhalten auf diese Weise Einblick ins Berufsleben ihrer Eltern. »Aber wenn Emma in die Schule kommt, wird etwas fehlen.« Ihre Tochter wird in eine Welt geschickt werden, wo sie nicht mehr im Mittelpunkt steht, obwohl es so einfach wäre.

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