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Erholung zum Greifen nahe?!

Gesundheitsreform der Rück- und Ausblick

»Es gab sogar Krankenkassen, die erst gar keine Kuren angeboten haben. Das jedoch nützt Ihnen heute gesehen reichlich wenig… «

Diese Worte eines (Kassen-) Insiders zeigen Wirkung. Ja, sie hallen eindringlich in den Ohren nach und regen zum Nachdenken an. Und während es in meinem Kopf rattert und sich mir die Frage aufdrängt, was die neue Gesundheitsreform daran verändert haben sollte, folgt prompt die Antwort meines unerwähnt bleiben wollenden Gegenübers: »Mit dem 1. April sind jetzt die Mutter/Vater - Kind -Kuren im Risikostrukturausgleich inbegriffen.

Zuvor war dies nicht so. Somit haben Kassen da gern einmal, wie zum Beispiel auch bei den Heilmitteln, an Kurmaßnahmen sparen können.«

In Zahlen gesprochen soll dies im bundesweiten Schnitt, schwarz auf weiß, folgendermaßen Bestätigung finden: Gab es zehn Jahre nach der Wende deutschlandweit noch fast 230.000 kurfreudige Elternteile mit Kind, durften 5 Jahre später nur noch 130.000 die Freude der Erholung in Kureinrichtungen genießen. In Ausgaben gerechnet haben Krankenkassen im Jahre '99 noch 421Millionen Euro für kurative Maßnahmen ausgegeben, während es 2005 nur noch 263 Millionen Euro waren.

Familiäres Körper-, Geist- und Seelenwohl waren demnach also kein sonderlich beliebter Fall bei unseren Krankenkassen. - Sehr zum Nachteil manch eines Versicherten, der vielleicht dringend eine Kur benötigt hätte, letztlich aber auch für die Kureinrichtungen selbst, reflektiere ich aus dem Gespräch mit Antje Schramm- Siegel, Leiterin der Kureinrichtung für Mutter und Kind "Haus am Rennsteig" in Steinheid: »Das Geschäft Mutter/ Vater-Kind - Kuren ist sehr anstrengend geworden, zum einen durch die Kostenbewilligung, zum anderen durch den Rückgang von Anmeldungen für eine Kur.«, erklärt sie. Etwa 30 bis 35 Prozent Absagen habe es demnach durch die Krankenkassen gegeben, was die beantragten Maßnahmen angeht. »Die Auslastung unserer Einrichtung lag in den vergangenen Jahren durchschnittlich nur noch zwischen 55 und 60 Prozent, zuvor bei bis zu 99 Prozent. Seit 2001 sind die Zahlen unsere Kurgäste stark rückläufig. In den letzten Jahren war es am schlimmsten.«

Argumente für eine Nichtbewilligung durch die Kassen hat es zahlreiche gegeben. »Die häufigste Begründung war, dass die ambulanten Maßnahmen vor Ort noch nicht ausgeschöpft seien. Jetzt, nach der Gesundheitsreform, bedarf das keinerlei Berücksichtigung mehr.«, erklärt die Kurleiterin freudig den Erfolg der Reform. Nur hat sich die Vereinfachung, die dadurch für die Familien entstanden ist, noch nicht überall herumgesprochen, trotz besserer Aussichten für kurbedürftige Eltern mit Kind: »Demnach…«, so verdeutlicht auch der thüringische Landtagsabgeordnete Michael Panse von der CDU, »…gehören Mutter-Kind- Kuren beziehungsweise Vater-Kind-Kuren nun zu den Pflichtleistungen der Krankenkassen. Das bedeutet wiederum, dass bereits die medizinisch belegte Notwendigkeit - attestiert durch den Arzt - ausreichen sollte, eine Kur bewilligt zu bekommen. Was wiederum eine Argumentation für die Krankenkassen schwieriger macht, die Kuren abzulehnen und zugleich Müttern beziehungsweise Vätern ermöglicht, ihr Recht auf dem gesetzlichen Wege einzuklagen.«

Ins sogenannte Widerspruchsverfahren sind in den vergangenen Jahren etliche Familien gezogen, die trotz schriftlich niedergelegter ärztlicher Notwendigkeit kein Recht auf das "Kuren" erhalten sollten. Ein bittersüßes Lächeln ist es, das Carolinas Mund umspielt, während sie von ihren eigenen Erfahrungen in Sachen Mutter-Kind-Kur spricht. Die 31jährige hat mehrere Ablehnungen ihrer beantragten Kurmaßnahmen hinnehmen müssen:»Nicht immer haben die Krankenkassen durch ihre (Fehl-)Entscheidungen eine Mutter/Vater-Kind-Kur nicht zu bewilligen ,auch bares Geld sparen können, obwohl das allein nur das einzige Interesse der Kassen gewesen sein kann! Ich weiß ganz sicher, dass mein Fall nur einer von vielen in Deutschland ist.«, verrät die gebürtige Sächsin und fährt weiter fort: »Ich glaube fest daran, dass eine Kur mit meiner Tochter Fiona so manch teuere Therapeutenstunde, die meine Kasse heute für mich bezahlen muss, hätte verhindern können. Als ich vor vier Jahren erstmals versucht habe, eine Kur zu beantragen, hat man sie mir, wie jeden der fünf nachfolgenden Kur-Anträge, abgelehnt. Noch bis vor einem halben Jahr habe ich schwer in meinem Job geschuftet, die restliche Zeit studiert und meine Tochter groß gezogen. Damit war ich völlig überfordert. Eine Auszeit hätte Fiona und mir sicher mehr als gut getan. Statt dessen bin ich nun schon seit fast einem Jahr in Therapie, arbeitsunfähig. Burnout-Syndrom…«, fügt sie leise hinzu. Mutter/Vater-Kind-Kuren müssen als gute Maßnahmen erkannt werden, ist sich auch Michael Panse sicher. »Sie bedeuten Prävention - medizinische Vorsorge und zugleich Rehabilitation - Wiederherstellung des Wohles. Nicht zuletzt sind sie auch eine Chance für die ganze Familie, um sich in der beruflichen und auch familiären Lebenswelt wieder zurecht zu finden oder schlicht, um gesundheitliche Defizite bei sich selbst oder dem eigenen Kind auszugleichen.«

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