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Eine Welt für junge Bücherwürmer

Neugierige Blicke beim Schmökern, gespitzte Ohren beim Zuhören und fantasievolle Bilder im Kopf - in der Kinderwelt in der Stadtbibliothek im Kulturkaufhaus DasTIETZ kommen junge Bücherwürmer auf ihre Kosten.

"Auf leisen Sohlen … Geschichten zum Zuhören", ein großes Schild lockt immer dienstags ab 16:00 Uhr und in der Ferienzeit auch an Donnerstagnachmittagen Kinder in die Welt der Phantasie. Im kleinen Pavillon aus orangem und gelbem Stoff, mit gemütlicher Sitzbank und Kissen in der Kinderwelt der Stadtbibliothek lauschen an diesem verregneten Frühlingsnachmittag acht Kinder ihrer heutigen Vorlesepatin. Ein dickes Märchenbuch auf dem Schoß fragt Annett Fuchs zunächst ihre kleinen Zuhörer: »"Das Pfefferkuchenhäuschen" - kennt ihr das Märchen?« Ein einstimmiges »Ja!« gibt ganz klar preis, dass die acht Knirpse davon zwei Jungen genau Bescheid wissen, dass es sich hier um eine Version von Hänsel und Gretel handelt. Eine Oma ist heute außerdem mit dabei.

Eigentlich arbeitet Vorlesepatin Annett Fuchs im Büro bei der Dekra. Seit knapp einem Dreivierteljahr kommt sie in ihrer Freizeit aber einmal im Monat zum Vorlesen in der Stadtbibliothek. Warum macht sie das? Die 41-jährige Frau findet Vorlesen von ihrer Kindheit her spannend und ist der Meinung: »Lesen geht verloren und Vorlesen erst recht. Das ist einfach nicht mehr so üblich heutzutage.« Bei den Vorlesestunden in der Stadtbibliothek ist uninteressant, für wieviel Kinder die Vorlesepaten ihre Geschichten anbieten und welches Alter die Zuhörer haben. Aber Annett Fuchs weiß, dass eine halbe Stunde ausreicht und die jüngsten Bibliotheksbesucher gern Tiergeschichten und Märchen, Jungs besonders gern etwas über Drachen und Piraten hören. Dabei steht natürlich der Spaß am Lesen und Vorlesen im Mittelpunkt. »Mein Sohn ist heute 22 Jahre alt und er hat zu Hause auch vorgelesen bekommen. Sogar mein Mann und ich lesen uns gern gegenseitig vor«, erzählt Annett Fuchs. Es sei ein Hobby geworden. Früher habe sie selbst immer Bücher gekauft, aber mittlerweile gehe auch sie gern zur Bibliothek.

Mitten im Vorlesen kommt die siebenjährige Michelle in den Pavillon zu Annett Fuchs. Sie hat einen Korb voll mit Büchern und CDs dabei, die sie sich gerade allein ausgesucht hat und nun ausleihen möchte. Selbstständig schauen und schmökern ist in der Kinderwelt nicht schwer, denn die Räumlichkeiten haben Kinder mitgestaltet und ihre Ideen wurden überall berücksichtigt. Hier gibt es nicht die in Bibliotheken üblichen hohen vollgestopften Regale, die schier unüberschaubar und sehr kinderunfreundlich zu nutzen sind. Vielmehr sind die 31 800 Bücher, Hörbücher, Musik-CDs, Filme, elektronische und Brettspiele sowie Zeitschriften in Fächern in einer Höhe angebracht, an die junge Leseratten und solche, die es werden wollen, problemlos heranreichen. Alle Schubladen und Bereiche sind beschriftet oder mit Bildchen versehen. So können sich auch Noch-Nicht-Lesende leicht zurechtfinden und Freude am Durchstöbern haben.

Im Jahr 2007 haben sich 492 Bibliotheksneulinge im Kinderbereich angemeldet und 199 Veranstaltungen wurden für das junge Publikum organisiert. Anja Schroen, Bibliothekarin in der Stadtbibliothek meint: »Ich selbst bin mit Büchern aufgewachsen und habe meinen eigenen Kindern vorgelesen. Mein Beruf ermöglicht es mir, die Lust am Lesen und den Wert an Informationen aus Büchern und anderen Medien den kleinen Nutzern, aber auch erwachsenen Kunden nahezubringen.« Und während "draußen" in der Kinderwelt der Geschichten in Büchern und auf CDs weiter reges Treiben herrscht, lauschen Michelle und die acht anderen kleinen Zuhörern im gemütlichen Pavillon weiter der spannenden Geschichte ihrer heutigen Vorlesepatin Annett Fuchs.

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