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»Was andere heute mit Erstaunen notieren, wird zukünftig ein Muss«

Persönlich, überraschend und gerade heraus - Dr. Gunnar Grosse, Vorstandsvorsitzender der KOMSA und Familienbotschafter des Freistaates Sachsen - der gebürtige Schwede im ganz privaten Interview mit KIDS und Co

Der Erfolg gibt ihm seit mehr als 15 Jahren am Standort Hartmannsdorf Recht und zugleich auch seine Unternehmens- und Lebensphilosophie, bei der es eben nicht nur die Arbeit gibt, sondern auch Familie und Freizeit selbstverständlich dazugehören.

Herr Dr. Grosse, was heißt für Sie Familie?
»Zur Kernfamilie gehören für mich nicht nur die Eltern, auch die Großeltern. Und das nicht passiv, sondern sie sollen aktiv mitwirken. Bei mir persönlich ist das ja eine neue Situation mit meiner zweiten Frau als in meiner ersten Ehe. Unser Sohn hat Großeltern und zwar aktive. Ich habe leider keine gehabt. Aber meine Freunde hatten welche und das war toll. Und dann gibt es natürlich über die Kernfamilie hinaus Cousinen, Tanten, Onkel usw.«

Was glauben Sie, ist wichtig für Kinder?
»Eine der schwierigsten Verantwortungen im Leben ist die für Kinder. Was ich als das Wichtigste ansehe, ist, dass man sie liebt, ihnen seine Gefühle zeigt und dass eine Gruppe Selbstverständlichkeit ist, wie im Kindergarten zum Beispiel. Für die Kinder, aber auch für Mama und Papa bedeutet das mental viel. Die Kleinen lernen, sich zurechtzufinden. Alles läuft geregelt ab, es gibt Planungs- und Organisationssicherheit und das wiederum gibt vor allem Eltern seelische Ruhe. Ist der Kindergarten in Arbeitsnähe, dann ist dies um so mehr der Fall. Ich kann nur jedem Unternehmen zu einem Betriebskindergarten raten, weil es Vorteile bringt.«

Sie kommen aus Schweden, wie sind Sie aufgewachsen?
»Ich bin selbst ebenfalls in den Kindergarten gegangen und hatte eine gute Zeit dort, wie später auch an der deutschen Schule in Stockholm. Als diese geschlossen wurde, war ich sehr traurig. Ich bin in meiner Kindheit sehr aktiv im Eishockey und bei den Sängerknaben in Stockholm gewesen. Man lernt viel, wenn man mit anderen Menschen spricht, gemeinsam etwas erlebt. Wir sind in der Gruppe viel unterwegs gewesen. Woanders essen war dabei schwierig für mich, weil mich meine Mutter verwöhnt hat. Dass die eigenen Kinder ihre Freunde einladen können, finde ich auch wichtig. Damit man sich gegenseitig kennenlernt, auch die Eltern der Kinder kennt und einfach willkommen ist. Da sind meine Eltern nicht so gewesen. Das habe ich von meinen Freunden gelernt. Besonders ein Vater hat sich mit uns beschäftigt. Wir waren oft bei ihm und er hat uns Kindern so tolle Dinge gezeigt, wie man zum Beispiel mit Hilfe eine elektrische Leitung eine Glühbirne zum Leuchten bringt und er hat gemeinsam mit uns gespielt.«

Wie machen Sie das als Vater mit ihren drei eigenen Kindern?
»Mit meinen Kindern mache ich so tolle Sachen, für die sich nicht alle Eltern Zeit nehmen, mit ihnen spielen, experimentieren u.s.w.. Sie sind auf unserem Bauernhof großgeworden. Beim ersten Kind weiß man ja noch recht wenig, man wächst erst hinein. Aber mir ist bewusst geworden, wie schwierig es für Eltern sein kann, mit Arbeit und Familie, als wir unsere Kinder nicht in den Kindergarten bekommen haben. Es hat keinen Platz gegeben, denn wir sind ja kein Notfall gewesen. Erst beim dritten Kind hat das geklappt.«

Neben Ihrer familienfreundlichen Unternehmensphilosophie, die sicher auch ein Stück weit aus Ihrem privaten Leben rührt, machen Sie sich gerade auch Gedanken in Richtung Freizeit für Ihre Mitarbeiter…
»Leben ist Arbeit, Familie und Freizeit. Aber es geht mir nicht um ein Meer mit Salzwasser und ein Ferienheim. Sondern die Mitarbeiter sollen mit anderen Menschen darüber sprechen, gemeinsam etwas machen, vor allem junge Eltern. Zusammen mit anderen Familien entstehen neue Lösungen, man fährt gemeinsam in die Ferien, holt sich gegenseitig ab, usw. …«

Wie sieht es in anderen Ländern mit Familie und Arbeit aus nach Ihren Erfahrungen?
»In Schweden ist zum Beispiel aus Unternehmenssicht gesehen die Emanzipation der Frauen schon längst fortgeschritten. Dort ist es Tatsache, dass auch Männer die Kinderbetreuung übernehmen und auch Frauen Chefs sind. In Deutschland ist das ja noch nicht richtig "stubenrein". Auch Mexico-Arizona, wo ich gelebt und gearbeitet habe, ist fortschrittlich. Als ich hierher gekommen bin, war ich ganz erstaunt, dass im Westen kaum Frauen arbeiten gegangen, sondern Hausfrauen gewesen sind. Aus privater Sicht ist mir aufgefallen, dass man in Amerika sehr offen ist für Verwandte. Hier in Deutschland ist das eher ein Muss. Meine ehemalige Frau hat dort sehr viel Verwandtschaft und wir wurden überall positiv aufgenommen. In Schweden sind große Küchen als Platz zum gemeinsamen Kochen, Essen und Reden typisch und kleine Städte, in denen mehrere Generationen zusammen leben. Da kann die Lebensqualität auch hier in kleinen Orten höher sein. In den Städten ist man da eher isoliert.
Besonders in der ehemaligen DDR mit den kleinen Wohnungen und den engen Küchen ohne Fenster müssen die Menschen geselliges Zusammensein vermisst haben.«

… und Sie wollen noch etwas Wichtiges zum Schluss loswerden?
»Bewusste Eltern, die sind immer willkommen bei uns bei der KOMSA. Ich glaube, dass zukünftig soziale Verantwortung ein Muss wird - das, was andere heute mit Erstaunen notieren.«

Vielen herzlichen Dank, Herr Dr. Grosse, dass Sie sich Zeit für das persönliche Gespräch genommen haben!

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