Kribbelbunt

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»Das Auge führt den Menschen in die Welt, das Ohr führt die Welt in den Menschen«

(Lorenz Oken)

Nur wer gut hört, kann sprechen lernen, andere verstehen und sich austauschen.

Nur wer gut hört, kann seine Gefühlswelt komplett erschließen, denn über Nervenfasern ist das Ohr direkt mit dem Gefühlszentrum im Gehirn verbunden.
Nur wer gut hört, kann den entscheidenden Unterton im Tonfall erkennen.
Nur wer gut hört, kann das heran rasende Auto registrieren und entsprechend reagieren.
Nur wer gut hört, kann sich im Alltag sicher bewegen.

Hören, ein Sinn zur Wahrnehmung, als Lebensgrundlage. Für die meisten von uns, die natürlichste Sache der Welt. Doch für 15 Millionen Menschen der deutschen Bevölkerung ist dies keine Selbstverständlichkeit, sie leiden an Hörschäden.

Jedes Jahr werden in Deutschland rund 1000 Kinder mit Hörleiden geboren. Doch wie wird man darauf aufmerksam? Viele Neugeborene, die stationär in einem Krankenhaus das Licht der Welt erblicken, bekommen ein so genanntes Neugeborenen-Hörscreening. Anhand dieser Untersuchung lässt sich bereits erkennen, ob der Säugling ein Verlust des Hörvermögens haben könnte oder nicht. Trotzdem wird die Schwer

hörigkeit durchschnittlich erst nach 18 Monaten entdeckt, mittelschwere Hörprobleme oder leichte Hörstörungen noch später. Grundsätzlich sollte das Hörvermögen eines Kindes möglichst früh fachmännisch abgeklärt werden. Dazu ist in der Regel der Besuch bei einem Spezialisten notwendig, weil die meisten Kinderarztpraxen nicht über die notwendige Ausstattung und/oder Erfahrung verfügen.

Höchste Eisenbahn für eine Untersuchung ist es aber wenn das Kind keine Fortschritte in seiner Sprachentwicklung macht, es gar nicht oder stark verzögert antwortet, wenn es angesprochen wird, wenn es keine Geräusche imitieren kann oder sich bei Lärm nicht erschrickt. Eine Hörschädigung kann neben erblichen Ursachen auch als Nebenwirkung einer Einnahme von bestimmten Antibiotika oder als Folge von Krankheiten, wie Meningitis auftreten. Bei 46 Prozent aller schwerhörigen Kinder ist der Anlass allerdings unklar. Genau deshalb ist es so wichtig, dass jedes Kind auf eine Hörschädigung hin untersucht wird. - Man kann eben keine echten "Risikogruppen" benennen.

Wie muss ich handeln wenn ein oder mehrere Anzeichen zu beobachten sind?
Als erstes empfiehlt sich ein Besuch beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Dieser kann dann abklären, ob sich der Verdacht bestätigt. Allerdings können sehr kleine Kinder nicht in allen Arztpraxen diagnostiziert werden. Hier ist dann meist der Besuch einer Klinik notwendig. Dabei gilt: Je eher die Schwerhörigkeit erkannt wird, desto größer die Chance auf eine erfolgreiche Therapie und somit eine möglichst wirksame Bekämpfung von Folgeproblemen des betroffenen Nachkommen. Denn: Für die einwandfreie Sprachentwicklung ist ein gutes Hören die Grundvoraussetzung.

Was man gar nicht glaubt: bereits in den ersten Lebensmonaten, während ein Knirps die meiste Zeit schläft, wird die Basis des Sprechens gelegt. Ab der Geburt hört ein Kind Klänge und Laute und speichert diese nach Häufig- und Ähnlichkeit. Bis zum 23. Monat sollte die Sprache und der Inhalt des Sprösslingsatzes allgemein verständlich sein.

Hörproblemen sind damit keinesfalls nur eine Alterserscheinung. Immer mehr Kinder und Jugendliche sind betroffen. Durch die hektische Gesellschaft sind wir anfälliger für Stress und Infektionskrankheiten geworden, welche Durchblutungsstörungen hervorrufen. Viele Jugendliche erleiden Hörschäden infolge von zu hoher Lärmbelastung, etwa in Diskotheken oder über den MP3-Player. Allerdings ist Hörschaden nicht gleich Hörschaden. Man unterscheidet in leichte, mittelgradige und hochgradige Schwerhörigkeit. Doch diese Einstufung ist nur eine grobe Hausnummer. Je nach der Stärke des Hörverlustes gibt es unterschiedliche Hilfen für Betroffene. Anders als noch vor zehn Jahren ist es heutzutage möglich, sehr fein arbeitende Hörgeräte herzustellen, die in der Lage sind, auf unterschiedliche Hörsituationen angemessen zu reagieren.

Für diese kleine Wunderlinge, sind Ohrpassstücke und Schallschläuche in allen Farben und Größen beim Pädakustiker zu bekommen. Dabei erfolgt die Anpassung für Kinder meist auf spielerische Art und Weise. Für hochgradig schwerhörige Menschen und besonders für die Jüngsten gibt es seit etwa 20 Jahren das Cochlea-Implantat, eine Art Innenohrprothese. Dabei werden mit Hilfe eines kleinen Computers akustische Signale in elektrische Reizmuster verwandelt, die direkt an den Hörnnerv weitergeleitet werden. Und auch wenn der Hörnerv selbst geschädigt ist, gibt es noch Hilfe durch das Hirnstammimplantat.

Das Wichtigste aber bei allen Hörhilfen ist, dass die Kinder nach einer angemessenen medizintechnischen Versorgung mit Unterstützung eines Therapeuten das Hören - und in der Folge auch das Sprechen - lernen. Da heißt es dann: üben, üben, üben.

Ob Hörgerät oder Cochlea-Implantat - für hörgeschädigte Kinder ist es entscheidend, dass sie frühzeitig mit Hörhilfen versorgt werden und diese auch regelmäßig tragen. Denn gerade in den ersten Lebensjahren reifen die kindlichen Hörbahnen besonders schnell. Diese Zeit kann man für das Hören- und Sprechenlernen gut nutzen.

Ganz wichtig ist es also, dass Eltern beim ersten Verdacht auf eine Hörschädigung eine fundierte Diagnose vom Spezialisten einholen. Dabei sollten sie - wie auch beim anschließenden Weg zu Akustiker und Therapeutin - kritisch bleiben und auf ihr Gefühl vertrauen. Sind die Eltern nicht überzeugt, müssen sie weitere Wege gehen, bis sie die richtigen Partner für ihre Situation gefunden haben. Denn sie sind die Experten für ihr Kind und sollten sich im Interesse ihres Kindes nicht mit Kompromissen abfinden. Für Kinder ist die Akzeptanz Ihrer Schwerhörigkeit durch ihr Umfeld besonders wichtig. Dabei sollte ihnen keinesfalls das Gefühl gegeben werden, einen Makel zu haben. Ein Kind lernt nur, mit seiner Hörschädigung umzugehen und seine Hörgeräte anzunehmen, wenn auch seine Vorbilder, die Eltern dies tun. Dann lernen sie selbstbewusst mit ihrer Situation umzugehen und tragen ohne Scheu ihre nahezu unsichtbaren Hilfen.

Übrigens: Elternpaare finden oftmals die bestmögliche Hilfe im Umgang mit der Thematik bei Gleichgesinnten. Aber auch Vereinigungen, wie zum Beispiel dem Landesverband der Gehörlosen Thüringen e. V. (www.lvglth.de) kann Unterstützung bieten.

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