KIDS und Co hinter den Kulissen
Zu Besuch im „Schloss Einstein“
Text: Ines Beier, Christian Köhler Fotos: Susann De Luca

Seit mehr als elf Jahren wissen eingefleischte Fans, wenn auf dem KiKa gesungen wird »Alles ist, alles ist relativ normal; alles ist, alles ist uns manchmal echt egal«, läuft eine neue Folge „Schloss Einstein“. Heute sind wir für Euch zu Gast bei der beliebten Kinder- und Jugendfernsehserie und haben uns hinter den Kulissen einmal für Euch umgesehen und mit Emma, Sophie, Ronja und Bruno gesprochen. Auf der Suche nach Daniela Küchler, die für die Pressearbeit der Saxonia Media AG, die Produktionsfirma von „Schloss Einstein“, arbeitet, laufen wir an vielen Büros mit eindrucksvollen Bezeichnungen vorbei: Dramaturgie, Casting, Postproduktion und Schnitt sind nur einige, welche uns auffallen. Liebenswürdig und freundlich begrüßt uns Daniela Küchler und erklärt: »Ich bin seit dem ersten Drehtag in Erfurt im April 2007 dabei. Die Arbeit hier ist unwahrscheinlich vielfältig. Das Team ist einfach klasse. Besonders dar Umgang mit den Darstellern macht mir am meisten Spaß.«

Neugierig und erwartungsfroh machen wir die ersten Schritte durch den riesigen Gebäudekomplex in Richtung Studio; vorbei an Requisitenlagern mit Kisten voller Handtücher, Rucksäcken und Sportgeräten sowie jeder Menge Mitarbeiter, die alle genaue Aufgabenfelder zu beackern haben. »Die meisten der Teamkollegen kommen erst um 12 Uhr her, da der Dreh um 14 Uhr beginnt. Das ist so ein fester Termin bei uns.« vernehmen wir von Daniela Küchler, während alle möglichen Eindrücke auf uns niederrieseln. »Die Kinder werden dann auch von unseren Fahrern abgeholt und von unserem Kinderbetreuer in Empfang genommen. Danach geht’s in die Maske, Kostümanprobe und dann zum Dreh. Die Kleinen werden hier rund um die Uhr betreut. Wir haben selbst einen Coach, der den Kids verschiedene Sachen, zum Beispiel Tanzen, wenn es für die Dreharbeiten gebraucht wird, beibringt.«, ergänzt die taffe Promoterin lächelnd.
Am tausend Quadratmeter großen Studio angekommen, steigen wir die Treppe in der Pulverhalle, das Herzstück des Einstein - Internats, hinauf und werden in die Schlafstätten der „Bewohner“ geführt. Es ist etwas kühl und ein leichter Holzgeruch, der an Baumarkt erinnert, liegt in der Luft. Die Wohnräume dagegen sind gemütlich eingerichtet und machen einen coolen jugendlichen Eindruck – entsprechend der Charaktere. Als wir die schicke Räumlichkeit von den Jungschauspielerinnen/Darstellerinnen Felicitas und Tatjana begutachten, wollen wir am liebsten gleich dort einziehen. Die vielen Poster und jene liebevoll ausgeschmückten Details lassen die riesige Arbeit der Requisiteure erkennen. Obwohl die Räume der Internatsschüler im Fernsehen recht groß wirken, sind sie in „echt“ doch eher klein und behaglich.

Die von Tageslicht durchflutete Cafeteria von „Schloss Einstein“ macht Lust auf eine kleine Verschnaufpause mit Kaffee und Kuchen. »Die Backwaren sehen zwar lecker aus, sind allerdings nicht echt. Also lieber nicht probieren…«, verrät unsere Studioführerin Daniela Küchler schmunzelnd. »Wie in unseren Klassenzimmern wird auch in der Cafeteria unter echtem Tageslicht gearbeitet. Das ist perfekt zum Drehen, da es viel lebhafter und natürlicher wirkt als im Studio mit künstlichem Licht.«, erklärt sie wissend. »Aber nun folgt mir mal in die Maske und Garderobe…«

Dort türmen sich Kostüme in der „schlosseigenen“ Kostümschneiderei und an der Tür der Maske liest der aufmerksame Besucher „Die Maske ist ein Ort der Ruhe und Entspannung“. Hier also erholen sich die jungen Darsteller bevor sie sich umziehen und an das Set kommen. Hinter der Garderobe, wo die vielen Spinte aller Schauspieler an der Wand angeordnet sind, entdecken wir Viviane Witschel alias „Emma“, die eine Drehpause hat und gerade ihren Text für die nächste Szene lernt. »Bis zu drei Mal die Woche und manchmal sogar acht Stunden – natürlich mit Pausen – steht jeder von uns vor der Kamera«, erzählt sie uns. Ob sie sich in ihrer Rolle wohlfühlt, wollen wir wissen und sie verrät: »Alle meine Freunde sagen, dass „Emma“ gut zu mir passt. Ich musste mich nicht sehr umstellen, da ich in Wirklichkeit auch zwei jüngere Geschwister habe, die ich aber nicht so herumkommandiere wie „Emma“ in der Serie.« Lächelnd fügt sie vor der Verabschiedung hinzu. »Trotzdem erkenne ich schon den Teenie-Alltag wieder. Die Themen sind sehr wirklichkeitsgetreu und wie aus dem richtigen Leben gegriffen.«

Nach dem Gespräch mit „Emma“ müssen wir unsere Beine in die Hand nehmen um noch rechtzeitig zum Drehgeschehen am Set zu sein. Dort ist es mucksmäuschenstill. Alle wirken angespannt. Dann hören wir: »Wir drehen! Action!« und wissen, dass wir keinen einzigen Laut von uns geben dürfen. Gerade stehen „Sophie, Ronja und Bruno“, alias Anica Röhlinger, Miriam Katzer und Ferdinand Dölz, vor der Kamera und wollen eine Szene im Direktorenzimmer vom Albert-Einstein-Gymnasium in den Kasten bekommen. Auf leisen Sohlen pirschen wir uns davon und hoffen, mit den Dreien noch einmal während einer Pause ins Gespräch zu kommen. Wir haben Glück und erwischen sie später auf einem der Schulgänge, der eigentlich ein normaler Flur des Studiogebäudes ist. »Meine Schwester hat mich zum Casting geschickt.«, erklärt uns der 13-jährige „Bruno“ und fährt fort: »Niemand hätte gedacht, dass es wirklich klappen könnte. Und jetzt bin ich schon fast drei Jahren dabei und meine Eltern finden das auch total super. Vor allem, weil ich hier auch soziale Werte vermittelt kriege, zum Beispiel wie man sich in einer Gruppe verhält.« Wir fragen ihn, ob er denn von Fans auf der Straße erkannt wird: »Ja, manchmal. Das ist auch schon ein cooles Gefühl.«, gibt er grinsend zu und bedient sich am einladenden Buffet, wo ein paar Getränke, Käse- und Wurstbrote sowie ein bisschen Obst für die Drehpausen bereit stehen.

„Sophia“ kam erst 2009 zum Schauspielern. »Auch später möchte ich auf jeden Fall etwas Kreatives machen, vielleicht Schriftstellerin oder so. Das wäre schön.«, erklärt sie. Uns interessiert, ob sie das Spielen einer Rolle sehr strapaziert. »Es ist schon sehr stressig«, kichert sie und löffelt ihren Joghurt. »Aber es macht so viel Spaß, dass man die ganze Anstrengung gar nicht merkt. Auch mit dem Texte Lernen ist das so eine Sache. Die leichten gehen manchmal schwer und umgekehrt.« gibt sie ehrlich zu. »Für die Schule hilft es mir jedenfalls nicht.« Darüber müssen auch wir ein wenig lachen. Die 16-jährige Anica, in der Serie „Ronja“, hat schon ein wenig mehr Erfahrung mit an das Set gebracht. »Ich war, bevor ich zu „Schloss Einstein“ kam, schon am Theater und habe in einem Musical mitgespielt.« Sie verrät uns auch, dass sie trotzdem eine Menge lernt. »Bestimmte Dinge, die im Drehbuch stehen, müssen wir extra erlernen. So habe ich das Puppenspiel beigebracht bekommen, da in der Serie meine Eltern Puppenspieler sind.« Ebenso wie die anderen der „kleinen“ Schauspieler hat auch „Ronja“ offensichtlich jede Menge Spaß an der Serie mitzuwirken, auch wenn sie und die anderen zugeben, dass es manchmal schwierig ist, Freunde, Familie, Schule und die Dreharbeiten unter einen Hut zu bekommen.

Immerhin, so erfahren wir von Daniela Küchler auf dem Weg zum Ausgang, muss für eine einzige Sendeminute im Schnitt eine Stunde gedreht werden. »Dazu kommt, dass das Schneiden einer Folge, die Regieabnahme und Nachvertonung vier bis fünf Wochen beanspruchen.« Ganz schön viel Arbeit für eine 25-minütige Folge. Deswegen vergehen wohl auch vom Dreh einer Folge bis zu ihrer Ausstrahlung auch drei bis vier Monate. »Dennoch drehen wir 52 Folgen im Jahr«, sagt die Pressebeauftragte und fügt abschließend hinzu: »Natürlich gibt es auch lange Drehpausen im Sommer oder zu Weihnachten.«

Bei all dem Stress kommt aber der Spaß trotzdem nicht zu kurz und das haben wir in jeder Minute bei unserem Blick hinter die Kulissen bei „Schloss Einstein“ gespürt! Ein Besuch bei der Kult Jugendserie lohnt sich, denn dort erfährt man, wie viel Aufwand, Detailliebe und Schweißtropfen eine jede Folge der bisher dreizehn Staffeln das Team und die Schauspieler gekostet haben, um so eine tolle Serie zu produzieren.




