»Der Thomanerchor ist berühmt, da singen nur Jungs«
Das wissen die fünf Jungs aus der evangelischen Kindertagesstätte „Das Samenkorn" schon ganz genau und warten mit großen neugierigen Augen darauf, was ihnen Angelika Mees gleich über diesen weltbekannten Leipziger Chor berichten wird.
Text und Fotos: Karin Keding
»Der Jungschor braucht neue Jungs und deshalb bin ich heute da«, erklärt die Nachwuchsmitarbeiterin des Thomanerchors, Angelika Mees, den fünf Steppkes. Diese nicken eifrig und können es kaum erwarten, endlich mit dem Singen anzufangen, denn darum soll es heute gehen. Doch zunächst stellt sich die Frau, die so viel über den Thomanerchor zu berichten weiß, den aufgeweckten Kindergartenkindern vor und erklärt ihnen, was überhaupt ein
Chor ist. Zusammen gesungen haben die Zwerge schon oft im Kindergarten, doch heute ist alles ein wenig anders.
Angelika Mees startet mit einer musikalischen Erwärmung und testet so ganz spielerisch die Stimmen der fünf Buben, die sich zusammen mit der Nachwuchsmitarbeiterin auf eine musikalische Wanderschaft begeben: Da summen die Bienen und fallen Regentropfen vom Himmel. Mal ganz kleine Tropfen, in hohen zarten Tönen »Blip, blip blip«, macht Angelika Mees vor und die Kinder nach, dann werden es laute, dicke Tropfen, die sie mit ihren Stimmen imitieren. »Blub, blub, blub« tönt es durch den kleinen Raum. Unter dem geschulten Ohr von Angelika Mees singen die jungen Talente im Echo und dürfen zum Schluss noch ihr Lieblingslied vorsingen. Die verschiedenen Übungen helfen dabei, den Jungs verschiedene Töne zu entlocken, auch sehr hohe, die sie bisher vielleicht noch nicht gesungen haben. Mit viel Engagement und Freude lockt Angelika Mees diese Töne aus ihnen heraus: »Man muss die Stimme wecken und hervorlocken«.
Nach knapp 30 Minuten endet auch schon das Vorsingen für die Kindergartenjungs und Angelika Mees ist sich sicher, ein Talent erkannt zu haben, das Potential für den Thomanerchor haben könnte. »Er hat etwas Feines in der Stimme, das hat mich angesprochen«, begründet sie ihre Entscheidung und weiß: »Es muss ein gewisses
Potential da sein für diesen Weg.« Das vierjährige Hoffnungstalent erhält eine Einladung zu einer Schnupperstunde beim Thomanernachwuchs und wird seinen Eltern am Nachmittag von seinem spannenden Vormittag mit dem vielen Singen erzählen. Zum Schluss möchte Leon dann noch genau wissen, was ihn bei den Thomanern erwartet und freut sich über die Antwort von Angelika Mees: »Da machen wir dann den ganzen Tag Echo.« Genau so, wie er es gerade selbst schon gesungen hatte.
Seit nun schon drei Jahren sucht Musikpädagogin Angelika Mees als Nachwuchsmitarbeiterin zusammen mit Svetlana Toschev nach neuen Talenten für den Thomanerchor. Von August bis Ende März ist sie jeden Tag in den Kitas unterwegs und hat schon mit mehr als 1000 Jungen eine Probesingstunde durchgeführt. Doch nur wenige kommen davon in die engere Auswahl, ca. 50 Jungs entdecken die Nachwuchsmitarbeiter in den Kindergärten, von denen dann 15 bis 20 Jungen für den Thomanernachwuchs übrig bleiben, von denen dann schließlich ca 10 bis 12 Jungen nach einer Aufnahmeprüfung in die 4. Klasse und somit zum Thomanerchor
aufgenommen werden. Ihren Nachwuchs suchen die Thomaner natürlich nicht nur in den Kindergärten, Eltern sind gern aufgefordert, sich selbst zu melden, wenn ihr Sohn eine besonders schöne Stimme und Spaß am Singen im Chor hat.
Im nächsten Jahr gibt es für die Thomanereinen ganz besonderen Grund zum Feiern: „800 Jahre Thomana“ heißt es im Jubiläumsjahr 2012, das mit vielen Festveranstaltungen von Januar bis Dezember zahlreiche Besucher begeistern wird.






