Ist vegetarische Ernährung für Kinder
geeignet?
Wenn Eltern ihre Kinder vegetarisch ernähren, müssen sie besonders darauf achten, daß die Kinder alle Nährstoffe in ausreichender Menge erhalten, die für ihre gesunde Entwicklung notwendig sind. Dies ist nur möglich, wenn Milch, Milchprodukte und eventuell Eier verzehrt werden sowie Lebensmittel so kombiniert werden, dass ausreichend Eiweiß und Eisen aufgenommen werden.
Vegetarische Ernährungsweisen werden in ovo-lacto-vegetabile, lacto-vegetabile und vegane
(streng vegetarische) Kost eingeteilt. Sie lehnen bestimmte oder
alle tierischen Lebensmittel ab. Während Lacto-Vegetarier
Milch und Milchprodukte akzeptieren, verzehren Ovo-Lacto-Vegetarier
darüber hinaus auch Eier. Strenge Vegetarier verweigern
sämtliche tierischen Produkte. Manche von ihnen lehnen sogar
Honig ab. Eine Ernährung ohne Fleisch und Fleischprodukte,
dafür aber mit viel Vollkornprodukten, Gemüse,
Hülsenfrüchten und Obst, ist reich an Stärke,
Ballaststoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären
Pflanzenstoffen. Die geringe Aufnahme an tierischem Fett und
Cholesterin ist vorteilhaft bei der Vorbeugung
ernährungsmitbedingter Krankheiten wie Übergewicht oder
Fettstoffwechselstörungen. "Eltern, die sich selbst
fleischlos ernähren, möchten diese Lebensweise
häufig auch an ihre Kinder weitergeben. Gerade für Kinder
ist es jedoch wichtig, dass sie alle Nährstoffe in
ausreichender Menge erhalten", gibt Dr. Helmut Oberritter,
Wissenschaftlicher Leiter der DGE, zu bedenken. "Dies ist bei
einer abwechslungsreichen (ovo-)lacto-vegetabilen Kost
möglich. Der wichtigste kritische Nährstoff hierbei ist
Eisen. Bei richtiger Lebensmittelauswahl und -kombination kann
seine Zufuhr aber sichergestellt werden."
Die Verfügbarkeit von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln
wird durch pflanzliche Inhaltsstoffe wie Phytin-, Oxalsäure
oder Tannine beeinträchtigt; sie beträgt deshalb nur 2
bis 5 Prozent, aus Fleisch dagegen bis zu 20 Prozent. Werden zu
eisenreichen pflanzlichen Lebensmitteln gleichzeitig
Vitamin-C-reiche Produkte verzehrt, verbessert sich die
Eisenverfügbarkeit. Ein manifester Eisenmangel konnte zwar
auch bei (ovo-)lacto-vegetabil ernährten Kindern nicht
häufiger beobachtet werden als bei Nichtvegetariern, jedoch
sind deren Eisenreserven deutlich geringer.
Fazit der DGE: Die (ovo)lacto-vegetabile
Ernährung kann als Dauerernährung geeignet sein. Vor
allem bei Kindern ist aber besondere Sorgfalt bei der
Lebensmittelauswahl geboten. Vegane Ernährung ist ungeeignet.
Durch die stark eingeschränkte Lebensmittelauswahl kann bei
der veganen Kost die Versorgung des Kindes mit einer Reihe
wichtiger Nährstoffe kritisch sein. So kann besonders in der
Wachstumsphase die Zufuhr von Eiweiß und Energie nicht
ausreichend sein. Die Mineralstoffe Calcium und Eisen, das
Spurenelement Jod sowie die Vitamine D, B2 und B12 werden meist in
zu geringen Mengen aufgenommen. Pflanzliches Eiweiß besitzt
eine geringere biologische Wertigkeit als tierisches. Um diese zu
verbessern, können bestimmte pflanzliche Lebensmittel, die
sich in ihrer Aminosäurestruktur (Eiweißbausteine)
gegenseitig ergänzen, kombiniert gegessen werden (z.B.
Getreide mit Hülsenfrüchten). Berücksichtigen die
Eltern diese Kombinationswirkung nicht, kann es bei veganer
Ernährung zu einer Eiweißunterversorgung kommen, die bei
Säuglingen und Kindern zu Wachstumsstörungen führt
und sogar lebensbedrohlich sein kann.
Die geringe Energiedichte pflanzlicher Nahrung ist ebenfalls
kritisch. Insbesondere Rohkost ist sehr voluminös und der
Energiegehalt ist in Bezug auf die Nahrungsmenge gering. Vor allem,
wenn viel Rohkost, aber wenig Kartoffeln oder Getreide verzehrt
wird, besteht die Gefahr, daß (Klein)Kinder nicht
genügend Nahrung aufnehmen, um ihren Energiebedarf zu decken.
Calcium ist wichtig für den Knochenaufbau. Fallen die
Hauptlieferanten Milch und Milchprodukte weg, wird es in zu
geringen Mengen aufgenommen. Hinzu kommt, dass Calcium pflanzlicher
Lebensmittel vom Körper schlechter verwertet wird. Es ist
daher kaum möglich, die erforderliche Menge an Calcium ohne
Milch und Milchprodukte zu erreichen.
Besonders kritisch ist die Versorgung mit Vitamin B12, das fast
ausschließlich in tierischen Lebensmitteln enthalten ist.
Zudem konnten Kinder keinen ausreichenden Vitamin B12-Speicher
bilden. Bei Säuglingen, die von vegan ernährten
Müttern voll gestillt wurden, konnten schwere und zum Teil
bleibende Störungen der Nerven- und Hirnentwicklung beobachtet
werden. Die Versorgung mit Eisen, Jod und Vitamin B2 kann durch
eine sorgfältige Auswahl der Lebensmittel und die Verwendung
von Jodsalz ausreichend sein. Fragen Sie den Kinderarzt, ob
Jodpräparate sinnvoll sind.
Halten sich die Kinder viel im Freien auf und bekommen
genügend Sonnenlicht ab, so kann die Haut ausreichende Mengen
an Vitamin D bilden.
Fazit: Die streng vegetarische/vegane
Ernährung wird aufgrund ihrer Risiken für keine
Altersgruppe empfohlen. Die DGE rät besonders für
Säuglinge, Kinder und Jugendliche dringend davon ab.
Die DGE gibt Eltern Tips bei einer
(ovo-)lacto-vegetabilen Ernährung:
• Geben Sie ihrem Kind eisenreiche pflanzliche Lebensmittel
wie z.B. Hirse oder Vollkorngetreide immer in Kombination mit
Vitamin-C-reichem Obst (z.B. Orangen), Obstsäften oder
Gemüse (z.B. Paprika, Brokkoli oder verschiedene
Kohlgemüse). Das verbessert die Eisen-Verfügbarkeit aus
pflanzlichen Lebensmitteln.
• Verwenden Sie ausschließlich Jodsalz und damit
hergestellte Produkte.
• Kombinieren Sie verschiedene proteinreiche Lebensmittel in
einer Mahlzeit, wie z.B. Milch und Kartoffeln, Kartoffeln und
Hülsenfrüchte oder Kartoffeln und Eier. Dadurch
können Sie eine ausreichende Proteinversorgung Ihres Kindes
gewährleisten.
• Das Forschungsinstitut für Kinderernährung in
Dortmund empfiehlt für die Beikost eines fleischfrei
ernährten Säuglings einen
Gemüse-Kartoffel-Getreide-Brei mit Zugabe von Orangensaft oder
einem anderen Saft mit vergleichbarem Vitamin-C-Gehalt.
• Wenn Sie industriell hergestellte Babynahrung bevorzugen,
achten Sie dabei auf die Zutatenliste. Enthalten die angebotenen
Gemüse-Vollkorngetreide-Breie kein Vitamin C, geben Sie einige
Eßlöffel Orangensaft zu.
• Achten Sie darauf, daß der Gemüse-Kartoffel-Brei
keine Milch enthält. Diese vermindert die Verfügbarkeit
des Eisens in der Mahlzeit.
• Ernähren Sie ihr Kind nicht vegan!





