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Schicksal Inkontinenz!?

»Es ist wahrscheinlich nicht zu hoch gegriffen, dass in der Altersgruppe ab 50 jede 3. Frau davon betroffen ist.«, beschreibt Chefarzt Dr. Jürgen Könnecke das unfassbare Ausmaß eines Leidensweges vieler von Inkontinenz betroffener Frauen - übrigens ganz gleich welchen Alters! Und dennoch ist kaum ein anderes Thema zugleich ein solches Tabu in unserer Gesellschaft.

Totgeschwiegen. Kaum etwas trifft auf eine solche Mauer des Schweigens wie die Inkontinenz. Als Probleme der "Alten" wird sie abgetan. Und doch leiden sehr viele junge Frauen darunter, unkontrolliert Urin zu verlieren, sich regelmäßig einzunässen. Verfolgt man die Symptomatik dieser Krankheit zurück bis zu deren Ursprung, stellt sich nicht selten die Geburt des letzten Kindes als Auslöser dieses Leidens heraus. Und doch: Obwohl es so gar keine Seltenheit ist, fehlt es oftmals an offenen Worten von Frauen untereinander und an Aufklärung durch Experten. Noch nicht einmal das Internet - das sogenannte "World Wide Web" bietet betroffenen Frauen eine ausreichende Möglichkeit sich zu belesen und zu informieren, obwohl es das wohl mittlerweile größte Wissens- und Quellenverzeichnis ist.« Zeit, das Schweigen zu brechen! Dieser Meinung sind auch Linda und Petra, zwei Frauen, deren Sorgen so ganz und gar nicht als eine Frage des Älterwerdens betrachtet werden können…

Linda, 28 Jahre: »Seit der Geburt meines Kindes vor 3 Wochen nässe ich regelmäßig wieder ein. Das ist sowohl tags als auch nachts der Fall. Mein Arzt hat gesagt, das würde sich durch Beckenbodengymnastik wieder geben und mir erst einmal Windeln verschrieben. Ich habe zuvor noch nie von einer solchen Geschichte erfahren, dass irgendjemand vielleicht ähnliches nach einer Geburt erlebt hat. Ich frage mich, wie lange dieser Zustand wohl anhalten wird. Gern würde ich mit jemandem darüber reden, da mich dieser Zustand sehr belastet und ich mich nicht an die Windeln gewöhnen kann.«

Petra, 37 Jahre: »Ich bin da schon ein kleines Stück weiter - leider im negativen Sinne. Auch ich hatte nach der Geburt das gleiche Problem. Und auch ich bekam die gleiche Aussage meines Arztes. Trotz Beckenbodengymnastik ist das stetige Einnässen jedoch nicht mehr weggegangen. Ich trage nun immer Windeln und habe diesen Zustand für mich mittlerweile akzeptiert. Da ich nur weite Röcke und Kleider trage, fallen diese recht dicken "Pakete" auch nicht so auf. Die Geburt meines Sohnes ist nun schon fast 6 Jahre her.«

Nie darüber gesprochen, es einfach hingenommen - leider sind dies die "normalen" Reaktionen betroffener Frauen. Viele sehen ihre Blasenschwäche als Schicksal. Aus Scham verbergen sie ihre Krankheit und lassen zu, dass die Inkontinenz Oberhand über ihr Leben gewinnt. Ständig in der Angst einzunässen, ziehen sich diese Frauen mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurück.
Hingegen scheint es fast gewöhnlich in Apotheken und Drogerien unterstützende Mittel zu erwerben, für das letztlich unausgesprochene! Problem. Man könnte meinen, es profitierten davon einzig die Hersteller von Windelhöschen, Arzneikürbis-Kapseln und Co. Doch genau genommen würden all diese Dinge weitestgehend unnütz, gäbe es eine echte Aufklärung zu dieser Krankheit! Oder haben Sie schon gewusst, dass mit minimalen operativen Eingriffen - und das ganz ohne Medikamente und Hilfsmittel - einer Frau mit diesen Symptomen geholfen werden kann? Wir meinen: dass sie vollkommen befreit von ihrer Inkontinenz ein weitaus entspannteres Leben genießen könnte, mindestens aber dadurch eine enorme Besserung eintritt.

Im Gespräch mit Dr. Jürgen Könnecke, Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe erfahren wir mehr über die Krankheit und eine Methode, die revolutionär für alle Frauen ist, die unter Inkontinenz leiden.

Herr Dr. Könnecke, als ich den Menschen in meinem Umfeld erzählt habe, über welches Thema ich mit Ihnen heute sprechen möchte, reichte die Reaktion vom erschrockenen Aufschrei und bis hin zu einem »Um Gottes Willen, das ist doch kein Thema für ein Familienmagazin!« Frauen hingegen schienen oft besonders zurückhaltend…
»Gerade eben ist eine junge Frau mit ganz genau diesem Problem bei mir gewesen. Sie sagt, dass sie Urin verliert - beim Niesen, Lachen und Husten. Und: dass sie sich nicht mehr traut, joggen zu gehen. Besonders schlimm ist es für sie, wenn sie ihr Baby in die Wiege legt. Bei eben dieser speziellen Körperhaltung verliert sie Urin, was sie selbst nicht fassen konnte, weil das nach der Geburt bei ihr auftrat. Sie hatte eine etwas verlängerte Geburtsdauer mit einem großen, schweren Kind. Und danach traten die soeben geschilderten Symptome bei ihr auf. Die Frau konnte sich das nicht erklären, weil die Geburt auf natürlichem Wege bei ihr beendet wurde. Ich meine, dass es nicht selten ist, dass manche Frauen nach einer Geburt, einer spontanen Geburt darunter leiden, diese Symptome des unkontrollierten Urinverlusts aber häufig mit Alter assoziieren. - Das ist ein entschiedener Trugschluss!«

Inkontinenz ist also keine Frage des Alters?
»Wenn man den Leidensweg von durchaus reiferen Frauen zurückverfolgt, stößt man schon sehr schnell darauf, dass oft der Beginn der Problematik bei der letzen Geburt liegt. Ich würde es so sagen: Diese sogenannte Blasenschwäche ist ein Problem der Frau schlechthin, welches sehr häufig in jungen Jahren auftritt und mit zunehmendem Alter an Intensität gewinnt und somit die Lebensqualität intensivst beeinträchtigt.«

Die natürliche Geburt kann also Auslöser für eine Blasenschwäche sein…
»Auch wenn wir sehr häufig Spontangeburten als Ausgangspunkt dieser Gesundheitsbeeinträchtigung sehen, heißt das nicht, dass wir Frauen von der natürlichen Geburt abraten. Das heißt, es gibt durchaus vorgeburtliche Maßnahmen, die die Möglichkeit eines solchen Schadens erheblich reduzieren können und zum anderen verfügen wir über relativ einfache und die Frau nicht sehr belastende Behandlungsmöglichkeiten, die das Problem des unkontrollierten Urinabgangs wirksam lösen und deren Effektivität nach jetzigem Kenntnisstand anhält.«

Bevor wir auf die Behandlungsmöglichkeiten zu sprechen kommen, erklären Sie bitte kurz, was bei einer Geburt geschieht, dass es anschließend überhaupt zu einer solchen Erkrankung und deren weitere Folgen kommen kann.
»Kommt es nach einer Geburt zu einer Belastungsinkontinenz, so ist es natürlich naheliegend, dass die Ursache im Geburtsverlauf zu suchen ist. Diese Überlegung haben auch moderne Untersuchungsverfahren wie CT und MRT beweisen können. Offensichtlich werden aus den verschiedensten Gründen die Verankerung der Harnröhre und der gesamte Beckenboden beschädigt. Dieser Gewebszustand stellt an sich keine Krankheit dar. Ist dieser Zustand aber mit einer deutlichen Senkung der Genitalorgane und der Blase verbunden, so kann es neben dem unkontrollierten Urinabgang infolge der ungenügenden Blasenentleerung durchaus zu Entzündungen und daraus resultierenden chronischen Erkrankungen des ableitenden Harnsystems kommen.«

Sie versprechen mit einem einfachen Verfahren bestmöglich Abhilfe für alle Frauen erzielen zu können…
»Es gibt sehr ungefährliche Verfahren, mit kurzem stationären Aufenthalt von etwa 1-3 Tagen und sehr geringen operativen Beeinträchtigungen. Es wird über die Scheide unter der mittleren Harnröhre ein schmales Prolene-Band platziert, was die in ihrer Halterung beeinträchtigte Harnröhre stützt. Dieses Band verursacht keine Abstoßungsreaktion und ist in wenigen Tagen eingewachsen. Das Vorhandensein ist für die Frauen nicht spürbar.«

Dies ist nur eines von vielen Verfahren bei der Behandlung der Inkontinenz, in Ihren Augen auch die beste Methode. Welche anderen typischen Verfahren sind Ihnen noch bekannt?
»Konservative Behandlungsmöglichkeiten, wie z.B. die Beckenbodengymnastik dienen der Stabilisierung - sind aber letztlich nicht dazu geeignet, dieses Problem des Urinabganges zu beheben. In gleicher Weise gibt es medikamentive Behandlungen - allerdings mit so erheblichen Nebenwirkungen, dass sich diese Methode nicht durchgesetzt hat. Am wenigsten invasiv und am sichersten ist das Prolene-Band. Es ist vor ca.10 Jahren in der Schweiz entwickelt worden. Die in Langzeitstudien gemachten Beobachtungen sprechen eindeutig dafür.«

Können Frauen denn bereits im Vorfeld, z.B. in der Schwangerschaft, Vorbeugemaßnahmen treffen, um diese möglichen Folgen zu vermeiden?
»Die geburtsvorbereitenden Kurse mit erfahrenen Hebammen sind durchaus geeignet, solche Schäden zu verhindern, sie zumindest zu reduzieren. Entspanntheit bei einer Geburt sind das A und O. Das Wissen dazu kann man sich hervorragend mit gut ausgebildeten Fachkräften aneignen.«

Was halten Sie vom regelmäßigen Training der Beckenbodenmuskulatur? Inwiefern ist eine gestärkte Muskulatur hilfreich?
»Das Training der Beckenbodenmuskulatur ist für jedes Alter von Vorteil. - Nicht nur im Zuge des Trainings, auch im Zuge der Entspannung. Man muss sie dann aber nicht nur stärken, sondern diese auch beherrschen.«

Was halten Sie vom Kaiserschnitt zur Vorbeugung gegen den unwillkürlichen Urinverlust?
»Mit einem sogenannten Wunschkaiserschnitt einer möglichen Belastungsinkontinenz vorzubeugen wäre ein unverhältnismäßiges Mittel, denn im Vergleich zur Geburt via naturalis stellt der Kaiserschnitt für Mutter und Kind auch heute noch das größte Risiko dar. Er ist also keinesfalls eine Maßnahme zur Vorbeugung. Eine mögliche Inkontinenz, die durch eine natürliche Geburt entsteht, ist völlig erklärbar, vollkommen logisch - heißt aber nicht, dass wir die Geburt, die auf dem natürlichen Wege geschieht, verhindern wollen. Eine gute Aufklärung von Fachleuten kann eine Vorbeugemaßnahme sein. Und sollte es dennoch soweit kommen, verfügen wir über eine gute, sichere und wenig belastende Behandlungsmöglichkeit.«

Wir haben es ja schon einmal kurz angesprochen. Die Inkontinenz, vor allem junger Frauen, ist ein Tabuthema. Wieviele Frauen sind denn von Ihr betroffen?
»Die Dunkelziffer ist enorm hoch. Die statistischen Angaben schwanken erheblich, je nach Befragungsmuster. Aber es ist wahrscheinlich nicht zu hoch gegriffen: In der Altersgruppe ab 50 ist jede 3. Frau davon betroffen, natürlich unterschiedlich schwer.
Wir teilen die Belastungsinkontinenz je nach Symptomatik in 3 Schweregrade ein:
1. Schwierigkeitsgrad: Harnabgang beim Niesen, Lachen, Husten, Springen usw.
2. Schwierigkeitsgrad: Harnabgang beim Laufen
3. Schwierigkeitsgrad: Harnabgang im Liegen.«

Was sollte uns Frauen Mut machen, zu einem Experten wie Ihnen zu gehen, gerade auch wegen dieser revolutionären Behandlungsmethode?
»Eine Behandlungsmöglichkeit ist keine Frage des Alters. Gerade haben wir eine 92jährige Patientin im Haus aufgrund ihrer starken Inkontinenz behandelt. Die Frau kam zu uns, ist geistig noch hellwach - nur hatte sie seit Jahren das Problem einzunässen. Heute ist die Frau trocken und morgen kann sie gesund unsere Klinik wieder verlassen. Ich will damit sagen, die Behandlung der sogenannten Belastungsinkontinenz - mit oder ohne zusätzliche Senkung der Genitalorgane, ist nahezu in jedem Lebensalter der Frau mit Erfolg behandelbar.«

Wenn das Prolene-Band eingesetzt wurde - inwiefern ist es störend bei einer weiteren möglichen Geburt? »Es wäre sicher sinnvoll, die Korrektur dieses Zustandes der Belastungsinkontinenz nach abgeschlossener Familienplanung vorzunehmen. Grundsätzlich aber sind auch Geburten auf natürlichem Wege nach Einsetzen eines solchen Bandes möglich und auch bekannt.«

Welchen Wunsch sähen Sie als Experte gern für sich selbst erfüllt?
»Frauen sollten diesen Zustand nicht als vom Schicksal gegeben hinnehmen. Sie sollten sich aufklären und beraten lassen. Natürlichster Ansprechpartner ist immer der Gynäkologe. Denn die Inkontinenz ist erfolgreich behandelbar, beziehungsweise ist eine eindeutige Verbesserung dieses Zustandes erreichbar. Es gibt nicht die Behandlungsmöglichkeit, aber für jede Betroffene eine.«

Herr Dr. Könnecke, unser herzliches Dankeschön an Sie für die offenen Worte und das Wissen: es gibt erfolgreiche Methoden, die vielen jungen Frauen wieder mehr Freude an Familie, Freunden und das Leben zurückgeben.

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