Bärenherz - Einblicke in das erste Kinderhospiz
Mitteldeutschlands
»Viele Menschen denken, das ist ein Haus zum Sterben, deshalb haben sie Angst davor, das Angebot zu nutzen mit ihrem schwerstkranken Kind, das eine geringe Lebenserwartung hat.«
Dr. Astrid Sonntagerste Hilfe-B (47.43 kB)
»Rund 3000 Kinder in Mitteldeutschland, deutschlandweit sogar
22 000, sind so schwer erkrankt, dass ihnen Ärzte nur noch
eine begrenzte Lebenserwartung attestieren.« - Eine Zahl, die
so erst kürzlich schwarz auf weiß geschrieben, in
unseren Tageszeitungen steht. - Fast unschuldig versteckt sie sich
in einem knappen Text und dennoch beschreibt sie die Realität,
auch wenn sie den meisten Familien erspart bleibt.
Glücklicherweise.
Während in Mitteldeutschland, das heißt konkret im
thüringischen Nordhausen Ende kommenden Jahres ein neues
Kinderhospiz seine Arbeit aufnehmen soll und dafür im Vorfeld
Millionen von Spendengeldern gebraucht werden, gibt es bei
Bärenherz in Leipzig längst alle Händevoll zu
tun.
Als erstes Hospiz in Sachsen und neben Berlin bisher einziges in
Ostdeutschland, präsentiert sich die Stiftung Bärenherz
in einem unauffälligen hellen Neubau in der Kindstrasse 6, mit
betreutem Wohnen für Senioren und einem Erwachsenenhospiz, an
welches derzeit das Kinderhospiz noch angeschlossen ist.
Ein regenbogenfarbenes Mobilé dreht sich in gleichförmigen Bewegungen an der Decke, ein großer Teddybär mit Wuschelfell sitzt liebevoll zurechtgerückt in einem Kinderbettchen. Die Wände erstrahlen in einem freundlichen Gelb. - Beinahe ist es so, als stünde man in einem ganz normalen Kinderzimmer. Das einzige was hier jedoch genauso "normal" gehandhabt wird, wie in jedem anderen Zuhause, ist die Fürsorge, die man den kleinen Schützlingen entgegenbringt. Hier drehen sich die Dinge sonst um so viel Elementareres, um die harte Realität, das Leben und dessen Dauer - so kurz sie auch immer ist - lebenswert zu gestalten und zu bewahren. Und wie Dr. Astrid Sonntag hierzu meint, dass das Leben, selbst mit schwerstbehinderten, schwerstkranken Kindern ja auch »gelebt werden muss«. Und dies hier in Leipzig seit November 2005 auch offiziell darf!
Auch wenn viele Menschen das Thema noch immer lieber
verdrängen. Dr. Astrid Sonntag, im Hause Bärenherz
für die Organisation zuständig und als gelernte
Psychologin vor allem auch Vermittlerin zwischen Eltern und ihren
schwersterkrankten Kindern und deren Geschwistern, kennt die Arbeit
im Haus aus nächster Nähe. Fragt man sie, was neben ihrer
Arbeit rund um die Pflege wichtig ist, dann antwortet sie, es
müsse sehr viel mehr Klarheit darüber geben, was die
Arbeit in einem Hospiz und vor allem dessen Bedeutung anginge.
»Es gibt Eltern, die bringen ihr Kind für 2 Stunden hier
vorbei, um vielleicht mal spazieren zu gehen oder um sich um ihre
anderen Kinder, die gesund sind, zu kümmern. Und manche
Menschen kommen erst, wenn es für ihr Kind keine kurativen
Möglichkeiten mehr gibt.«, gibt Dr. Sonntag uns zu
verstehen. Oftmals befinden sich Familien von heute auf morgen in
solchen Situationen, sei es ein Badeunfall, der bleibende
Schäden zurück lässt oder eine noch unerforschte
Erbkrankheit, die die Gesundheit des Kindes schwer belastet.
»Eltern sehen zu, wie ihr Kind immer unselbständiger
wird. Bei uns lernen sie ihr Kind loszulassen, es abgeben zu
können, unser Angebot anzunehmen. Anders als in einem normalen
Krankenhaus ist in einem Hospiz immer eine helfende Hand für
jedes der Kinder da.«
Neben der stationären Betreuung gibt es auch die ambulanten
Dienste, die betroffene Eltern ein Stück weit
unterstützen. Sie ermöglichen ihnen mal einkaufen zu
gehen, die anderen Kinder zum Sport zu fahren und auch das
Gespräch im Vertrauen zu den Hospizvertretern zu suchen. Ganz
individuell wird genau da angesetzt, wo es die Familie braucht.
"Ich gucke sehr genau darauf, wie die Familie zu Hause lebt. Das
unterstütze ich. Nicht etwa unbedingt meine Idee zu
vermitteln, wie man das bewältigen kann. Familien haben oft
selbst gesunde Gedanken dazu." betont Dr. Astrid Sonntag und
kann zugleich vor allem auch für ihre, zum großen Teil
ehrenamtlichen Mitstreiter sprechen, die, wie sie selbst auch,
für diese ganz besondere Arbeit brennen. In 100
Gesprächsstunden müssen sich die rund 20 Ehrenamtler
entschieden haben, der Aufgabe und Arbeit im Hospiz gewachsen zu
sein und mussten dabei nicht erst lange ihr Herz befragen. So
trifft man hier auf verschiedenste Menschen, Galeristen,
Hausmeister und Verkäuferinnen, die liebevoll die kleinen
Patienten ambulant versorgen und auf die ebenso Verlass ist wie auf
die gut ausgebildeten Krankenschwestern auf den Stationen bei
Bärenherz. Alle sind sie bemüht um die wertvollen Leben
hier im Haus.
Und immer wieder im Mittelpunkt steht sie: die Familie. So
werden Eltern zu den wichtigsten Beratern im Hospiz, wenn es um
ihre eigenen Kinder geht. Im Gegensatz zu einem Krankenhaus, in dem
andere bestimmen, was gemacht wird, weiß man hier, dass
niemand sonst sich so sehr wie sie mit der Krankheit ihres
Lieblings auseinander gesetzt haben und auch zukünftig werden.
Genauso stehen auch die Geschwisterkinder im Mittelpunkt, die nicht
an einer schweren Krankheit leiden, dagegen nur allzuoft an
mangelnder Aufmerksamkeit von Mama und Papa!
»Wenn ihre Geschwister die ganze Aufmerksamkeit der Eltern
bekommen, fällt für sie ganz viel Zuwendung weg. Bei
Bärenherz veranstalten wir für diese Mädchen und
Jungen regelmäßig extra Geschwisterprogramme. Da
blühen sie richtig auf, wenn es mal nur um sie geht.«
unterstreicht Dr. Astrid Sonntag die Wichtigkeit eines Hospiz, sich
tatsächlich um die ganze Familie zu bemühen.
Genauso darf man eben nicht vergessen, dass Eltern und Kinder
auch noch ein eigenes Leben haben, fernab der Krankheit ihrer
Kinder und Geschwister. Und doch bleibt ihnen die unheilbare
Krankheit eines Kindes immer präsent. Es erstaunt, dass es vor
allem unseren Jüngsten gelingt, mit einer einzigartigen
Unbefangenheit mit einer so schweren Situation, vor allem auch dem
Thema Tod, umzugehen, weiß unsere Gesprächspartnerin:
»Betroffene Kinder oder deren Geschwister sind sehr reif im
Umgang mit diesen Dingen. Gesunden Kindern versucht man durch
Erfahrungen des Abschiednehmens die Thematik nahe zu bringen.
Beispielsweise, dass ein Freund wegzieht und nun nicht mehr in den
Kindergarten kommen kann oder ein Haustier stirbt. So kann man
Kindern vermitteln, was Tod bedeutet. - Eben dass das Tier nicht
mehr aufsteht, kalt ist, seine Körperfunktionen nicht mehr
zurückkehren«, überlegt Dr. Sonntag.
»Meiner 4jährigen Tochter, die in ihrem Alter noch nicht
so gut verstehen kann, was Tod bedeutet, sage ich, dass ich mit
Kindern arbeite, die sehr, sehr krank sind.«
Nicht allein ihrer Arbeit wegen, auch weil sie selbst Mutter ist, kann sie sehr gut nachfühlen, wie unbezahlbar Gesundheit ist: »Man wird sehr demütig und man ist dankbar, dass das eigene Kind gesund ist, gesteht sie.« Wohl auch deshalb sind Dr. Astrid Sonntags Bemühungen groß darüber aufzuklären, dass eine Einrichtung wie ein Hospiz Bestand haben darf in unser aller Leben, dass es von Mut, Kampf, Tod, vor allem aber auch so viel Leben erzählt. »Ich möchte, dass die Menschen mehr Klarheit erfahren und wissen, wie wichtig es ist, das Leben lebenswert zu machen - egal in welcher Form und zu welcher Zeit.«
Unterstützung erhält das Hospiz derzeit allein durch
Spenden. Aktuell wird der Bau eines eigenständigen
Kinderhospizes in Leipzig vorangetrieben, für dessen
Anschubfinanzierung etwa 1,3 Mio. Euro notwendig sind. Es wird das
erste Kinderhospiz für Sachsen, Sachsen-Anhalt und
Thüringen sein!
Ausgegliedert aus dem Erwachsenenhospiz in der Kindstrasse 6 in
Leipzig, wird das Kinderhospiz von Bärenherz seinen eigenen
Standort Ende 2007 dann im Kees'schen Park, einem alten barocken
Landschaftsgarten in Markkleeberg, bekommen. In einem Neubau wird
es hier inmitten des Auenwaldes 10 Kinderzimmer geben, alle mit dem
Blick gen Süden, mit Möglichkeiten Zeit im Freien auf der
Terrasse zu verbringen. Auch dann, wie schon in den derzeitigen
Räumlichkeiten, mit entsprechenden Gemeinschaftsräumen
und Möglichkeiten für Eltern, Tag und Nacht bei ihren
Kindern zu sein.
Dieses Hospiz - aber auch die Entstehung weiterer Kinderhospize in
Ostdeutschland Ende kommenden Jahres in Nordhausen und noch in
diesem Jahr in Schwerin werden für viele Eltern zur
wichtigsten Anlaufstelle, wenn es um die Bedürfnisse und die
Sorge um ihre schwerstkranken Kinder geht, aber auch um sie selbst
- wenn kein anderer mehr Rat weiß und Hilfe bieten kann. Es
ist so wichtig, dass es sie gibt…
Ganz besonderen Einsatz zeigt auch der Thüringer
CDU-Landtagsabgeordnete Michael Panse, wenn es um das sensible
Thema Kinderhospiz geht. Als Mitglied des Fördervereins
Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland e.V. setzt er sich vor
allem für eine bundesweite Förderung und
Unterstützung von schwerstkranken Kindern und deren Eltern
ein.
Im persönlichen Gespräch mit "KIDS und Co"
erklärt er, das künftige Vorhaben im Rahmen der
Gesundheitsreform im Sinne aller Betroffenen auf Bundesebene
vorantreiben zu wollen: »Im Gegensatz zu einem
Erwachsenenhospiz gleichen Kinderhospize eher einer Kureinrichtung
für schwerstkranke Kinder. Bisher müssen sich
Kinderhospize jedoch ausschliesslich über Spendeneinnahmen
finanzieren.
Eine finanzielle Unterstützung durch die Krankenkassen
gestaltete sich schwierig. Der Fachbegriff "Lebensbegrenzung"
erlaubte bisher nur die Finanzierung für die letzten 4
Lebenswochen. Einzig in dieser finalen Phase haben Krankenkassen
eine Finanzierung übernommen. Der neue
Gesundheitsreform-Entwurf sieht jedoch vor, dass der Kostenanteil,
der nicht über die Krankenkassen, die Pflegeversicherung oder
die Sozialhilfe getragen wird, nur noch höchstens fünf
Prozent der vertraglich vereinbarten Tagesbedarfssätze
betragen soll. So würde die immens starke Abhängigkeit
von Spenden und ehrenamtlicher Mitarbeit verringert und
Planungssicherheit für die Einrichtungen geschaffen werden.
Jedoch soll auch künftig nicht vollständig auf
ehrenamtliches Engagement verzichtet werden, da gerade dieser
Einsatz dem Hospizgedanken entspricht.«
Selbst alle Fraktionen im Bundestag sind sich in dieser
Situation einig und wollen das Vorhaben gemeinsam auf den Weg
bringen. Stichtag für die bevorstehende Gesundheitsreform ist
der 01. April diesen Jahres. Der Landtagsabgeordnete Michael Panse
gibt uns die Möglichkeit, Ihre konkreten Fragen zu diesem
Thema direkt an ihn weiterzuleiten. Bitte formulieren Sie Ihre
Fragen in einer persönlichen Email an:
panse@thl-cdu.de
Leipzig/ Sachsen
Initiative Bärenherz Leipzig e.V. | Kindstrasse 6 | 04177
Leipzig
Verein, ambulanter Kinderhospizdienst: Tel. 0341 4800191
Stationäres Kinderhospiz: Tel. 0341 4862755 |
www.baerenherz-leipzig.de
Spendenkonto:
Initiative Bärenherz Leipzig e.V.
Sparkasse Leipzig | Bankleitzahl: 860 555 92 | Kontonummer: 110 100
001
Nordhausen/ Thüringen
Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland e.V.
Lützowstrasse 02 | 99734 Nordhausen am Harz
Telefon: 03631.463377 |
www.kinderhospiz-mitteldeutschland.de
Spendenkonto:
Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland e.V.
Dresdner Bank | Bankleitzahl: 820 800 00 | Kontonummer:110





