Bildung nach Plan - Förderung nach Maß
Familienpolitik in Thüringen und Sachsen führt nicht selten durch Beamten-Irrgärten und Paragraphen-Dschungel. Doch so manch schwerer Weg hindurch lohnt - vor allem für Eltern, die selbst entscheidungsfreudig sind, wenn es um die Förderung Ihrer Jüngsten geht…, meint Andree Hochbach, der sich selbst auch einmal hindurchgekämpft hat…

Dass es in Deutschland zu wenig Kinder gibt, ist ein offenes Geheimnis. Viele Ideen schweben unseren Politikern durch den Kopf, dies zu ändern. Alle haben einen anderen Vorschlag, jeder weiß es besser. Nur gut, dass eine Freundin von mir das wahrscheinlich Sinnvollste für die Lösung des Problems getan hat. Sie bekam ein Kind.
Herrlich, das kleine Mädchen von Angelina ist wie alle Neugeborenen zuckersüß. Und die junge Mama selbst geht als freiberufliche Fotografin längst schon wieder ihrer Arbeit nach. - Ein politischer Idealfall würde man dazu sagen können, ein echtes Paradebeispiel.
Neulich haben Angelina und ich uns auf einen Kaffee getroffen.
Doch statt entspannter Plauderei kamen wir sogleich ins
Gespräch über Probleme, die man so mit einen Kind gleich
"gratis mitgeliefert" bekommt… »Kaum ist die
Kleine da, muss man sich schon um einen Krippenplatz kümmern,
damit man rechtzeitig einen erhält«, verrät mir
Angelina. Und auch sonst scheinen die Zukunftspläne mit so
einem kleinen Mäuschen eingeschränkt.
Da Angelinas Freund beim Zoll arbeitet, kann es der kleinen Familie
spontan passieren, dass sie mit Sack und Pack nach Sachsen ziehen
muss. Wie es dort mit der Erziehung und Bildung aussieht
»weiß ich gar nicht«, gibt die Thüringerin
zu. Mir selbst scheint es doch sehr interessant, wie es um die
Bildungs- und Fördermöglichkeiten in den beiden
Länden Sachsen und Thüringen bestellt ist. Gern biete ich
Angelina an, mich kurzerhand selbst einmal genauer mit dem Thema zu
beschäftigen. Mit journalistischem Ergeiz werde ich einen Pfad
durch den wuchernden Angebotsdschungel schlagen…
Hilfe auf den verschlungenen Wegen von unzähligen Maßnahmen bietet mir sogleich Dr. Helga Ahlgrimm, aus dem Thüringer Kultusministerium an. Sie erleichtert es mir die unverständliche Amtssprache zu verstehen. So erfahre ich schnell aus unserem Gespräch heraus, dass es Richtlinien zur kindlichen Förderung gibt, die für alle Kindertageseinrichtungen in Thüringen und Sachsen bindend sind und dass die Inhalte aus dem angestrebten Bildungspläne mehr oder weniger intensiv vermitteln werden müssen. Entscheidend ist, welche Förderung ich meinem Kind zukommen lassen will und welche Angebote meiner Vorstellungen am ehesten entsprechen.
So ist man in Sachsen bereits eifrig darum bemüht den Mädchen und Jungen zwischen drei und sieben Jahren, neben der musischen und künstlerischen Entwicklung, vor allem die Naturwissenschaften nahe zu bringen. Die Natur wird gelebt und findet stets im Alltäglichen Beachtung. Das Beobachten von Schnecken und Ameisen am Wegesrand gehört dabei genauso dazu, wie das Sammeln von Naturmaterialien, das Experimentieren in Kinderlaboren und Beantworten von Kinderfragen. Wieso kann ich Zucker in einem heißen Tee nicht mehr sehen? Warum ist der Himmel blau und wie entstehen Farben? Die Begeisterung, die aus diesen Dingen erwächst, wie auch ein gewisses Verständnis für Biologie, Chemie und Physik sollen Kinder auf dem Weg ihrer Entwicklung zu Gute kommen.
Wie Sachsen schreibt sich auch Thüringen mit seinem
Bildungsplan, der zum Schuljahr 2008 pädagogische Umsetzung
finden soll, gern das Bild von einer Entwicklung des Kindes durch
individuelle Förderung auf die Fahne. Bildung eben, die direkt
auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder orientiert
und Rücksicht übt auf die Einzigartigkeit kleiner
Persönlichkeiten im ersten Lebensjahrzehnt. Das alte
Bewertungsmuster hat hier ausgedient, nach welchem Kinder eines
bestimmten Alters auch bestimmte Fertigkeiten, wie Sprechen, Laufen
und Co vorzuweisen haben.
Dies ließe in der Tat einen wirklichen Freiraum zur eigenen
Entwicklung der Mädchen und Jungen. Und: Thüringen denkt
diesen Schritt sogar noch ein Stück weiter. Man beruft sich
darauf einen Bildungsplan entwickelt zu haben, der den Anspruch
hat, tatsächlich allen Besonderheiten und
Unterschiedlichkeiten der Sprößlinge gerecht zu werden,
seien es Kinder mit und ohne Behinderungen, Hochbegabungen oder
sozialen Benachteiligungen.
Wichtige Unterschiede bestehen zwischen beiden Bundesländer
auch, wenn es um die Förderung von Familien geht, sei es
finanziell oder in Sachen Krippen- und Kindergartenplatz.
Während jede Mutter in Sachsen einen Rechtsanspruch auf einen
Krippenplatz für ihr Kind hat, sobald dieses drei Jahre alt
ist, besteht in Thüringen ein rechtmäßiger Anspruch
auf die Tagesbetreuung für den Nachwuchs hingegen schon ab dem
zweiten Lebensjahr.
Zudem ermöglicht das Land mit seinem "Thüringer
Ehrziehungsgeld", dass sich Mütter oder Väter,
bewusst dafür entscheiden können zwei weitere Jahre vom
Berufsleben zu pausieren. Sie sollen damit unterstützt werden,
die Kinderbetreuung selbst zu übernehmen ohne finanziell
schlechter gestellt zu sein als berufstätige Eltern. Statt als
Subvention des Kindergartenplatzes wird dann das Geld vom Land
Thüringen direkt an die Familie gezahlt.
Niemand kann jedoch garantieren, dass auch alle Eltern dieses Geld wirklich zum Wohle des Kindes einsetzen. Auf Nachfrage beim sozialpolitischen Sprecher der CDU Thüringen und MdL Michael Panse zeigt jedoch eine erste Auswertung, ein derartiger Verdacht erscheint unbegründet. Das Eltern aus finanziellen Motiven ihre Kinder zu Hause lassen, sei im vergangenen Jahr nicht der Fall gewesen. Die wenigen Kinder, die außerhalb einer Kindertageseinrichtung betreut wurden, seien ausschließlich aus gut situiertem Elternhaus.
Eines wird für Eltern in den Ländern Sachsen und Thüringen zur gleichen Problematik: die Qual der Wahl bei der richtigen Kindertageseinrichtung. Dabei gilt es für das Erste sich zu entscheiden, ob man lieber eine privaten Träger oder einen öffentlichen, sprich kommunalen bevorzugt. In der Regel sollte es keine merklichen Unterschiede zwischen privater und öffentlicher Kindertages-Einrichtungen geben - nur erscheint das Angebot bei den Privaten durchaus vielfältiger. Verschiedenste pädagogische Konzepte, wie Waldorf, Pestalozzi oder Montessori bis hin zu speziellen Fördermaßnahmen bieten da ein breites Angebot. Letztlich ist die Entscheidung nicht selten auch eine Kostenfrage.
Und wie bereits Professor Jens-Holger Lorenz von der Hochschule Heidelberg erkannte: »Nicht jedes Kind ist für Waldorf- und Co geeignet.« Als Experte für Didaktik und Waldorfpädagogik ist er auch selbst schärfster Kritiker dieses Konzeptes. Sich selbst auf die Suche zu machen, ist wohl die beste Anregung für junge Mütter wie meine Freundin Angelina. Das breite Angebot an Fördermaßnahmen im frühkindlichen Bereich lädt dabei sowohl in Sachsen als auch in Thüringen zum Entdecken der Möglichkeiten.
Die örtlichen Jugendämter bieten hierbei in der Regel eine gute erste Beratung. Die Auskunftsfreudigkeit engagierter Eltern ist übrigens die wohl beste Hilfe. Wichtig sind jedoch auch die Gespräche mit Pädagogen der Einrichtungen selbst - für eine der wertvollsten Entscheidungen überhaupt, die Zukunft des eigenen Nachwuchses.
Haben Sie selbst Anregungen, Fragen oder Ideen, zur besten Betreuung von Kindern, dann reden Sie mit - im direkten Kontakt mit anderen Eltern und Experten auf unserem KIDS und Co Familienportal.





