Kribbelbunt

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Von entführten Prinzessinnen und Schmusedrachen - Eine Nacht im Theater

Stellt euch mal vor, es ist Nacht und ihr seid sieben Kinder allein in einem Theater… Mitten im Zuschauerraum, unmittelbar vor der Bühne liegt ihr in Eurem Schlafsack. Hinter der Bühne knacken die Kulissen, nebenan im Kostümarchiv raschelt es hin und wieder und bei geöffnetem Fenster bewegt sich schon mal der schwere, schwarze Bühnenvorhang, während auf der Tribüne gelegentlich einzelne Stühle knarren.

Das klingt schon ein bisschen unheimlich, aber ihr habt natürlich keine Angst! Warum auch? Neben Euch kuscheln sich schließlich Könige und Hexen, Millionäre und starke Damen, kleine und etwas größere Prinzessinnen in ihre Schlafsäcke - und nicht zuletzt ist da noch ein Schmusedrache, der im Notfall Feuer spucken kann… So etwas gibt's doch nur in Geschichten...sagt ihr jetzt bestimmt - und habt natürlich Recht! Denn genau darum geht es im Theater Stellwerk in Weimar: um Figuren und Kostüme, Geschichten und Kulissen, um Kinder und die Bretter, die die Welt bedeuten!

Das Projekt "Nachts im Theater" wird von Franziska Bach geleitet. Die 19-Jährige ist Freiwillige im Thüringenjahr Kultur beim Jugendtheater Stellwerk und hat sich mit der Kinderveranstaltung einen Traum erfüllt: »Ich hätte es als Kind ganz toll gefunden, einmal über Nacht im Theater sein zu können, deswegen hab ich mir das Konzept überlegt.«, verrät sie uns und erklärt: »Ich wollte erreichen, dass die Kinder alles sehen und erleben können, was zum Theater dazugehört: Die Bühne, Technik, Ton, Licht und dass sie auch hinter die Kulissen schauen können und einfach Bescheid wissen, wenn sie das nächste mal als Zuschauer ins Theater kommen.«

Ausgehend von den Wunschfiguren der Kinder haben die Mädchen und Jungen gemeinsam mit ihrer Projektleiterin und Mitarbeiterin Janina in zwei Gruppen je ein Theaterstück erfunden, gestaltet, einstudiert und aufgeführt - und jede Menge Einblicke ins Theater gewonnen. »Wir haben uns 16:00 Uhr getroffen, um zehn angefangen zu proben, viertel zwölf die Betten aufgebaut, halb zwei sind die letzten eingeschlafen und halb acht haben wir sie wieder geweckt.«, fasst Franziska Bach mit einem stolzen Lächeln, den ersten Tag zusammen und fährt fort: »Heute Morgen haben wir noch mal am Text gefeilt, dann gab es die große Generalprobe und nun warten die aufgeregten Kinder hinter der Bühne und die neugierigen Eltern hier mit uns im Publikum.«

»Großeltern!« räuspert sich da Gerd Brettschneider, der gemeinsam mit seiner Frau gespannt auf Enkel Vincents großen Auftritt wartet: »Sein größter Wunsch ist es, Schauspieler zu werden!«, verrät uns die stolze Oma des Zehnjährigen, als das Licht erlischt, sich der Vorhang hebt und das erste Stück beginnt… Eine kleine Prinzessin wird von einer noch kleineren, aber sehr gewitzten Hexe aus dem Schlosspark entführt. Ihre große verträumte Schwester hatte nicht genügend aufgepasst und nun muss sie sich, gemeinsam mit ihrem Vater, dem König, auf den Weg machen, die Jüngere zu finden und mit einer List zu befreien…

Szenenwechsel: Ein attraktiver junger Mann, elegant gekleidet und gut frisiert stellt sich als Millionär vor. - Er habe alles, sagt er, bis auf eine starke Frau an seiner Seite. Ein herausragendes Exemplar dieser Sorte stolziert nur einen Moment später in eleganten weißen, viel zu großen Absatzschuhen über die Bühne. Und dann ist da noch der Schmusedrache, der endlich beweisen will, dass er auch böse sein kann und deswegen den Millionär entführt. - Die Rettung naht, mit Sonnenschirm bewaffnet und auf großem Fuß…

Joseph, Lukas, Leah, Emily, Vincent, Nina und Wiebke bestechen in ihren Rollen nicht nur durch Textsicherheit und Ausdruck, sondern auch mit Witz und phantasievollen Kostümen. »Wir haben einfach geprobt bis es funktioniert hat - es ist fast gar nichts schief gegangen!«, verrät Wiebke, die von Anfang an die Hexe sein wollte, aber zu Beginn noch nicht den richtigen "Schneid" hatte. »Die anderen haben mir dann Anschwung gegeben und dann hatte ich auch Ideen.«, erzählt die Zehnjährige, während uns Prinzessin Emily einen kleinen Einblick in ihre Schauspiel-Laufbahn gewährt: »Ich wollte schon immer Theater spielen, weil ich das im Kindergarten oft gemacht habe. Ich hatte sehr oft die Hauptrollen, da wollte ich eben mal wieder Theater machen.« So ein wahrer Bühnenkünstler nimmt seine Karriere eben selbst in die Hand, weiß auch Vincent, der selbstbewusst erzählt, wie er zum Workshop gekommen ist: »Ich hab die Anzeige vom Stellwerk in der Zeitung gelesen, angerufen und die haben mich gleich genommen!«

Ein Glücksgriff für den Schmusedrachen und das Stellwerk Weimar, denn Katrin Schremb, Leiterin des Jugendtheaters, hat bereits beschlossen: »Vincent wollen wir haben, der muss auf jeden Fall wiederkommen!« Na wenn das nicht danach klingt, als würde ein Wunsch in Erfüllung gehen… Und wie war es nun "Nachts im Theater" wollen wir zum Abschluss wissen? »Also eigentlich ist es ähnlich wie Zelten, bloß eben im Haus.«, erklärt die neunjährige Leah ganz lässig und verneint entschieden die Frage, ob es unheimlich war. Dafür sind wir aber unheimlich neugierig geworden auf die kleinen Bühnenkünstler vom Stellwerk in Weimar, ihr auch?

D.A.S Jugendtheater e. V. I Schopenhauerstraße 2 I 99423 Weimar, I Tel. 03643 490800

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