Vorlesen macht den Meister
Das Licht ist gedimmt, man selbst ist in eine flauschige Decke
in den Sessel eingekuschelt und Sohnemann oder Töchterchen
schmiegen sich sanft an einen. Auf dem Schoß liegt eine
kleine abenteuerliche Reise in Form eines Buches bereit und wartet
nur darauf, Sie zu bannen und für einige Minuten in eine
hinreißende Welt zu entführen.
Gerade im Herbst,
wenn die Tage wieder kürzer werden, gibt es nichts
Schöneres, als den Fernseher schweigen zu lassen und gemeinsam
mit dem Nachwuchs in das unendliche Reich der Worte zu
entschwinden. Dass Lesen bildet, ist allseits bekannt. KIDS und Co
hat sich dieser Redensart einmal angenommen und sich weitergebildet
in Sachen Lesen, Erzählen und Vorlesen. Die von uns
herausgefundenen guten Gründe, die das Bücherlesen so
unvergleichlich schön machen, möchten wir Ihnen nicht
vorenthalten.
Zunächst einmal ist es natürlich wichtig, das richtige
Buch für die oben beschriebene kleine Idylle auszuwählen.
Die Interessen des Kindes spielen bei der Entscheidung ebenso eine
Rolle wie die des Vorlesers. Ist der oder die Kleine eher tierlieb,
dann begeistern sie wohl weniger Detektiv- als rührende
Tiergeschichten und Fabeln. Der Vorleser darf natürlich gern
immer eine Begründung in Form einer kleinen Geschichte parat
halten, warum ihm ein bestimmtes anderes Buch besser gefällt,
denn dies sollte so ausgewählt sein, dass es auch Ihre
Vorlieben wiederspiegelt. Die eigene Lesefreude wird sich auf das
Kind übertragen und dessen Interessenbereich
vergrößern.
Unvergesslich für die Jüngsten wird die Geschichte, wenn
der Vorleser auf die passende emotionale Stimmung achtet, an den
richtigen Stellen pausiert und schauspielerisches Talent an den Tag
legt.
Mimik und Gestik machen jede Geschichte lebendig. Pausen bauen
Spannung auf, besonders kurz vor der Auflösung eines
Rätsels.
Wörter werden deutlich ausgesprochen und das Erzähltempo
ist generell etwas langsamer.
Gleichbleiben soll auf gar keinen Fall die Lautstärke.
Spannendes wird nämlich leiser gesprochen, Fröhliches und
Heiteres mit lauterer Stimme.
Die Figuren und Akteure in der Geschichte sollen dem Vorleser klar
in der eigenen Phantasie vor Augen sein. Wer sich in die Figuren
hineinleben kann, wird bei den kleinen Zuhörern immer auf
Begeisterung stoßen. Dazu ist es natürlich von Vorteil,
den Verlauf der Geschichte zu kennen. Auch bei Hörbüchern
kann man sich den einen oder anderen Kniff "abhören".
Wird trotzdem deutlich, dass ihr kleines Publikum nicht mehr ganz
so genau bei der Sache ist, helfen Fragen oder Vermutungen: "Was
wird der kleine Michel wohl als nächstes aushecken?",
"Warum hat der Wolf wohl die Kreide gegessen?". Das lädt
unsere Steppkes ein, aktiv am phantastischen Geschehen
teilzunehmen.
Besonders wichtig ist es auch, wenn das Kind Fragen stellen kann.
Also bitte die eine oder andere Abschweifung einplanen! Auch wenn
dies ab und zu die Geduld des Vorlesers fordert, ist es am Ende nur
gut für die Entwicklung der Kleinen. Gut ist es auch, das Kind
hin und wieder zu fragen, ob es das Gesagte oder ein
möglicherweise unbekanntes Wort verstanden hat. Daraus haben
sich schon die angeregtesten Gespräche entwickelt.
Lange Geschichten kann man ohne Probleme in mehrere Abenteuer
einteilen und somit an der geeigneten Stelle stoppen. Der heutigen
rätselhaften Entdeckung in der herrschaftlichen Villa folgt
dann also beispielsweise die Ermittlung der kleinen Detektive am
Strand. Dazu ist es natürlich auch wieder nützlich, die
Entwicklung des Geschehens schon einmal gelesen zu haben.
Am Ende der Geschichte hat ihr kleiner Lauscher vielleicht noch ein
paar Fragen. Für diese sollten Sie sich unbedingt Zeit nehmen!
Auch auf den pädagogischen Hintergrund, den die meisten
Kinderbücher beinhalten, ist es nicht verkehrt,
einzugehen.
Zu guter Letzt noch ein lieber Rat für das Vorlesen und
Geschichtenerzählen für Leseanfänger: bei Erstlesern
bitte so vorlesen, dass die kleinen Mitleser einzelne Wörter
oder kleine Sätze ergänzen oder gar alleine vortragen
können. Ungefähr ab der dritten, spätestens vierten
Klasse sollten die Bücher selber gelesen werden. Um die Kinder
darauf hinzuführen, jeden Abend einige Seiten zum Beispiel aus
einem der spannenden Harry-Potter-Romane vorlesen! Ist es soweit,
dass das Kind davon so in den Bann gezogen wird, liest es wie von
Zauberhand das famose Buch allein zu Ende.
Expertentip:
Warum ist lesen wichtig?
Lesen ist eine wunderbare Freizeitbeschäftigung, die nicht nur
Langeweile vertreibt. Dies gerät leider immer mehr in den
Hintergrund. Liest das Kind nicht gern, besteht die Gefahr, dass
alles, was mit Sprache und Texten zu tun hat, vom Kind irgendwann
nicht als aufregendes Abenteuer sondern als Aufgabe gesehen wird,
die es zu bewältigen gilt.
Lesen ist die Grundlage des Lernens. Das Durchleben gedruckter
Abenteuer fördert den Sprachgebrauch, erweitert den Wortschatz
und verbessert die Konzentrationsfähigkeit und das
Vermögen, sich angemessen zu artikulieren und zu
kommunizieren. Dies wiederum ist wichtig, um über Probleme und
Fehler, z. B. in der Schule, sprechen zu können. Auch der
Unterrichtsstoff wird verständlich, wenn das Kind weiß,
wie es bei Verständnisproblemen reagieren soll und die Fragen
richtig stellt. Intensives Lesen und auch Verfassen von Texten
begünstigt außerdem die Merkfähigkeit und damit
letztendlich auch das effektive Lernen.
Gedächtnis, Sprachvermögen und Symbolerkennen wird stark
gefördert!
… Aus dem kleinen Zuhörer, der sich gerade noch auf
ihrem Schoß an Sie schmiegt und aufmerksam Ihrer Stimme
lauscht, wird also später gewiss ein lernfreudigerer
Schüler, mit einer größeren
Allgemeinbildung…
…und vielleicht sogar selbst später einmal ein
exzellenter Vorleser und Geschichtenerzähler für die
eigenen Kinder und Enkel.





