Kribbelbunt

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Welch ein Zirkus!

 

Inmitten des wunderschönen Grüns des Erfurter Venedigs ragt das blaue Zeltdach auf dem Hof eines hübschen Mehrfamilienhauses hervor. Nur das Plätschern der Gera übertönt beinah die begeisterten Kinderstimmen, die aus dem Inneren des Zirkuszeltes zu uns herüberschwirren. Wer es wagt, näher zu treten, wird schon bald in eine herrlich unbefangene Welt eifrigster Artisten, kleiner Zauberkünstler und mutiger Seiltänzer entführt. – „Manege frei im Kinderzirkus Piccolino“.

 

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Um die Zeltstange in der Mitte rankt eine Lichterkette mit bunten Lämpchen. Kleine und größere Stühle stehen am inneren Rand des Zeltes und warten auf neugierige Zuschauer. Ein kleineres gelbes Zelt beherbergt Reifen, Seile und Bänder. Ein Zylinder liegt auf einem Tischchen bereit und eine Popcornmaschine wartet auf ihren Einsatz… Allein dieses Ambiente und die quirlige Instrumentalmusik aus dem CD-Spieler lässt uns in Träumereien vom freien und fröhlichen Zirkusleben entschwinden. Unsere Gedanken werden beherrscht von witzigen Clowns, atemberaubenden Jonglagen und waghalsigen Artistikeinlagen sowie von dressierten Tieren und sausenden Einrädern in der Manege.

 

Doch wir befinden uns hier zunächst nur im wöchentlichen Training. Daran erinnert uns die immerhin schon 14-einhalb Jahre alte „Zirkuschefin“ Elena Wisbach, als sie der siebenköpfigen Kinderschar vor ihr erklärt: »Wir machen uns erstmal warm«. Sofort geht’s munter los – die Knirpse schlagen flink einen Purzelbaum nach dem anderen auf der Matte oder hopsen ausgelassen auf dem Trampolin herum bis sie sich blitzschnell diszipliniert der Reihe nach aufstellen und eine Bewegungsfolge absolvieren. Währenddessen schaut die Mama von Maria und Ruth Schönherr kurz ins Zelt und zeigt sich begeistert angesichts dieser ganz freiwilligen Aktivität ihrer sechs- und achtjährigen Töchter: »Das ist toll, die Kinder machen das alles in kinderzirkus piccoline mai 2008 112Eigenregie. Sie wollen auch gar nicht, dass wir Eltern ihnen rein reden. Sie hatten ja jetzt sogar schon Auftritte.«

Auch Leonores Vati zeigt sich unbesorgt: »Wir sind hier am Zirkuszelt vorbeigegangen und haben gesehen, dass sie Teilnehmer suchen. Dann haben wir einfach angerufen und gefragt. Leonore macht allgemein gerne Sport und Kunststücke. Die Kinder hier nehmen alles selbst in die Hand und sind nicht auf andere angewiesen.«

 

Ein kleiner Schaumstoff-Würfel kullert über den Boden und die Zahl entscheidet über die nächste Aktion der Kinderschar: Maria würfelt eine fünf und das heißt, sie muss zur Sprungrolle ansetzen. Nach der erfolgten Kür sagt sie ganz selbstkritisch: »Na ja, das war eigentlich nur eine Rolle« und kichert. „Zirkusdirektorin“ Elena ist hier als Älteste nicht nur gemeinsam mit Ihrer Schwester Theresa Ideengeber für das neue Hobby der Nachwuchs-Artisten und Zauberer, die sich an diesem Nachmittag im Kinderzirkus vergnügen sondern steht auch als Trainerin mit Rat und Tat an der Seite der sechs- bis 13-jährigen Piccolinos. Alles läuft wie ganz selbstverständlich nach Elenas Konzept und Ansage – und das, obwohl es eigentlich Elenas und Theresas Papa war, der den Traum vom eigenen kleinen Zirkus hatte: »Unser Papa wollte das Zirkuszelt und hatte auch die Idee dazu. Aber irgendwie war es dann auch unser Traum, in so einem Zelt Zirkus zu machen. Deshalb hat er uns das Zelt dann gekauft. »Das hat er gut hingekriegt«, freut sich Mitstreiterin Gina lachend. Doch schon ruft das nächste Zirkusabenteuer.

 

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Flink baut Elena als nächste Übungseinheit für ihre Schützlinge einen kleinen Parcours auf und erläutert die einzelnen Stationen. »Ihr versucht jetzt eine Rolle und dann einen Spagat«, fordert Elena die kleinen Zirkushelden auf. Saskia schreit laut auf: »Oh Gott, dafür hab ich die falsche Hose an!« Kurz darauf zieht sie sich in dem kleinen, am Rand bereit stehenden Zelt eine geliehene von Elena an. Ab und an, so scheint uns, ist das Training eher ein vergnüglicher Teenietreff, denn in der „Warteschlange“ vor den einzelnen Trainingsstationen und jeweiligen Geräte tauscht man sich öfter über „Mädchenkram“ aus. Für Kuno, Elias und Neuankömmling Nico als einzige Jungen in der Runde ist das trotzdem kein Grund zur Flucht.

 

Den regen Zuspruch des Piccolino Kinderzirkus im Venedig erklärt sich Ruth und Marias Mutter vor allem damit, dass eben »viele hier vorbeikommen und von der tollen Idee erfahren. Hier ist ja der Gera-Radweg und auch uns ist das Zelt sofort aufgefallen. Meine Kinder wollten ja schon lange bei einem Zirkus mitmachen. Und Elena macht das so gut, sie führt das Ganze an, guckt immer, wo man Hilfe braucht.« Genauso sieht das auch Heike Dittrich, Mutter der fünfjährigen Leah. Sie findet es gut, dass ihr Töchterchen bei Picccolino mitmischt, denn »Es ist eine Herausforderung für sie – so ein Spagat zum Beispiel oder ein Rad zu machen.« Angst hat sie, obwohl selten Erwachsene dabei sind, nicht um ihre Kleine: »Ich hab die erste Stunde zugesehen und konnte sehen, wie Elena Leah tatkräftig sichert und ihr hilft. Ich mache mir keine Sorgen.«, zeigt sich die 38-jährige zuversichtlich.

 

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Einige Minuten später sitzen die Zirkuszwerge im Kreis, um über ihr nächstes Programm, welches im Zelt auf dem Grundstück der Wisbachs aufgeführt werden soll, zu beraten. Dem verhaltenen Schweigen auf ihre Frage »Wer möchte jonglieren?«, entgegnet sie: »Keine Angst, das lernt ihr alles. Ihr müsst jetzt erstmal nur Lust haben.«. Sofort heißt es von Caro: »Ich, mit Bällen oder Tüchern.« und triumphierend von Saskia: »Springen wir Seil? Ich kann’s gut!« Nach der Programm-Besprechung beginnt jeder mit kleinen Kunststücken an verschiedenen Geräten. Saskia und Elena zeigen den Jüngeren, wie man tolle Kreise und Schlängellinien mit den Bändern hinbekommt: »Du machst große Kreise. Guck mal, so rühren, wie beim Kochen.«, wird Leah animiert. Anschließend werden die Gruppen aufgeteilt. »Alle, die was mit Akrobatik machen wollen, kommen mal hier rüber«.

 

Dann legt die Akrobatenschar los mit dem Üben von Pyramiden anhand der Vorlagen in Elenas Skizzenheft und es ertönt sogar Applaus aus den eigenen Reihen: »Wir haben uns schon viel von Euch abgeguckt«, freut sich Elias gegenüber den großen Mädchen über den Beifall. Eine symmetrische Aufstellung nach der anderen wird hier auf den Matten geprobt und trotz viel Gekreische und Kraftanstrengung der ganz Unteren entstehen schon ziemlich atemberaubende Formationen. Besonders Maria und Caro haben viel Spaß, wollen jeden Handstand der anderen halten und motivieren ihre Mitstreiter: »Du musst noch mal hoch. Los, hopp, hopp, Festhalten, los, los«, heißt es da energisch.

 

kinderzirkus piccoline mai 2008 100Doch für immer wollen die wenigsten der heute anwesenden Steppkes beim Zirkus bleiben: »Da reist man immer nur so rum«, sagt Maria kopfschüttelnd und Elias hat auch andere Pläne: »Ich entwickle mal Computer-Spiele«, weiß er über seine Zukunft zu berichten. Doch solange Kinder noch ihre Kindheit genießen dürfen, sind sie herzlich eingeladen, für 2,00 Euro monatlich Teil der Piccolino-Zirkusfamilie zu werden

 

 

Kontakt:
Elena Wisbach
Tel. 0361 6021265

Trainingszeiten:

Jeden Montag und manchmal auch samstags von 15:00 bis 17:30 Uhr

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