Kribbelbunt

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Bodo Ramelow

In der Politik kennt man ihn als "harten Hund" und privat als charismatischen Naturburschen. Auch im exklusiven "KIDS und Co" Interview enttäuscht Bodo Ramelow, stellvertretender Fraktionschef der Linken im Bundestag und möglicher Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten, keinesfalls - mit klaren Worten zu Vorstellungen und Zielen lässt er sogar private Einblicke zu…

Wenn es um den Nachwuchs in unserem Land geht, was liegt Ihnen da besonders am Herzen?
»Kinderfreundlichkeit ist eine Aufgabe der ganzen Gesellschaft und deswegen muss staatlicherseits immer wieder neu überprüft werden, tun wir wirklich alles was notwendig ist, damit Kinderfreundlichkeit im Vordergrund steht? Und da habe ich gewisse Zweifel. Das ist nicht nur eine Thüringenspezifik. Am Beispiel der Bildungsausgaben wird ersichtlich, dass Deutschland, im Vergleich zum Durchschnitt aller europäischen Staaten, für Bildung insgesamt zu wenig ausgibt. Eine Studie belegt, dass alle OECD Staaten im Schnitt jährlich 5,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in Bildung investieren. Deutschland liegt deutlich darunter. Würden wir alleine nur den Durchschnitt erreichen wollen, dann müssten wir jetzt schon im Jahr rund 43 Milliarden Euro mehr für Bildung ausgeben. Ich halte das für das Minimum. Eigentlich müssten wir uns zum Ziel setzen, als eine der reichsten Nationen der Welt, dass wir nicht nur den Durchschnitt erreichen, sondern überdurchschnittlich sind, denn Bildung ist der Schlüsselbegriff - auch unserer gesellschaftlichen Entwicklung.«

Was verbinden Sie insbesondere mit dieser Thematik?
»Kinderwohl und Kinderentwicklung hat etwas mit der spielerischen, der gesellschaftlichen und der emotionalen Seite, aber auch etwas mit der Perspektive zu tun. Man muss erkennen, dass Kinder sehr unterschiedliche Stärken und Schwächen haben, wie eben jeder Mensch. Aber eben diese Entwicklungsphasen des Kindes sind der zentralste Punkt. Wenn sich also beispielsweise die Sprachfähigkeit etwa im dritten Lebensjahr entwickelt, dann muss man gucken, dass in diesem Lebensjahr viel mit den Kindern gesprochen wird. Und wenn ich mir dann ansehe, dass wir uns in einer hochindustriellen Gesellschaft zum Ein-Kind-Haushalt entwickelt haben, kann ich das beklagen, aber ich muss es feststellen. Das heißt ich muss auch schauen, dass Kinder nicht alleine aufwachsen. Es geht dabei nicht nur um das klassische Familienbild aus konservativer Sicht - das will ich auch gar nicht herabwürdigen, dass die Familie ein wichtiges Element ist - aber ich nehme zur Kenntnis, dass die Gesellschaft sich verändert.

Und deshalb reicht eine Fokussierung ausschließlich auf die Ein-Kind-Familie nicht aus. Wir müssen Spielmöglichkeiten, Kinderentwicklungsmöglichkeiten, Perspektiven in den Vordergrund stellen und das heißt Familie und Gesellschaft müssen zusammen funktionieren. Das gehört alles zu einem kinderfreundlichen, Land dazu. Und parteipolitisch will ich nicht verhehlen: was CDU und Dieter Althaus in Thüringen vorgeben, findet unsere krasse, deutliche, nachhaltige Ablehnung. Eine Familienstiftung aufzulegen, die den Begriff Familienstiftung beinhaltet - aber dann überhaupt nicht über genügend Geldmittel zu verfügen - heißt ja nur, die Sparmaßnahmen in den Vordergrund zu stellen. Und das heißt nur, dass man aus einem Rechtsanspruch einen Gnadenanspruch ableitet. Das ist der falsche Weg. Familienförderung gehört in den Mittelpunkt der Politik. Das Land muss sich fragen, ob wir alles tun und der Bund muss sich fragen, ob das Zusammenspiel zwischen Bund und Ländern stimmt?

Und da sage ich, passt es insgesamt, dass wir mittlerweile ein Kooperationsverbot im Grundgesetz haben, das die CDU-Länder namentlich durchgesetzt haben - heißt, dass wir keinen gedeihlichen Weg zwischen den Bundesmitteln, den Bundesaufgaben und den Landesaufgaben haben. Was bedeutet, dass man viel über Familie und Kinder redet, aber zu wenig für Kinder tut.«

Wie schätzen Sie die Möglichkeiten von Lokalen Bündnissen ein, die ja im Sinne der Familien in den einzelnen Regionen agieren sollen?
»Ein regionales Bündnis kann immer dazu dienen, lokale Mängel aufzudecken und lokale Verbesserungen zu organisieren - wenn es denn zur Netzwerkbildung führt, dass die Akteure viel mehr zusammen arbeiten und nicht der Einzelne sagt: 'ich bin dafür nicht zuständig'. Die deutsche Grundhaltung ist ja: weggucken, laufen zu lassen und innerlich zu erklären, ich bin dafür nicht zuständig. Lediglich, wenn ein Kind zu laut ist oder in einem Hof zu laut gespielt wird, in einem Haus das Ballspielen zunimmt - wenn solche Dinge passieren - dann weiß immer der Bürger in Deutschland, bei wem er sich beschweren kann. Und deshalb ist so ein lokales Bündnis, so ein lokales Netzwerk, zu begrüßen. Es darf aber nicht zum Alibi werden. Wenn es einfach nur dazu dient, den Weltkindertag vorzubereiten, aber ansonsten in der Kommune nichts verändert wird, dann ist es eine Fehlentwicklung.«

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