Kribbelbunt

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Über’s Wasser wandern…

 

»Natürlich kann man im Urlaub für 500 Euro nach Malle fliegen, aber man kann auch hier tierisch gut entspannen und dabei noch eine Menge erleben…

 

Saalewandern mit Kajak September 2008 112

…die Meisten wissen das nur nicht«, ergänzt der sympathische Mann mit dem Drei-Tage-Bart und grinst, während er die Hand durchs Wasser gleiten lässt. Der Himmel spiegelt sich in der Wasseroberfläche, ebenso die Sträucher und Bäume am Ufer. Gemächlich fließt die Saale dahin, nur ab und zu strudelt sich der sonst zahme Fluss an ein paar Steinen oder in einer Kurve.

 

»Wasser ist ein geniales Element«, sagt Denis und seufzt zufrieden. Der 36-Jährige ist seit drei Jahren Tourenbegleiter bei Saale-Unstrut-Tours, einem renommierten Spezialveranstalter für Aktiv- und Erlebnisreisen in Sachsen-Anhalt und Thüringen. Angefangen hat Inhaber Frank Wrana vor über zehn Jahren mit der Idee eines Kanu- und Fahrradverleihs. Heute organisiert das Unternehmen im Naumburger Blütengrund mit sieben Mitarbeitern Touren und Reisen zu Fuß, zu Rad oder im Kanu – individuell oder mit Tourenbegleitung für Familien, Schulklassen oder Firmen. Auf Wunsch gibt’s sogar kombinierte Programme mit Ausflügen in den nahe gelegenen Saale-Unstrut-Kletterwald, gruppenpädagogische Angeboten und sozialen Trainings. Denis ist Erlebnispädagoge, Anfänger sind bei ihm ebenso gut aufgehoben, wie erfahrene Paddler, jung genauso wie alt.

 

»Ich brenne für meine Arbeit! Ich hab den schönsten Job der Welt!«, beschreibt der paddelerfahrene Tourenbegleiter, der uns einen Tag lang auf der Saale begleitet – der so genannten „Königsetappe“ ab Camburg. Mit dem Kleinbus werden wir von der Station im Blütengrund mit den Booten und der Ausrüstung zur Einsetzstelle gebracht – von dort wollen wir zurück nach Naumburg paddeln. Bei der „Wahl der Waffen“, wie Denis die Entscheidung zwischen Kajak und Kanadier nennt, entscheiden wir uns für zweisitzige Kajaks. Darin sitzt man zwar tief aber sehr bequem, sogar mit Rückenlehne und viel Platz um die Beine auszustrecken.

 

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Denis, der selbst Papa einer vierjährigen Tochter ist, erzählt über seine Vater-Tochter-Touren: »In die Kajaks kann man vorn auch einen Kindersitz einbauen. Ich setz’ Anne dann vorn ins Boot, einen Sack Spielzeug davor und dann können wir das beide genießen«. Wer als erwachsener Wasserwanderer seine Kinder mitnimmt, sollte jedoch unbedingt einen wichtigen Hinweis beachten, warnt der Experte: »Bitte zieht den Kindern keine Gummistiefel an. Wenn das Boot tatsächlich kentert und die Kinder ins Wasser fallen, laufen die Stiefel voll und sind dann schwer wie Betonklötze am Bein!«

 

Bevor es wirklich los geht, bekommen wir noch eine kurze Einweisung in die Grundtechnik des Paddelns und die Ausrüstung: Neben der Schwimmweste, die Pflicht für jeden Fahrer ist – egal ob Groß oder Klein, gehört ein Seil zum Anbinden der Boote beim Anlegen und ein Schwamm dazu. »Nein, nein, der ist nicht zum baden«, lacht Denis auf unsere Nachfrage, »wir erwarten von unseren Gästen, dass sie vor Abgabe das Boot innen wieder sauber machen – das gehört einfach mit dazu. Und im Falle einer Kenterung kann man damit auch sein Boot zur Weiterfahrt wieder trocknen«. Wo wir schon beim Thema sind, wollen wir es aber genau wissen und fragen nach der Häufigkeit von Kenterungen. »Ich würde sagen jedes zehnte Boot, so über den Daumen gepeilt«, schätzt Denis aufgrund seiner Erfahrung. Doch das Kentern an sich sei nicht gefährlich, wenn man ordnungsgemäß seine Schwimmweste trägt und einige Hinweise beachte. »Das Wichtigste ist euer Paddel! Wenn ihr wirklich kentert, passt auf, dass ihr es nicht verliert«, mahnt der Experte. »Wenn ihr nachher ohne Paddel wieder im Boot sitzt, seid ihr ganz schön hilflos«, erklärt er und gibt uns noch eine kurze Instruktion: »Wer hinten im Boot sitzt, übernimmt das Steuern. Fahrt dort lang, wo das Wasser zu einer Zunge zusammenläuft und ein „V“ bildet, dort ist es am tiefsten und somit am unwahrscheinlichsten, auf Grund zu laufen.« Nach wenigen Paddelschlägen haben wir den Dreh raus und treiben gemächlich auf der Saale dahin.

 

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Eine unbeschreibliche Stille begleitet uns, denn die erhöhten Flussufer wirken wie ein Schalldamm, der Stadtgeräusche und Verkehrslärm abschirmt. Die Naturidylle ist einfach unglaublich, es fühlt sich an, als würde die Zeit langsamer vergehen. »Wer das zulässt kann hier ganz leicht und ganz schnell Entspannung finden«, bestätigt Denis zufrieden. »Gerade in einer Zeit, wo der normale Arbeitstag fast nur im Büro und vor dem Computer stattfindet, sollte man sich aktive Erholungsphasen suchen«, rät der Pädagoge und fasst mit ausgebreiteten Armen zusammen: »Der Alltagsstress ist ganz schnell runtergelöscht von der Festplatte, das hier ist schöner neuer Input. Einfach abschalten und genießen.« Trotzdem sollte man sich darüber im Klaren sein, dass Wasserwandern auch seine Risiken hat: »Wasser ist im Allgemeinen ein sehr gefährliches Element, daran sollte man immer denken! Beim Paddeln merkt man, wie das Kanu an Geschwindigkeit gewinnt, wenn man eine Strömung durchfährt«, beschreibt der 36-Jährige, relativiert jedoch: »Die Saale ist aber ein sehr ruhiger Fluss und sehr flach«.

 

 

»Für Gruppen mit Kindern oder Schulklassen ist die Unstrut, als absolutes Zahmwasser, noch besser geeignet«, empfiehlt Denis, der hier schon einige Gruppenausflüge zu ganz besonderen Erlebnissen gestaltet hat: »Mit den Kindern lasse ich mir dann auch immer etwas Spezielles einfallen: Wir binden die Kanadier aneinander und die Kinder wechseln die Boote oder wir spielen mit den Kajaks und einer Puppe, die nur mit den Paddeln herumgeworfen wird…« erzählt er. Der Erlebnispädagoge begleitet außerdem jedes Jahr eine Gruppe geistig behinderter Schüler auf der Unstrut und sogar mit blinden Kindern war er schon auf Tour. »Wir arbeiten da eher nach einem therapeutischen Ansatz: Die Kinder sollen das Wasser bewusst fühlen. Die Kleinen waren danach so beeindruckt und wir fast noch mehr«, erinnert sich der junge Mann mit einem Lächeln.

 

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Als Pädagoge und Vater weiß Denis, wie wertvoll ein Ausflug in die Natur für den Nachwuchs ist: »Kindern tut es einfach gut den ganzen Tag draußen zu sein und spielen zu können«, beschreibt er, »außerdem gibt es hier im Saale-Unstrut-Tal für Kinder eine Menge zu entdecken: Eisvögel sind so ziemlich das Tollste, was man hier zu sehen bekommen kann oder Bisamratten, die sich als Familien am Flussufer tummeln und neben dem Boot schwimmen, genauso Graureiher und Haubentaucher… man kann während des Paddelns so vieles beobachten«, schwärmt der 36-jährige Naturfreund. Wenn man als Familie eine individuelle Tour macht, hat man in jedem Fall genug Zeit für „Landgänge“. »Wer das Boot den ganzen Tag ausleiht, wird ungefähr um neun Uhr rausgefahren zur Einsetzstelle und hat bis 18 Uhr Zeit auf dem Wasser. Das reicht locker, um anzuhalten, auszusteigen und sich umzuschauen«, erklärt der Tourenbegleiter, der sogleich noch einen Geheimtip für Familien mit Kindern hat: Am Fuß der Rudelsburg liegt die Raststätte „Blockhütte“, in der es gutes Essen zu günstigen Preisen gibt. Vor allem wartet hier aber ein außergewöhnliches Haustier: das Reh „Zwerg“. Seine Besitzerin Karina hat Zwerg als verlassenes Kitz gefunden und aufgenommen, seitdem gilt der braune Wildfang als „Star“ der Raststätte.

 

Gleich nebenan gibt es außerdem eine Pferdekoppel und natürlich den Weg bergauf zur Rudelsburg, von deren Aussichtspunkt man einen tollen Blick über das Tal genießen kann. Damit nicht genug, überzeugt Denis mit einem weiteren Argument: »Für eine Beziehung ist Paddeln die beste Bewährungsprobe: Wer sich im Boot versteht, versteht sich auch sonst«, erklärt er und zwinkert vielsagend, bevor er ergänzt: »Oder man macht mit seinem Liebsten oder den Kindern eine Mondscheinfahrt: Bei Einbruch der Dunkelheit paddeln wir los, beobachten Mond und Sterne, zünden unterwegs Fackeln an und treiben Richtung Schönburg. Das ist aufregend und richtig romantisch!«

 

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Doch die Romantik lässt auch am Tag nicht auf sich warten: Sonnenstrahlen brechen sich im Wasser und lassen es hier und da glitzern, am Ufer taucht eine Hängeweide ihre Äste ins Wasser, darunter verbirgt sich eine kleine, freie Stelle, die zum Anlegen, Picknicken und Spielen einlädt. »Entlang der Ufer gibt es viele solche Plätze, an denen man einfach aus dem Boot steigen und Pause machen kann oder baden geht. Die Wasserqualität ist gut, weil es hier keine Industrie gibt und das Wasser ist nicht tief«, erzählt Denis, der hier auch oft mit seiner kleinen Familie baden geht. »Man kann hier wirklich viel Zeit in der Natur verbringen, ohne dass es langweilig wird«, beschreibt er und fügt mit einem zufriedenen Seufzen hinzu: »Man denkt, irgendwann sieht man sich an allem hier satt, aber hier gibt es immer wieder was Neues zu entdecken!«

 

 

 

Saale-Unstrut-Tours
Kanu & Fahrradstation "Blütengrund"
06618 Naumburg / Saale
Tel. 03445 202051
www.saale-unstrut.de


Lesen Sie hier kurz & knapp Wissenswertes zu Ihrem Kanutrip auf Saale oder Unstrut

 

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