Bach für Kinder
An einem Märzmorgen ist der Erfurter Rathausfestsaal gut
gefüllt mit einigen Gruppen von Vorschulkindern. Ungeduldig
warten sie auf ein Programm, dass extra für die Kleinsten im
Rahmen der Erfurter Bachtage 2008 vorbereitet wurde.
Die
Stühle rücken laut, hohe Stimmchen sind überall
präsent. Pünktlich 10:00 Uhr erklingen Cembalo und
Querflöte wie von Zauberhand und leichte, bekannte Klänge
ziehen die kleinen Zuhörer sofort in ihren Bann. Mit ihrer
Musik und den Originalkostümen versetzen die drei
Musizierenden die Besucher dieser alten Gemäuer zurück in
die Zeit des Barock, die Zeit der vielen Widersprüche und des
Glanzes.
»Wie hat Euch dieses kurze Stück gefallen?« fragt
Frieder Gauer, Flötist und Moderator der heutigen
Veranstaltung. »Guuuut!« schallt es in den Reihen. Nach
und nach erfahren die Kindergartenkinder Auszüge aus der
Lebens- und Wirkgeschichte von Johann Sebastian Bach. Mit einigen
musikalischen Beispielen untermalt, klingt die Geschichte spannend,
die am 21. März 1685 in der Musikerfamilie Bach beginnt.
»Weiß einer von Euch, wo Bach geboren ist?« fragt
der Erzähler in die Reihen. »In Eisenach«
weiß sofort einer zu sagen. »Wusstet Ihr, dass die
Eltern von Bach in Erfurt in der Kaufmannskirche geheiratet haben
und dass der Bach Cembalo, Geige und Orgel spielte?«. All das
erfahren hier die aufmerksamen Zuhörer.
Und
sofort dürfen drei kleine Musiker vorgehen und probieren aus,
wie denn die Orgelpfeifen klingen. Drei unterschiedliche
Klänge ertönen und wieder klatschen kleine Hände im
ganzen Raum, der gefüllt ist mit strahlenden, rotwangigen
Gesichtern. »Wie ging man früher auf Reisen?«,
fragt Frieder Gauer seine kleinen Gäste weiter. »Nicht
mit Autos und Flugzeugen, sondern mit der Postkutsche.« Die
Töne eines Posthorns sind bereits zu hören, die Kinder
werden neugierig und das Stimmengewirr leiser. Aber noch suchen sie
die Herkunft der Klänge während der Posthornist
hereinkommt. Als dieser geht, sind die Kinder wieder munter und
bereits auf's Nächste gespannt. So werden den Kleinen Lieder
dieser Zeit und deren einfachster Aufbau näher gebracht, zum
Beispiel kurze Abfolgen von Tönen und was es heißen
könnte.
Nach dem nächsten Stück erzählt Horst Liebeskind,
der am Cembalo den Johann Sebastian Bach darstellt, dass man nur
die richtige Taste schlagen und immer wieder üben muss, um ein
guter Musiker zu werden. Die Kinder sind trotz der Darbietung von
Horst Liebeskind wieder etwas lauter, denn leider ist der
"Bach" etwas schwer zu verstehen, nicht zuletzt wegen der
Aussprache. Ungeachtet dessen machen die Herren weiter mit ihrem
Programm, welches die Kinder dennoch fesselt. Weiterhin hören
die jungen Besucher über den Tod von Bachs Frau, während
er auf Reisen war. Aber bereits kurz darauf lernte er Anna
Magdalena kennen, die seine zweite Frau wurde, mit ihm musizierte,
ihm half und die vielen Bach-Kinder erzog.
»Frauen trugen damals mehrere Röcke
übereinander und hatten Hauben auf dem Kopf, wohingegen die
jungen Fräulein die Haare gern zu Zöpfen geflochten
haben.« erklärt die Sopranistin Elvira Kupfer in ihrer
Rolle als Anna Magdalena die Bekleidung der Frau und dann auch die
der Männer. Ein schöner Geschichtsunterricht.
»Eines Tages schenkte Bach seiner lieben Frau ein
Liederbuch«, erzählt Frieder Gauer. Und sogleich spielt
die Musik im Rathausfestsaal erneut auf und das Ehepaar Bach setzt
zum Nobeltanz der Fürsten an. Einige der kleinen Zuschauer
können kaum noch still sitzen und wollen mit der Musik
mitgehen. Die kleinen Händchen wollen klatschen und die
Körper sich geschwind bewegen.
Und tatsächlich dürfen nun sieben junge Zuschauer das
Menuett mit Anna Magdalena einstudieren. »Wir zählen
jedes Mal bis drei. Eins, zwei, drei und eins, zwei, drei und dann
nach rechts und links, zusammen in den Kreis, wieder auseinander
und stehen.« Die Kinder freuen sich sichtlich. Zu
Klängen des Cembalos umhüllt die volle Stimme Anna
Magdalenas den ganzen Rathaussaal. Ihr Ariengesang ist so
schön, hoch und kräftig, sodass ein Steppke sich kurz die
Ohren zuhalten muss. Gleich darauf spielen fröhliche und
mitreißende Melodien. Die jungen Damen im Publikum halten
plötzlich keine Programmblätter, sondern Fächer, wie
damals üblich, in ihren Händen und diese müssen
einfach schwungvoll zu Musiktakten bewegt werden.
Auch das Gehör der kleinen wird auf die Probe gestellt.
»Jetzt singen wir sechs Mal "Dudelsack" im Rhythmus zur
Musik«, sagt die Sopranistin und setzt zum Singen an. Das
klingt einfach, aber eine Arie mitzusingen, erfordert besseres
Verständnis und Können. Den Jüngsten gefällt es
dennoch. Als das besondere Bachprogramm für Kinder nach etwa
einer Stunde vorbei ist, wird es schnell wieder laut im
Rathausfestsaal. Die Begeisterung der Jüngsten ist deutlich zu
sehen, obwohl der eine oder andere bereits etwas müde geworden
ist.
Die sechsjährige Jasmina findet diese Veranstaltung sehr
unterhaltsam. »Das Singen war besonders gut und ich habe auch
mitgesungen« erzählt die Kleine aufgeregt. Der
nächste Bub zwängt sich durch die Reihen in Richtung
Ausgang. »Toll fand ich das. Das Beste war das Singen und
auch die Instrumente waren schön.« sagt schnell der
fünfjährige Philip, der kurz darauf auch schon in der
Menge verschwunden ist. Alle Kinder sind begeistert und zeigen das
auch. »Ich fand es auch so sehr schön. Toll die
Instrumente. Ich würde gerne wieder kommen«, teilt
schüchtern die sechsjährige Antonia mit. »Es war
schön. Der Saal ist toll! Sehr schön. Toll!«
hört man noch die Kleinen reden, während sie die
Rathausräume verlassen.
Die Veranstaltung "Bach für Kinder" hat bei einigen
kleinen Zuhörern guten Eindruck hinterlassen. Auch den
Erwachsenen hätte so eine Veranstaltung eine Menge Spaß
bereitet. Und wer Lust verspürt, mehr über den Organisten
Bach und seine Musik zu erfahren, der kann die ihm zahlreich
gewidmeten Einrichtungen des Freistaates, wie zum Beispiel die
ständige Bachausstellung in Arnstadt, besichtigen.
Auch in unserem Nachbarland Sachsen gibt es in diesem Sommer
Gelegenheit, das Wirken Bachs als Kantor der Thomaskirche Leipzig
beim Bachfest vom 13. bis 22. Juni aufleben zu lassen.





