Kribbelbunt

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Versuchskaninchen Mensch und Affe

130 Schimpansen, kein fließendes Wasser, kein Strom, feucht-heißes Klima. Mit den ersten Sonnenstrahlen in der Frühe aufstehen und bis 17:00 Uhr mit Schimpansen und Orang-Utans experimentieren. Der Tagesablauf einer jungen Forscherin in einer Affenauffangstation in der Republik Kongo.

Esther Herrmann vom Max-Planck-Institut für Anthropologie, hat ihren Traumberuf gefunden. »Ich wollte schon immer mit Affen arbeiten. Bereits als Kind war ich von Schimpansen und Gorillas begeistert«, sagt sie. Ihr Ziel immer vor Augen, hat sie Biologie studiert. Bereits während ihres Studiums hat sie die Heimat verlassen, um in Thailand mit Gibbons in einer Waisenstation zu arbeiten. Ihre letzte Studie hat sie nach Afrika geführt. Esther Herrmann wollte herausfinden, »was uns Menschen so einzigartig macht und ob wir überhaupt so einzigartig sind.«

Was können Menschen besser als ihre haarigen Vorfahren? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen wurden Kinder im Alter von zweieinhalb Jahren mit Affen in sozialen sowie physikalischen Experimenten miteinander verglichen. »Ältere Kinder waren für die Studie nicht geeignet, weil sie durch Einrichtungen wie Kindergarten oder Schule gewisse Dinge bereits gelernt haben. So mussten die Kinder zum Beispiel Mengenschätzungen machen. Da wäre es schlecht, wenn sie schon rechnen könnten«, erklärt Esther Herrmann.

Doch wo bekommt man zum Vergleich so viele Affen für eine umfangreiche Studie her? »In Auffangstationen in Uganda, im Kongo und im Leipziger Zoo habe ich die Tiere getestet«, so die Forscherin. In den Auffangstationen befinden sich Affen, welche ihre Mütter verloren haben und nun den Versuch der Gruppenintegration durchleben. Für sieben bis acht Tage sind die Tiere für die Forschung in die Rolle der Versuchskaninchen geschlüpft und haben an den unterschiedlichsten Proben teilgenommen. »Dabei ist es uns wichtig, dass sie diese freiwillig mitmachen«, unterstreicht Esther Herrmann.

Genau wie 105 Kinder, welche im tausende Kilometer entfernten Max-Planck-Institut in Leipzig, fünfmal eine Stunde lang, ebenfalls ihr Können unter Beweis gestellt haben. Dabei durften ihre Eltern zwar anwesend sein, sie aber bei dem Test nicht beeinflussen. Das Ergebnis der Studie: Kinder sind in sozialen Fähigkeiten oft besser als Schimpansen. Ansonsten liegen sie meist auf demselben Niveau. Teilweise sind die Tiere in physikalischen Fähigkeiten sogar schneller auf dem richtigen Weg. »Affen haben verstecktes Futter schneller gefunden, kleine Summen besser addiert und Werkzeuge öfter benutzt. Affen besitzen eine Knobelnatur«, fasst die Evolutionsbiologin zusammen.

Die These, dass Menschenkinder wegen ihres größeren Gehirns alles besser können, habe nicht bestätigt werden können. Weiter fügt Esther Herrmann erklärend hinzu: »Durch soziales Lernen können sich Kleinkinder viel einfacher neue Fähigkeiten aneignen, indem sie angeleitet werden und imitieren. Ohne diese Begabungen wären wir nicht viel weiter entwickelt als unsere Vorfahren.« So kommen die Wissenschaftler zu dem Entschluss: »Kleine Kinder sind Kopiergenies und junge Affen Knobelkünstler.«

Als nächstes gilt es zu erforschen, ob es unter den Affen in unterschiedlichem Alter und Geschlecht auch Differenzen im Ergebnis gibt. Zudem wird der gleiche Test noch einmal mit Bonobos, einer Schwesternart der Schimpansen, gemacht, welche mit einem ganz anderen sozialen Verhalten ausgestattet sind. Esther Herrmann ist überzeugt: »Um Primaten besser verstehen zu können, ist es wichtig, sie während einer Freilandforschung und in exakten Experimenten mit ihnen erlebt zu haben.« Und aus diesem Grund wird es die erfahrene Affenforscherin auch für ihre nächste Studie wieder weit hinaus in die Welt ziehen.

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