Kribbelbunt

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Jedes Kind bringt ein großes Stück Schicksal mit

Vier Häuser, 26 Kinder, 20 Erwachsene, zwei Schafe, ein Spielplatz, ein Sportplatz, Bäume, ein Pavillon, eine kleine Straße und viel Wiese - das ist das Caritas Kinder- und Jugenddorf Leipzig-Markkleeberg.

Zunächst sieht man ein kleines, idyllisch gelegenes Dorf. Betritt man dann eines der Häuser, wird man sogleich sehr nett und auch ein bisschen neugierig begrüßt. »Bringst Du ein neues Kind?«, fragt Marco ganz unverblümt. Gerade hatte er noch in der Küche zu tun, jetzt steht der etwa Zwölfjährige mitten in einem Kinderzimmer, das noch ohne Bewohner ist. Anne Hoffmann spricht geduldig mit dem Jungen, schiebt ihn dann sanft wieder hinaus. »Schon bald ist dieses Zimmer nicht mehr leer«, erklärt die Leiterin des Kinderdorfes. »Der Junge, der hier wohnen wird, hat schon einige persönliche Dinge hergebracht.« Ein lilafarbener Stoffsaurier sitzt wie zum Beweis auf dem Bett und erwartet seinen kleinen Besitzer.

Im Kinder- und Jugenddorf Markkleeberg finden Mädchen und Jungen ein neues Zuhause. Sie kommen auf Vermittlung des Jugendamtes. Die Gründe, warum sie nicht bei der eigenen Familie leben können, sind vielfältig: Eine Mutter ist mit mehreren Geschwisterkindern überfordert, ein Vater schlägt immer wieder zu, Eltern sind nicht in der Lage, für regelmäßige Mahlzeiten zu sorgen, lassen die Kinder hungern. Die meisten bleiben für eine sehr lange Zeit. »Wir ersetzen für die Kinder ja die Familie und genau wie in einer Familie sind sie so lange hier, wie es nötig ist«, beschreibt Anne Hoffmann das Betreuungsmodell.

Die klassische Struktur Vater-Mutter-Kind leben die großen und kleinen Bewohner des Markkleeberger Kinderdorfes nicht. Dennoch läuft es in den Häusern wie in einer Familie ab: man spielt miteinander, hilft sich bei der Hausarbeit, lernt zusammen, kocht und isst gemeinsam, geht in der Freizeit und in den Ferien auf Entdeckungen. Mindestens zwei Pädagogen und eine Hauswirtschafterin sind pro Haus für die Mädchen und Jungen und all ihre Fragen, Wünsche und Bedürfnisse da. Auch nachts ist in jedem Haus ein Erwachsener bei den Kindern. In dieser Gemeinschaft ist es den Jüngeren freigestellt, wie sie die Älteren ansprechen.

»Der Neue ist Veit Zimmermann« hat einer der Erzieher an seinem ersten Tag im Dorf an die Pinwand geschrieben. »Die Kinder sollten sich aussuchen, ob sie mich beim Vornamen nennen, ob sie mich duzen oder siezen wollten«, sagt er. Lachend fügt der breitschultrige Mann hinzu: »Nur Mutti sollten sie nicht sagen.« Dass sich die meisten für das vertrauensvolle "Du" entscheiden, spricht für das harmonische Miteinander im Caritasdorf, das stark geprägt ist von der fast freundschaftlichen Zusammenarbeit der Erwachsenen. »Die Chemie stimmt zwischen uns, wir arbeiten gern hier«, freut sich Anne Hoffmann.

Freundschaften zwischen den Mädchen und Jungen sind hingegen selten. »Jedes Kind bringt schon ein großes Stück Schicksal mit, wenn es zu uns kommt«, sagt die Pädagogin. »Sie haben Lieblosigkeit, Verletzungen und Vernachlässigung, Demütigung und Gewalt erfahren. Es dauert viele Jahre, bis sie Bindungen eingehen können«, erklärt sie weiter. Ihr Ziel sei es, gemeinsam mit ihrem Team, die Kinder stark zu machen, ihnen Selbstbewusstsein zu verleihen, ihnen Mut und Entscheidungskraft mit auf den Weg zu geben.

Jedes Jahr geht das Markkleeberger Kinderdorf-Team dafür ein neues, großes Projekt an. 2006 war es eine Hörspiel-CD. Im vergangen Jahr wollte Anne Hoffmann einen eigenen Kinderdorf-Song. »Das war schon eine gewagte Sache«, gesteht die couragierte Frau, aber mit den richtigen Partnern habe es wirklich wunderbar geklappt. Stolz legt sie die CD "Starke Kinder" auf den Tisch und überlässt es ihrem Kollegen Christoph Sommerfeld die Entstehungsgeschichte zu erzählen. Sommerfeld ist im zweiten Beruf Musiker und eng mit Prinzen-Sänger Wolfgang Lenk befreundet. Dieser, selbst Vater von drei Kindern, war sofort Feuer und Flamme für die Idee, das Motto der Caritas "Mach dich stark für starke Kinder" in einen Song zu "gießen".

Die Musiker gewannen mit dem Texter Markus Gnaudschun einen Partner, der die richtigen Worte fand. Das Leipziger Tonstudio Wolke-Musik stellte für die Aufnahmen die nötige Technik und Räumlichkeiten. Der Künstler Hans Aichinger erlaubte die kostenlose Nutzung seiner Bilder für das Cover. Acht Kinder des Caritasdorfes gaben dem Song schließlich gemeinsam mit Wolfgang Lenk ihre Stimme. »Fünf Stunden lang haben sie das Lied immer wieder eingesungen - ein hartes Stück Arbeit«, sagt Christoph Sommerfeld bewundernd. "Starke Kinder", fügt Anne Hoffmann hinzu und ihr ist deutlich anzumerken, dass sie damit nicht nur den Song, sondern auch ihre Schützlinge meint. Kasten

Die Musik-CD "Starke Kinder" mit Wolfgang Lenk, "die Prinzen", ist online beziehbar, unter anderem bei www.carikauf.de, dem Online-Shop des Deutschen Caritasverbandes, oder bei www.amazon.de. Sie kostet zwischen 4,95 und 6,95 Euro. Das Geld kommt dem Projekt SIT (Schulinterventionsteam) des Caritasverbandes Leipzig zugute.

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