Kribbelbunt

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Von meterhohen Wellen, gebrochenen Paddeln und nie endenden Nächten

Am 1. Mai haben die drei Leipziger Sportler Stephan Riedel, David Weide und Sebastian Hübner ihre Boote am Klingerweg zu Wasser gelassen. Über 300 Freunde, Bekannte und Schaulustige haben zugesehen und applaudiert, als sie das erste Wasser mit ihren Paddeln verdrängten und fortfuhren. Auf ging es zu einer 50-tägigen Kanutour von Leipzig über 2.900 Kilometer zum schwedischen Nordpolarkreis auf dem Wasserweg - und das nicht als Aktivurlaub oder aus Eigennutz.

Annett Schuck, selbst Olympiasiegerin und Weltmeisterin im Kanurennsport und Kanumarathon, hat den Startschuss zu dieser Extremtour gegeben. »Ich weiß, was sich die Jungs dort vorgenommen haben«, sagte sie, noch kurz, bevor sie ins Signalhorn blies und weiter: »Aber, ich glaube daran, dass sie es schaffen werden.« Sie musste es wissen, denn schließlich gingen die Kanuten bei ihr am Sportgymnasium in die "Schule". Was steckt nun dahinter, dass die drei Leipziger mit ihren Booten bis nach Schweden fahren wollten? »Als ehemalige Kanurennsportler lag uns das Paddeln im Blut und die Liebe zur Natur sowie deren Erkundung war lange Zeit mehr als nur ein Hobby«, erinnert sich Stephan Riedel und wird durch David Weide ergänzt: »Nach den Wettkämpfen der Vergangenheit suchten wir nach neuen Herausforderungen und fanden sie im Seekajakfahren.«

So müssen die ersten 500 Binnenkilometer von Leipzig nach Lübeck nur eine Art Aufwärmtraining für die große Ostseetour gewesen sein. Am Tag elf habe dann die erste Ostseeüberquerung mit 26 Kilometern und über fünf Stunden Fahrzeit vor ihnen gelegen. »Da fährst Du los«, schildert Sebastian Hübner, »und siehst vor Dir nur das weite Meer am Horizont. Im Rücken verlor sich die deutsche Ostseeküste. Nur noch Wasser, das GPS-Gerät, das uns den richtigen Kurs wies und unsere Prijon-Kajaks.« Und schon bald hätten im Dreiminutentakt überdimensionale Hochseeschiffe den Kurs der dagegen als Miniaturen erscheinenden Paddelboote gekreuzt. Ein erster Kampf gegen die Wassereinöde und den Sog, der auf den Nord-Ostsee-Kanal, die meistbefahrenste Wasserstraße der Welt, zusteuernden Tanker, Trawler und Containerschiffe. »Es war wohl eine der beeindruckendsten Erfahrungen der Tour«, berichtet Sebastian weiter.

Nach zwei dieser großen Ostseequerungen haben sich die drei Extremsportler etappenweise ihrem großen Ziel entgegengehangelt - den Norden. »Wir haben gerade in Dänemark und Schweden Menschen getroffen, die uns spontan zum Essen eingeladen haben und großes Interesse an unserem Vorhaben zeigten. Das haben wir irgendwie in der Heimat vermisst«, erinnert sich Stephan Riedel nachdenklich. Die Fahrt an der schwedischen Küste entlang habe sich nach den Ostseequerungen als teilweise tragisch erwiesen. Während auf der Binnentour auf deutschen Wasserstraßen die Sonne brannte, mussten sie nun stets gegen den Wind fahren. »Meterhohe Wellen hinderten uns, unseren Zeitplan einzuhalten«, berichtet David Weide, »wenn Du mit voller Kraft ins Wellental paddelst und auf dem Pik der Welle zum Stehen kommst, dann verzweifelst Du und willst schon aufgeben.« »Nicht zu vergessen«, wirft Stephan ein, »als die Paddel gebrochen sind.«

Dramatische Situationen auf offener See. Doch der Partner der Tour Prijon reagierte auf diese Situation schnell und lieferte die neuen Carbon-Paddel nach Nyköping. Die Kilometer, die wegen des schlechten Wetters am Tage nicht geschafft wurden, haben die drei Kanuten nachts zurückgelegt. Die See habe sich meist ab 22:00 Uhr beruhigt. »Durch die hellen Nächte haben wir jegliches Zeitgefühl verloren und wir wollten ja auch unser Ziel schaffen«, kommentiert Stephan.»Häufig sind wir bis 02:00 Uhr nachts durchgefahren. Dann waren wir müde genug, um beim beginnenden Sonnenaufgang drei, vier Stunden zu schlafen. Unter freiem Himmel selbstverständlich«, fügt er noch hinzu.

Und so haben sie nach genau 50 Tagen am 19. Juni 2008 Älvsbyn am schwedischen Nordpolarkreis mit ihren drei Booten erreicht. »Wir waren glücklich«, meinen die Drei einstimmig - nach rund 2 Millionen Paddelschlägen am Ziel eines genau ein Jahr zuvor geplanten Vorhabens.

Und schon im Frühsommer 2007 stand fest, dass die Sportler ihre Kanutour nicht nur für sich machen wollten. David Weide: »Mit jedem Kilometer haben wir auf Spenden für das Leipziger Ronald McDonald Haus gehofft.« Nachdenklich fügt Sebastian Hübner hinzu: »Gerade wenn wir auf der Tour immer mal wieder unsere Grenzen überschritten hatten, sagten wir uns, dass wir diese Herausforderung selbst gewählt haben. Schwer kranke Kinder müssen sich ihrem Schicksal hingeben und auf die Mediziner und ihre Eltern vertrauen. Sie können nicht umkehren. Das hat uns bestärkt, unser Ziel zu erreichen und damit Spenden zu sammeln.«

Noch haben sie ihr selbstgestecktes Spendenziel nicht erreicht und daher werden sie bei den geplanten Vorträgen über ihre Kanu-Extrem-Tour weitersammeln.


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