Kribbelbunt

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Arbeit wie im Märchen!?

Ein sachter Wind weht… leise rascheln die Blätter… und schon schwebt sie an einem Regenschirm durch die Lüfte, verkauft den Kindern selbst bitterste Medizin für süßen Saft, hat stets ein Lied auf den Lippen und immer eine Lösung parat. Sie ist das, was wir heute als die Super-Nanny bezeichnen würden: Mary Poppins

Eine märchenhafte Figur, die nahezu alles verkörpert, was sich eine Familie von heute nur wünscht: Wann immer man sie braucht, ist sie zur Stelle, die Kinder lieben sie, die Eltern sind merklich zufrieden und auch der Haushalt macht sich, dank Marys magischer Kräfte, fast wie von selbst.

Ein bisschen anders sieht jedoch die Realität aus.

In keinem Land Westeuropas, ausgenommen Irland, steigen so viele Mütter aus dem Erwerbsleben aus wie in Deutschland. Im Konflikt zwischen Beruf und Familie hat die Familie zumeist den Vorrang. Ein Thema also, das auch in Sachsen und Thüringen heftigst diskutiert wird und das Mütter und Väter nicht selten zu schweren Entscheidungen drängt. Dabei kann man selbst ein klein wenig das Märchen der Mary Poppins für seine Familie wahr werden lassen - auch wenn das Thema dabei eher heißen sollte - wie so oft benannt - die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Bianca Olthoff ist eine von mehr als 40 Tagesmüttern in Jena. Sie hat die Lizenz zur Kindertagespflege und zudem auch zwei Betreuungsplätze für Kinder. Vermittelt wird ihre Dienstleistung über das Jugendamt der Stadt. Und gerade freut sich die 32jährige über zwei Winzlinge, die sie regelmäßig in ihrem, etwas abseits von Jena gelegenen Haus betreuen darf: 7 Monate und 1 ¾ Jahr alt sind die beiden. Da gibt es jede Menge zu tun: im Sand toben, mit Wasser experimentieren, Spazierengehen, mit Kreide malen, zwischendurch Mittagsschlaf halten und essen - und dann wieder raus an die frische Luft.

Idyllisch gelegen, mit Kaninchen, Enten, Tauben, Katzen und den Pferden nebenan, zudem jede Menge Natur drumherum, bietet die Tagesmama eine tolle Umgebung für Kleinkinder. Noch vor wenigen Wochen aber wartete Bianca Olthoff vergebens auf ein zweites Kind zur Betreuung, fast den ganzen Sommer lang. Die Vermutung liegt nahe, dass die Stadt Jena erst einmal all ihre Krippenplätze voll kriegen möchte und sich dann anschließend erst im größeren Rahmen um die Vermittlung zu den Tagesmüttern kümmert. Auch scheinen die 6 Autofahrminuten raus aus der Stadt nicht für alle Eltern, trotz des verlockenden Betreuungsangebotes, nah genug zu sein…

Jedoch nicht einmal das wirkt so demütigend, wie so manch eine, nicht immer laut ausgesprochene Behauptung zum Thema Kindertagespflege: Dass man als Tagesmutter salopp gesagt den ganzen Tag "'nen Lenz schiebt" und nur zu Hause "herumlungert" sind nur einige Auszüge. Aussagen wie diese haben die 32jährige und ihre Berufsgenossinnen schon häufiger zu hören bekommen. Dabei sind doch vor allem sie es, die vielen Frauen und Männern mit Kind ermöglichen, flexibel ihren Tagesablauf zu gestalten und ein bisschen eben auch für die Balance zwischen Familie und Beruf sorgen. Somit kann letztlich auch den Müttern ein schnellerer Berufseinstieg nach der Babypause ermöglicht werden. Warum sollten Tagesmütter also kein Recht auf Anerkennung haben?

Wenn man dann so ein bisschen, wie Bianca Olthoff selbst, über sich denkt, auch »ein Stück weit Kind geblieben zu sein«, ist das neben der Ausbildung zur Tagesmutter sowohl eine schöne als auch vor allem wichtige Voraussetzung, lacht die Mutter zweier eigener Mädchen, der zehnjährigen Lisa Marie und der fast vierjährigen Hanna Lina.

Tagespflege - die Alternative zur Krippe und zur Betreuung zu Hause? Anhand des kurzen Einblickes in das Leben von Tagesmama Bianca erklärt sich, was im Falle Mary Poppins als möglicherweise größte Herausforderung angesehen wird und sich als stärkste Befürchtung berufstätiger Mütter zeigt: Manche Frauen haben Bedenken, dass sich eine Fremdbetreuung in einer Tagespflegefamilie negativ auf das Wohlbefinden ihres Kindes auswirken könnte. Sie fürchten, dass die Kleinen in der Entwicklung anderen Kindern hinterherhinken. Springender Punkt ist dabei die Qualifizierung von Tageseltern - bedenkt man, dass sie ihrer Betreuungs- aufgabe zumeist nach kürzester Zeit nachgehen dürfen, während die Ausbildung zum Erzieher im Kindertages-stätten- und Krippenbereich insgesamt 3 Jahre dauert.

Wie kontrovers und auch abhängig von der individuellen Situation eines jeden das Thema Kindertagespflege tatsächlich zu sein scheint, zeigt sich z.B. auch an der Haltung einer Stadt wie Chemnitz.

Hier ist man voll von Stolz bisher keine einzige Tagesmutter gebraucht zu haben - was für andere Städte wahrlich ein "Ding der Unmöglichkeit" ist! Während man in Chemnitz also alles über Plätze in Kindertages-einrichtungen abdeckt, welche zugegebenermaßen ein vielfältiges Angebot darstellen, suchen Städte wie Leipzig und Dresden händeringend nach der alter- nativen Tagesbetreuung. Kurzum: weil dort das Angebot an Kinderbetreuungsmöglichkeiten hinten und vorne nicht reicht!

Dass man Chemnitzer Familien so gar keine Alternative und somit keine andere Betreuungsform anbietet, selbst wenn man natürlich gut heißen kann, dass es genügend Plätze in den Kindereinrichtungen gibt, findet CDU-Landtagsabgeordneter Peter Patt schier unfassbar. Schließlich sollte man, seiner Auffassung nach, allen Familien die Möglichkeit der freien Wahl lassen, wo und wie man sein Kind betreuen lassen möchte, erklärt der engagierte Abgeordnete im persönlichen Gespräch mit "KIDS und Co".

Auf die Situation in Chemnitz angesprochen, erfahren wir folgende Sichtweise einer Gewerkschafterin: Heidi Becherer, Regionsvorsitzende des DGB, Region Chemnitz: »Zum Thema Tagesmuttis/Tagesvatis gibt es grundsätzlich ein Ja, jedoch aus Gewerkschaftssicht mit zweimal großem Aber. Zum einen kann dadurch meiner Meinung nach keine qualifizierte Betreuung geboten werden. Im Vergleich zu einer dreijährig ausgebildeten Erzieherin sind die Schulungen und die Tatsache, dass es jeder ab 18 Jahren machen kann, einfach nicht gleichzusetzen mit dem Angebot, was Kindereinrichtungen zu leisten in der Lage sind. Zum zweiten kann ich generell nicht befürworten, dass es in der Kinderbetreuung, einer so verantwortungsvollen Aufgabe, einen Niedriglohnbereich gibt«.

Beim Jugendamt der Stadt Chemnitzwerden uns indes interessante Neuigkeiten berichtet. Zukunftsmusik bezüglich der dortigen Kindertagespflege? Marion Forberg, Sachgebietsleiterin Kindertagesstätten: »Wir haben noch relativ wenige Anfragen hinsichtlich der Kindertagespflege. Dennoch werden wir ab Januar 2007 in unseren Bedarfsplan sechs Plätze einstellen. Das heißt, es wird dann zwei Zentren geben, die jeweils bis zu drei Kinder betreuen können. Gedacht sind diese Plätze als Alternative für Eltern mit Kindern, die nicht kindergartentauglich sind, also zunächst nicht in großen Gruppen klarkommen. Oder beispielsweise für Muttis und Vatis, die zeitig wieder arbeiten müssen, ihr Kind aber noch sehr klein oder auch ein Frühchen gewesen ist, was besondere Zuwendung benötigt. Und die Kindertagespflege soll sich möglichst auf den Krippenbereich beziehen. Die Stadt Chemnitz verfügt über ausreichende Kindergartenplätze und eine aus-gezeichnete Qualität, auch verschiedene konzeptionelle Ansätze werden hier in den Einrichtungen bereits umgesetzt. Es ist im sächsischen Gesetz und in der psychologischen Entwicklung unserer Kinder begründet, dass sie auch Gleichaltrige zum Spielen brauchen und sich in eine Gruppe einordnen lernen. Das heißt, im Regelfall sollten unsere Jüngsten in Kindertagesstätten betreut werden. Wir werden beobachten, wie sich die Nachfrage an Alternativbetreuung weiter entwickelt und ent- sprechend reagieren.«

….hingegen bestimmen längst schon rege Nachfrage, aber auch vielfältig gestaltete Angebote in anderen Städten Sachsens das tägliche Bild. In Leipzig ist dies allerdings nicht selten verbunden mit langen Wartelisten und Wartezeiten, ehe sowohl ein Platz in einer Kindertageseinrichtung als auch bei Tagesmüttern oder -vätern zur Verfügung steht.Ein Besuch bei Leipzigs Tagespapa Enrico Hädrich, von seinen Tageskindern liebevoll "Enni" oder auch "Papa" genannt - zeigt eine solche funktionierende Tagespapa-Kind-Beziehung. Seit der gelernte Schlosser sein Herz für die Arbeit mit Menschen entdeckt hat, ist er glücklich mit seiner Aufgabe. Mittlerweise hat der Papa von zwei eigenen Kindern, die mit ihren 6 und 9 Jahren selbst schon die Schulbank drücken, täglich eine ganze Rasselbande Tageskinder im Haus. Die 5-köpfige Mannschaft, im Alter zwischen 16 und 21 Monaten besteht aus: Marlene-Edda, Benjamin-Eric, Madita-Sophie, Mascha und Veit.

"Papa Enni" hat seinen Traumberuf einer Kindergärtnerin seiner eigenen zwei Kinder zu verdanken, die ihm rieten mal ein Schnupperpraktikum in einer Kindereinrichtung zu machen. Schon bald sollte, dank seiner Begeisterung für die Arbeit mit Kindern, mehr daraus werden. Die Ausbildung zum Tagespapa mit Pflegeerlaubnis für drei Kinder war schnell absolviert. Mittlerweile hat der "Superpapa" sich das Vertrauen zahlreicher Eltern und Experten für Kinderbetreuung erarbeitet, dass er sich nunmehr um 5 kleine Steppkes bemühen darf.

Enrico Hädrich setzt in seiner Arbeit auf das Weitergeben und Erlernen des Umganges mit Verantwortung. Sein auf jedes Kind individuell zugeschnittenes Konzept hilft ihm, all die Kinder, die ihm verantwortungsvoll übergeben wurden, besonders zu betreuen, zu erziehen und zu schulen, demzufolge direkt auf sie und ihre Entwicklung einzu-gehen. Wichtig sind auch für ihn das täglich Rausgehen und Spielen, weiterhin eine religiöse Erziehung und die Förderung der sprachlichen Entwicklung der Kinder. Dabei setzt der Tagespapa ganz auf seinen persönlichen Anspruch in seiner Arbeit. Zudem orientiert sich Enrico Hädrich fest am sächsischen Bildungsplan, der ein bestimmtes Wissen und Können der Kinder eines jeden Alters verlangt - und nach dem auch die Kleinen in den Kinderbetreuungseinrichtungen geschult werden sollen. Zugleich befindet er sich im regen Austausch mit anderen Tagesmüttern- und vätern.

Wie Tagesmuttter Bianca Olthoff sieht auch Enrico Hädrich vor allem einen Vorteil in der Betreuung von Kindern in kleinen Gruppen: Hier ist alles individueller und zeitintensiver - nutzbarer für jedes Kind, - im Gegensatz zur Betreuung in den oft zu großen Gruppen mancher KiTas und Krippen. Die familiäre Atmosphäre, die zwischen ihm und den Kindern herrscht, empfindet er als besonders wichtig. Wichtiger als ein jedes Diplom, so meinen es oftmals Fürsprecher der alternativen Kinderbetreuung ist es, sich mit den emotionalen und sozialen Bedürfnissen der verschiedenen Altersstufen auszukennen. Und: Ob Kinder glücklich aufwachsen, hängt nicht davon ab, ob Mütter erwerbstätig sind oder nicht«, sagt auch Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen. »Entscheidend ist, ob die Eltern zufrieden mit ihrer Lebensperspektive sind - dazu gehört natürlich auch der Beruf - und ob sie die Zeit mit den Kindern aufmerksam und ihnen zugewandt verbringen«.

Letztlich entscheiden auch ein gutes Gefühl und "die Chemie" über den Erfolg einer Kinderbetreuung und den Erfolg in der Balance von Arbeit und Familie, gleich, welcher Betreuung Sie auch Ihr Vertrauen schenken möchten. Hierzulande hat die besten Chancen für einen gelungenen Wiedereinstieg ins Berufsleben, wer nur eine kurze Babypause macht, maximal ein Jahr. Das Dilemma: Mütter erbringen in ihrem Job nur dann gute Leistungen, wenn sie wissen, dass es ihrem Kind gut geht. Zufriedene Eltern sind motivierter, produktiver und konzentrierter. Da hilft es eben manchmal an seiner Seite eine moderne Art der Mary Poppins zu wissen...

Sagen Sie uns Ihre Meinung oder stellen Sie uns Ihre Fragen rund um das Thema Kinderbetreuung. Wir recherchieren für Sie und haken nach - oder erfahren gern mehr über Ihre Sichtweise zur Thematik und Ihre persönlichen Erfahrungen mit Tageseltern und Co. Schreiben Sie an: redaktion@kidsundco-verlag.de

Kurzinfo zur Tagespflege:

Tageseltern - individuelle Betreuung und Förderung in kleinen Gruppen: Tagesmütter/ -väter sind Frauen und Männer, die bei sich zu Hause ein oder zwei Zimmer kindgemäß eingerichtet haben und dort bis zu 5 Kinder umsorgen. Dadurch können sie gut auf die speziellen Bedürfnisse der Kinder eingehen. Wie im Kindergarten wird gemeinsam gespielt, gegessen, spazieren gegangen, gebastelt und gemalt. Eine Tagesmutter/-vater stellt sich auf die Bedürfnisse und Wünsche der Eltern ein, z. B. bei der Betreuungszeit, die sich bei berufstätigen Müttern und Vätern öfter ändern kann. Über die Kinder - und Jugendhilfe (meist dem Jugendamt angegliedert) haben Tagesmütter/-väter eine Ausbildung erhalten und damit Sicherheit im Umgang mit Säuglingen und Kleinkindern erlangt. Auch beinhaltet die Ausbildung einen 1. Hilfe-Kurs für Kinder.

Mit diesen Kosten müssen Sie rechnen: Die Halbtagesbetreuung (bis max. 20 Wochenstunden) Ihres Kindes kostet in der Regel zwischen 250 - 300 Euro. Bei einer Ganztagsbetreuung von 40 Wochenstunden müssen Sie mit ca. 400 Euro rechnen, vor allem dann, wenn Sie privat auf Suche gehen. In vielen Städten zahlen Eltern jedoch den selben!! Obolus wie für einen KiTa- /Krippenplatz. Eine Antragstellung über das Jugendamt sorgt zudem nicht selten auch für wesentlich günstigere Preise bei Betreuungskosten für Tagesmutter/Tagespapa. Oft übernimmt also das Jugendamt einen Teil der Betreuungskosten. Fragen Sie nach!

Die passende Tagesmutter bzw. Tagespapa finden: Diese Aufgabe ist nicht einfach. Es kann auch sein, dass Sie auf Anhieb nicht die passende Tagesmutter oder den richtigen Tagespapa finden. Haben Sie keine Bedenken mehrere Kinderbetreuer zu besuchen und sich in Ruhe zu entscheiden. Schließlich soll sich Ihr Kind wohlfühlen, einfach gerne zur Tagesmutter oder dem Tagespapa gehen und dort auch Spielkameraden "entdecken". Bei Ihrem ersten Besuch einer Tagesmutter oder -papas sollten Sie u.a. achten auf:

- ausreichend Platz für Spielmöglichkeiten,

- eine anregungsreiche Ausgestaltung,

- geeignete Spiel- und Beschäftigungsmaterialien,

- unfallverhütende und gute hygienische Verhältnisse,

- insbesondere für Kleinkinder eine Schlafgelegenheit,

- Möglichkeit des Spielens und Erlebens in der Natur, in Wald- oder Parkanlagen

Sie sollten rechtzeitig, bevor Sie wieder berufstätig werden, mit der Suche nach einer Tagesbetreuung beginnen und sich über eine zu Ihnen passende Tagesmutter/-vater informieren. Die Entscheidung für eine bestimmte Person hängt zunächst sicherlich vom persönlichen Eindruck ab. Haben Sie eine Tagesmutter oder einen Tagesvater gefunden, sollten Sie Ihr Kind in einer Eingewöhnungs- und Kontaktphase an die neue Bezugsperson gewöhnen. Ihr Kind muss eine stabile Beziehung zu der Tagesmutter/ dem Tagesvater aufbauen. Falls Sie für Ihre Entscheidung weitere Hilfe benötigen, erhalten Sie eine Beratung in Ihrem Jugendamt oder bei einem freien Träger (z. B. Tagesmütterverein). Die Adressen der Mitgliedsorganisationen des Tagesmütter Bundesverbandes für Kinderbetreuung in Tagespflege e.V. finden Sie unter: www.tagesmuetter-bundesverband.de

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