Zu Gast bei den Thomanern
Paul Bernewitz und Friedrich Praitorius haben es
geschafft! Sie sind zwei von insgesamt 14 Jungen, die in den
Thomanerchor aufgenommen wurden. Starke Nerven, goldene Stimmen und
eine unglaubliche Disziplin bestimmen nun den Alltag der beiden
Sängerknaben, denn Sie gehören zu den Auserwählten
des Chores - von insgesamt 97 Sängern.
Man muss gar nicht zwei Mal fragen, entschlossen berichtet
Friedrich uns sogleich, wie es zu all dem eigentlich kam:
»Durch meinen Bruder wollte ich auf das Internat gehen. Als
es dann so weit war, habe ich gezweifelt. Um meine Entscheidung zu
erleichtern, erstellte ich eine Liste mit Vor- und Nachteilen eines
Beitritts.« Friedrich schmunzelt keck und fügt voller
Stolz hinzu: »Im Endeffekt habe ich mich entschlossen, zur
Aufnahmeprüfung zu gehen und siehe da, ich wurde
genommen!«
Friedrich Praitorius 
Paul Bernewitz
»Bei mir war es ähnlich«, mischt sich Paul in
unser Gespräch: »Meine Aufnahmeprüfung bestand aus
dem Vorsingen von zwei Liedern, die ich vorher einstudierte, dem
Spielen von zwei bis drei Stücken und dem Singen von
Intervallen beziehungsweise dem Nachsingen einer Melodie«,
sprudelt es aus dem gesprächigen 10jährigen heraus. Die
beiden Jungen sind bereits von klein auf mit Musik vertraut. Doch
nicht nur die Klangwelt, sondern auch Fußball lässt ihre
Herzen höher schlagen, verraten sie uns. Und Friedrich
berichtet etwas traurig: »Früher war ich Kapitän in
einer Fußballmannschaft, das geht jetzt leider nicht
mehr.« Doch schon im nächsten Augenblick hat sich der
9jährige wieder gefangen und ist begierig darauf mehr
über seinen Alltag hier beim Thomanerchor erzählen zu
dürfen.
»Nach dem regulären Unterricht folgen drei Stunden
Chorprobe, eine Hausaufgabenstunde und das Üben des eigenen
Instrumentes.« Friedrichs Gesicht wirkt nachdenklich…
»Ich würde gern einen Tag haben, an dem ich nur zu tun
und gar keine Freizeit hätte - dafür aber den Rest der
Woche mehr Erholung haben. - Das habe ich leider nicht. Gern
würde ich wieder Fußball spielen, aber in dieser Zeit
muss ich Klavier spielen, üben. Und wenn ich dann den anderen
Jungs absagen muss, fühl ich mich ein kleines bisschen
ausgeschlossen.«
Uns wird
bewusst: Die Disziplin scheint also das große Geheimnis
dieses weltweit bekannten Chores zu sein. - Mehr als beachtlich,
vergleicht man den Tagesablauf von Paul und Friedrich mit dem
gleichaltriger Kinder. »Unsere Thomaner müssen sehr
robust und leistungsstark sein, damit sie sich durchsetzen.
Spät abends singen und früh wieder zeitig in der Schule
sein ist anstrengend, das kann nicht jeder«, verdeutlicht
Roland Weiße, Pädagogischer Leiter des Chores.
»Die Kinder bilden das hier aus, ihr Akku wird
größer und sie passen sich den Gegebenheiten
an«.
Der Lehrplan ist an der Thomasschule derselbe, wie an allen anderen
Schulen in Sachsen. Gleiches gilt für die Sommerferien.
»An die gehen wir nicht ran, sodass die Regenerationszeit
auch bei unseren Sängern gegeben ist«, fügt Roland
Weiße ergänzend hinzu. …und dann ist auch
für Paul und Friedrich endlich wieder Zeit zum Toben, Bolzen
und auch Fußballspielen… Wir wünschen den beiden
viel Freude an ihren Hobbys und hoffen, sie bleiben auch
musiksalisch immer schön am Ball.




