Gute-Nacht-Geschichten

Eine Gute-Nacht-Geschichte ist das beste Betthupferl und ist für die Kinder einfach nicht wegzudenken. Was kann schöner sein, als eine Gute-Nacht-Geschichte, wenn die Nacht in die Kinderzimmer kommt und die kleinen Augen langsam müde werden, aber die Kinder „noch nicht schlafen wollen“? Für alle Eltern, die bereits eigene Gutenachtgeschichten ausgeschöpft haben, halten wir jede Menge interessanten Geschichten zum Einschlafen parat.


Gute-Nacht-Geschichte 1

Die verlorene Krone

Eine Geschichte von Helga Licher

Müde krabbelt Prinzessin Lavinia aus ihrem Bett und reibt sich verschlafen die Augen. Die Sonne scheint durch das Fenster und es wird höchste Zeit aufzustehen. Rasch zieht sie ihr Kleid an und kämmt ihre braunen Locken. Jetzt fehlt nur noch die goldene Krone, doch der Tisch neben dem Bett ist leer. Wo ist die Krone?

Bekümmert sucht Lavinia im ganzen Schloss. Sie fragt den Koch in der Schlossküche und den Diener ihres Vaters, doch niemand hat die Krone, gesehen. Traurig geht sie in den Schlossgarten. Plötzlich erinnert sie sich, dass sie gestern auf der kleinen Bank zwischen den Rosenbüschen gesessen und in ihrem Märchenbuch die Geschichte vom Froschkönig gelesen hat.

»Vielleicht habe ich meine Krone dort vergessen«, denkt Lavinia und hofft verzweifelt, dass sie Recht hat. Denn eine Prinzessin ohne Krone, ist ja keine richtige Prinzessin mehr. Doch auf der Bank liegt weder die Krone noch das Märchenbuch. »Komisch«, denkt Lavinia, »zuerst verschwindet meine Krone und nun ist auch mein Lieblingsbuch wie vom Erdboden verschluckt.« Eifrig sucht sie die Umgebung ab und schaut hinter jeden Rosenbusch, aber sie findet nichts. Erschöpft lässt sie sich ins weiche Gras fallen. Dabei fällt ihr Blick auf seltsame nasse Spuren, die den Steinweg entlang hinüber zum Fischteich führen. »Vielleicht haben diese sonderbaren Abdrücke etwas mit dem Verschwinden meiner Krone zu tun«, denkt die Prinzessin.

Neugierig folgt sie der Spur, die am Ufer des Teiches endet. »Suchst du mich?«, ertönt auf einmal eine Stimme. Erschrocken geht Lavinia einige Schritte zurück. Auf einem großen Seerosenblatt, nicht weit vom Ufer entfernt, kauert ein dicker, grüner Frosch. Auf seinem Kopf entdeckt sie ihre goldene Krone. Und vor dem frechen Dieb auf dem schwankenden Seerosenblatt liegt das verschwundene Märchenbuch! »Gib mir sofort meine Krone und das Buch zurück!«, ruft sie ihm zornig zu. Der Frosch sieht Lavinia mit großen Augen an und schaukelt aufgeregt auf seinem Blatt hin und her. »Ich bin der Froschkönig und darum gehört die Krone mir«, antwortet er trotzig. Die Prinzessin stutzt, doch dann muss sie lachen.

»Den Froschkönig gibt es doch nur im Märchen«, erklärt sie. »Ich brauche meine Krone ganz dringend, denn ohne Krone bin ich keine richtige Prinzessin mehr.« Der Frosch zögert einen Moment, doch dann rudert er schließlich langsam auf seinem Seerosenblatt ans Ufer. Mit einem großen Satz springt er ins Gras und gibt der Prinzessin traurig die goldene Krone und das Märchenbuch zurück. »Ich habe die Geschichte vom Froschkönig gelesen und wollte so gerne auch einmal ein König sein. Darum habe ich mir deine Krone geborgt. Bitte sei mir nicht böse.« Glücklich setzt Lavinia ihre Krone auf den Kopf und zwinkert dem Frosch zu. »Vielleicht bist du ja der verzauberte Prinz aus meinem Märchenbuch?« Behutsam nimmt sie den Frosch auf die Hand und gibt ihm einen leichten Kuss, bevor sie ihn wieder auf das Seerosenblatt setzt. »Ich bin gespannt, was jetzt geschieht«, denkt Lavinia und schließt ihre Augen. Dann zählt sie langsam bis drei.

Als sie nach einer Weile ihre Augen wieder öffnet, ist der Frosch verschwunden. »Vielleicht hat der kleine Kerl sich ja wirklich in einen Prinzen verwandelt«, überlegt sie und sieht sich suchend nach allen Seiten um. Plötzlich entdeckt sie ihn. Der dicke Frosch ist auf seinem Seerosenblatt schnell auf den Teich hinaus gerudert, um sich im dichten Schilf zu verstecken. Als er sieht, dass Lavinia ihn beobachtet, springt er übermütig von einem Bein auf das andere und landet schließlich kopfüber im Wasser.

»Ein Prinz ist aus dir leider nicht geworden, aber dafür habe ich jetzt einen frechen Froschkönig zum Freund«, ruft die Prinzessin ihm freundlich hinterher.

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Gute-Nacht-Geschichte 2

Die kleine Fee

Eine Geschichte von Franziska Süß

»Oh weh, oh weh«, klagte die kleine Fee. Eben hatte sie sich umgedreht, um nach ihrer Feen-Oma zu schauen. Doch da war keine Oma mehr.

Gerade noch hüpfte die kleine Fee von Blume zu Blume und hatte ihren Feen-Staub verteilt und mit Oma herumgealbert. Doch nun befand sie sich ganz allein inmitten dieser großen Blumenwiese. Von welcher Blume war sie denn gerade gekommen, überlegte die kleine Fee. Aber irgendwie sahen alle Blumen gleich aus. Sie waren rot mit einem gelben Stempel und wiegten sich ganz leicht im warmen Sommerwind. Fast erschien es der kleinen Fee, als schüttelten sie ihre wohlduftenden Blütenköpfe und wollten ihr damit sagen: wir wissen es auch nicht.

»Wo bist du Oma« rief die kleine Fee jetzt so laut sie eben konnte. »Was störst du denn unsere Ruhe?«, beschwerte sich plötzlich ein dickes Eichhörnchen auf dem großen morschen Baumstumpf gerade vor ihr. Na so was, die kleine Fee schaute das Eichhörnchen neugierig an. »Wer bist du denn?« wollte sie wissen. Dabei schubste sie sich von der Blume kräftig ab und flog dem rotbraunen buschigen Eichhörnchen entgegen. »Am besten störst du mich lieber nicht!“ antwortete es und steckte sich eine riesige Nuss in sein kleines Mäulchen.

Jetzt musste die kleine Fee lachen. So etwas hatte sie noch nicht gesehen. Die große Nuss steckte im Mäulchen des Eichhörnchens. Dieses versuchte mit ganzer Kraft die Nuss zu knacken. Doch das klappte nicht. Das Eichhörnchen rollte mit seinen Augen und wollte mit seinen kleinen klitzekleinen Pfoten die Nuss wieder aus seinem Mäulchen zu holen. Doch dies gelang ebenso nicht. »Soll ich dir helfen?«, fragte die kleine Fee und hielt sich inzwischen noch immer den Bauch vor Lachen. So lustig sah das kleine buschige Knäul aus. Doch die übergroße Nuss steckte fest. Der kleinen Fee kullerten inzwischen die ersten Lachtränen über die Wange. Es sah einfach zu komisch aus. Jetzt fing das kleine Eichhörnchen auch noch an, aufgeregt hoch und runter zu hüpfen und sich dann wieder wild fuchteln auf dem Boden hin- und herzu rollen. In diesem Augenblick kam ein großes Eichhörnchen hinzu gesprungen. Schnell stellte es das Kleine auf die Beine und klopfte es sehr derb auf seinen Rücken. Im hohen Bogen flog die Nuss heraus. Die kleine Fee konnte gerade noch zur Seite fliegen, sonst hätte sie die Nuss auch noch getroffen.

»Das war knapp!«, das kleine Eichhörnchen atmete tief durch und sah das große Eichhörnchen dankbar an. »Das find ich auch, Knöpfchen!« Dabei streichelte das große Eichhörnchen das Kleine sanft mit der Pfote über das Köpfchen. Die kleine Fee landete zwischen den Brüdern. Sie sah erst das kleine und das große Eichhörnchen an. »Ihr zwei seid lustige Brüder!« Dabei kicherte sie und schubste erst das eine und dann das andere Eichhörnchen ein klein wenig zur Seite. »Und wer bist du?«, wollte das große Eichhörnchen wissen? »Alle sagen kleine Fee zu mir! Das könnt ihr auch sagen!« Verlegen fasste sich die kleine Fee dabei an ihr Näschen und fragte »Wisst ihr denn, in welche Richtung ich zum Elfenschloss komme?« Die beiden schüttelten heftig mit dem Kopf. Nein, das wussten sie leider auch nicht. »Aber ich weiß es!« Damit landete Oma-Fee genau neben der kleinen Fee und nahm sie sogleich in die Arme. »Ich habe dich schon überall gesucht!« Die kleine Fee war sehr froh, dass Oma-Fee sie gefunden hatte. Wie sonst hätte sie wieder nach Hause gefunden? »Für heute haben wir wirklich genug Feenstaub versteilt. Wir sollten uns auf den Heimweg machen. Denn es wird gleich dunkel werden«, schlug Oma-Fee vor. Die Nacht würde nicht mehr lange auf sich warten lassen, denn überall begannen sich die Blumenblüten zu schließen. »Und das nächste Mal«, sagte Oma-Fee neben der kleinen Fee fliegend, »bittest du einfach deinen Zauberstab, dir zu helfen! Er kennt den Weg nach Hause.« Daran hatte die kleine Fee überhaupt nicht mehr gedacht. Sie nickte und war sehr froh, heute doch wieder mit der Oma-Fee nach Hause fliegen zu dürfen. Von Weitem winkten sie noch einmal den beiden Eichhörnchen zu. »Auf Wiedersehen und gute Nacht!« Ob sie die beiden lustigen Brüder wohl wiedersehen würde?

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Gute-Nacht-Geschichte 3

Vom kleinen Regenwurm

Es war wieder einmal soweit: Große runde Regentropfen fielen vom grauen Himmel auf die Erde herab. Damit begann für die Regenwurmkinder wieder eine der schönsten Zeiten im Jahr.

Flink und voller Vorfreude schlüpften sie aus dem dunklen Erdreich und hinein in die frische Luft und das nasse Vergnügen, lachend und dabei allerlei Späße machend. Nur einer unter ihnen saß traurig am Rand, noch halb in seinem Erdloch versteckt: Ferdinand. Der kleine Regenwurm mochte die kalte Nässe nicht, die da vom Himmel kam. Er mochte es nicht, das Wasser an seinem Körper zu spüren und sich nicht davor verstecken zu können. Die anderen Regenwurm- kinder konnten das nicht verstehen und lachten ihn immer nur aus. Ferdinand spielte deswegen fast nie mit ihnen und fand kaum Freunde.

So saß er auch an diesem Nachmittag wieder alleine bei seinem Erdloch und schaute den anderen Regenwurmkindern zu, die ausgelassen mit den Regentropfen spielten. Während er so nachdenklich vor sich hinstarrte, entdeckte er in der Ferne einige Wesen, die langsam und beinahe elegant über den Boden schwebten. Bei sich auf dem Rücken trugen sie lustige runde Häuschen, die durch die Bewegungen sanft hin- und herschaukelten. Ferdinand wusste, dass es Schnecken sein müssten, denn er hatte seine Eltern schon oft von ihnen sprechen hören.

Da packte den kleinen Regenwurm auch schon die Neugierde und er machte sich trotz Regens auf den Weg zu den sonderbaren Geschöpfen. Schon von weitem rief er: »Hey, wer seid ihr? Wartet auf mich!«, doch die Schnecken hoben nur verwundert den Kopf, bevor sie langsam weiterkrochen. Inzwischen hatte Ferdinand sein Ziel erreicht und sprach die Gruppe erneut an: »Hallo! Ich bin Ferdinand! Wer seid ihr?« Nun hielten die Schnecken inne und fragten, nicht wenig verwundert: »Wir sind Schnick und Schnack, und das dort sind unsere Brüder, Schwestern, Töchter und Söhne. Was willst du, kleiner Regenwurm?« Ferdinand nahm all seinen Mut zusammen: »Ich möchte wissen, woher ihr diese Kugeln auf eurem Rücken habt! Könnt ihr mir nicht auch eine abgeben?« - »Diese Kugeln sind unsere Häuser und wir werden mit ihnen geboren. Wir können dir also leider nicht helfen!«, entgegnete da der weise Schneckenvater und kroch langsam weiter, bis die Familie nicht mehr zu sehen war.

Ferdinand blieb im Regen stehen und war wieder traurig. Doch so einfach wollte er nicht aufgeben. Flink kroch er ins nächste Dorf, überzeugt davon, bald auch eine Schnecke sein zu können, mit einem Haus, das ihn vor der lästigen Nässe endlich schützen würde. Da traf er auch schon auf einen Schmied und beeilte sich, diesen zu fragen: »Hallo! Ich bin Ferdinand, der kleine Regenwurm, und ich suche jemanden, der mir ein Haus macht, wie es die Schnecken haben. Kannst du mir helfen?« Verwundert sagte der Schmied daraufhin: »Ein Schneckenhaus? Nein, ich bin ein Schmied. Ich kann dir nur ein Hufeisen wie für Pferde schmieden!«

Traurig zog der kleine Regenwurm weiter, bis er zu einem Schneider kam: »Hallo, ich bin Ferdinand und suche jemanden, der mir ein Haus wie bei einer Schnecke macht. Kannst du mir helfen?« Auch der Schneider zog die Augen- brauen hoch und meinte: »Ein Schneckenhaus? Ich bin ein Schneider, ich kann dir nur eine Leine wie für einen Hund knüpfen!« Missmutig musste der kleine Regenwurm auch jetzt weiterziehen. Da traf er auf jemanden, der ein Sattler war, und brachte erneut seine ungewöhnliche Bitte hervor. Doch auch der Sattler wusste ihm nicht zu helfen und sagte nur: »Ein Schneckenhaus? Nein, ich bin ein Sattler, ich kann dir nur einen Sattel wie für einen Esel machen!« Der kleine Regenwurm war ganz traurig und wusste nicht mehr weiter. Der Regen prasselte auf seine Haut herab und es war, als wollten ihm die großen runden Tropfen sagen: »Das hast du nun davon! Du kannst nun mal keine Schnecke werden!« So saß er da und fühlte sich sehr allein.

Da hörte er plötzlich von fern die Stimmen seiner Eltern und der anderen Regenwurmkinder, die alle seinen Namen riefen. Schnell flitzte er in ihre Richtung zurück. Als sie ihn erblickten, waren alle froh und riefen erleichtert: »Ferdinand! Wo bist du gewesen? Komm doch zu uns, wir wollen nicht mehr böse zu dir sein!« Da war der kleine Regenwurm endlich wieder glücklich und hatte schon ganz vergessen, dass er eine Schnecke hatte werden wollen. Und so spielten Ferdi- nand und die anderen Regenwurmkinder an nassen Regennachmittagen nun immer zusammen Verstecken in den Gängen ihres warmen Erdreiches.

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Gute-Nacht-Geschichte 4

Das Betthupferl

Eine Geschichte von Katharina Wiese

Hundert weiße Schäfchen springen Dich in’s Schläfchen
Doch seh’ ich noch ein munteres Blinzeln über Dein Gesichtlein tänzeln
Ganz versunken in Gedanken, die sich um Eis und Zuckerwatte ranken,
Die Purzelbäume schlagen und durch den Garten jagen
Ohne Pause Streiche aushecken, Deine ganze Welt entdecken
Nun aber schließ’ die Augen zu, denn nur dann siehst Du
Wie das Betthupferl zu seinem Namen fand.

Hundert weiße Schäfchen und ein kleines Böckchen
Mit weichem Fell von schwarzen Löckchen
Hugo wurde es genannt, doch genauso gut bekannt
als Schlingel, Frechdachs, Tunichtgut und Bengel, sieht auch nicht eben aus wie ein Engel
Die kleinen Hörnchen kess nach vorn, flink das Lämmerschwänzchen, helle Ohr’ n,
Ein Kullerbauch und kurze Beinchen und klitzeklein sind seine schnellen Hufen
Kurzum- den Hugo muss man nicht lang rufen, kann er nur munter treiben Possen, Jux und Neckereien.

Von diesem Schaf gibt es Geschichten
Diese eine will ich Dir berichten:
In einer Nacht wie Samt und Seide, Sommerhimmel im schönsten Abendkleide
mit funkelnden Sternlein und Mondlicht bedeckt 
Da sammelte sich zwischen Himmel und Erde die wolleweiße Schäfchenherde auf der Wolke Nummer neun
Mit einer Weide saftig grün, wo Klee und Butterblumen blüh’ n
Drum herum ein Zäunchen, darinnen steht ein Pflaumenbäumchen gleich neben einem Bächlein
Darüber springen all die Schäflein, dich nach und nach in Deine Träume hinein

Nun wollte aber jedes Schaf in jener warmen Sommernacht
das erste vor den anderen sein,
mit einem sanften Springen den Kindern groß und klein den tiefsten Schlaf zu bringen   
Doch Ordnung muss auch hier oben sein, das sahen alle endlich ein und stellten sich brav hinten an
Bis auf Hugo, der es nicht lassen kann
Wie immer tanzte er aus der Reihe, ihn hielt kein Blöken, kein Geschreie
Er wollte auf den ersten Platz, auf den Pflaumenbaum mit einem Satz
von dort den andern vor die Nase.

Nun steht jedoch der Pflaumenbaum ganz nah dran an jenem Zaun
links hinten auf dem Wolkensaum
Mit zu viel Schwung sprang Hugo hinauf, weder Blatt noch Ast hielten ihn auf
Zwei Pflaumen auf den Hörnern, zwei hinter seinen Ohren
Schon hatte er den Wolkenboden unter sich verloren
Auf einem Blatt vom Pflaumenbaum segelte Hugo einem Kind in den Traum
Mit einer Landung federleicht auf dessen Kissen watteweich
Brachte er dem Kind ins Träumchen vier saftig sommersüße Pfläumchen.

So wurde Hugo flugs bekannt
Sein Name klang in Stadt und Land
Ein süßer Hüpfer auf dem Kissen heißt seither wie-
Du wirst’s nun wissen:
Seit Hugos Sprung mit den vier Pflaumen wird so etwas ein Betthupferl genannt
Wie Hugo nun von diesem Kissen zurück auf seine Wolke fand?
Darauf bist Du gewiss gespannt,
Doch das ist eine and’re Geschichte, von der ich Dir ein andermal berichte.

Hundert weiße Schäfchen und ein kleines Böckchen
Mit weichem Fell von schwarzen Löckchen
Sie alle hüpfen Dich ins Schläfchen
Hab eine gute Nacht voll schöner Träume
mit sanften und mit süßen
Und morgen früh da wirst Du wach
Von einem Kitzel- Kribbel- Krabbeln an Deinen kleinen Füßen
Dein Lachen, Deinen Forscherdrang, Deine unbekümmerten Schritte und alle Deine Eigenarten
Schon heute kann der neue Tag Dich gar nicht mehr erwarten.

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Gute-Nacht-Geschichte 5

Der Pfannkuchendieb

Eine Geschichte von Kristina Kipp

Es war Pfannkuchentag auf dem Piratenschiff, das auf dem weiten blauen Meer vor sich hin gondelte. Aufgeregt standen alle Piraten in einer großen Schlange vor der Kombüse von Willi, dem Küchenchef. Für jeden gab es genau einen Pfannkuchen. Willi passte immer wie ein Schießhund auf, dass sich niemand noch einen stibitzte. Auch Kai wartete mit knurrendem Magen darauf, dass Willi ihm einen Pfannkuchen gab. Doch als er endlich an die Reihe kam, warf ihm der Küchenpirat nur einen flüchtigen Blick zu und knurrte: »Du nicht, Kai. Pfannkuchen gibt's nur für Piraten. Und du bist kein Pirat. Du bist ein Klabautermann.«

Traurig schaute Kai den Piraten dabei zu, wie sie die Leckereien in sich hinein stopften. »So eine Ungerechtigkeit, « dachte er sich, »Klabautermänner sollten auch Pfannkuchen bekommen!« Und da er nun mal ein Klabautermann war, überlegte er sich sogleich einen schlauen Plan, wie er es den gemeinen Piraten heimzahlen könnte.

Er grinste vor sich hin als ihm eine Idee kam und rannte zum größten Mast des Schiffes, an dem er sich geschwind empor schwang. Bis zur höchsten Spitze kletterte er. Von dort oben sah das Schiff ganz klein aus und auch die Piraten wirkten gar nicht mehr so angsteinflößend. Kai räusperte sich und rief dann so laut er konnte und mit ganz tiefer, verstellter Stimme: »Aufgepasst, ihr Piraten. Hier spricht das siebenköpfige Ungeheuer, das die Meere beherrscht. Alle Seefahrer fürchten mich, und das zu Recht, denn ich bin sehr mächtig!«

Die Piraten hatten mittlerweile von ihren Pfannkuchen aufgeblickt und schauten sich verschreckt um, woher die unheimliche Stimme kam. »Ich verlange, dass ihr mir alle Pfannkuchen gebt! Wenn ihr das nicht tut, fresse ich euch alle auf!« dröhnte Kai und hängte noch ein schreckliches »Uaaaaaahhh!« dran. Dabei wedelte er so übermütig mit den Armen, dass er das Gleichgewicht verlor und von seinem sicheren Plätzchen hinunter fiel und – oh Schreck – dem Piratenkapitän direkt vor die Füße fiel. Der schaute Kai bitterböse an und schrie: »Du warst das also! Du Nichtsnutz, nicht mal richtig klabautern kannst du!«

Hochrot im Gesicht schlich sich der kleine Klabautermann davon und versteckte sich in einer umgefallenen alten Tonne im hinteren Teil des Schiffes. Die Tränen liefen ihm über das Gesicht und sein Näschen fing an zu triefen. »Die Piraten haben Recht,« schluchzte er, »Ich kann gar nichts.«

Auf einmal hörte er wildes Geschrei. Ängstlich lugte der kleine Klabautermann aus seinem Versteck hervor und erblickte die ganze Horde Piraten, wie sie erbost und mit drohenden Fäusten vor dem großen Mast standen und riefen: »Arrr, fangt das vermaledeite Vieh ein, fangt es ein!« Ganz oben auf dem Mast saß eine große Möwe mit dem Pfannkuchen-Rezept vom Küchenpiraten Willi im Schnabel. Oh je, das war's dann wohl mit den leckeren Pfannkuchen! Denn welcher der Piraten war schon schnell genug, die Möwe zu fangen?

Blitzschnell schlängelte sich Kai zwischen den Piraten durch und kletterte in Windeseile an dem großen Mast hoch. Die Möwe war so verdattert von Kais plötzlichem Auftauchen, dass sie gar nicht merkte wie der ihr das Rezept aus dem Schnabel riss. Auch die Piraten staunten nicht schlecht als der kleine Klabautermann wieder sicher mit dem Rezept unten ankam. »Du hast den Pfannkuchentag gerettet!« riefen sie, und: »Hoch lebe Kai, der Klabautermann!« Kai platzte fast vor stolz und dachte sich: »Eigentlich kann ich doch schon ganz schön viel!«. Zur Feier des Tages gab es noch eine Runde Pfannkuchen für alle und für Kai sogar einen ganzen Teller voller Pfannkuchen.

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Gute-Nacht-Geschichte 6

Die verzauberte Hecke

Eine Geschichte von Marie-Isabell Mitschke

Das durfte doch einfach nicht wahr sein! Schon den ganzen Morgen lang suchte Sophie ihre Puppe und konnte sie einfach nicht finden. Das ganze Haus hatte sie auf den Kopf gestellt und ihr Zimmer, den gesamten Dachboden und sogar die Wohnstube ihrer Eltern durchsucht, ohne auch nur eine Spur von ihrer sonst so sorgsam gehüteten Freundin zu entdecken. Dabei versprachen die ersten Sonnenstrahlen, die ihre Haut sanft kitzelten, einen besonders schönen Tag, den Sophie gerne mit ihrer kleinen Charlotte im Garten verbracht hätte.

Doch so sehr sich Sophie auch bemühte, so langsam dämmerte es ihr, dass aus dem netten Garten-Rendezvous mit ihrer Puppe heute nichts werden würde. Missmutig ließ sie sich auf die Stufen der Veranda sinken und blickte hinaus in den grünen, blühenden Garten, der mit seinen morgendlich glitzernden Wassertropfen auf der Wiese und den Büschen irgendwie ein bisschen zu idyllisch wirkte.

»Was soll‘s«, seufzte Sophie und machte sich nach ein paar Minuten schließlich alleine auf den Weg in das grüne Getümmel, das sich vor ihren Füßen ausbreitete. Vielleicht würde sie ja an ihrem Lieblingsplatz, einer kleinen, zwischen Hecken versteckten Nische am anderen Ende des Gartens, ihre gute Laune wiederfinden. So dauerte es nicht lange, bis sie es sich zwischen Zweigen und Blättern bequem gemacht hatte und mit großen Augen das Licht- und Schattenspiel der Baumkronen über sich beobachtete, während zahlreiche Vögel fröhlich zwitscherten und irgendwo eine Grille leise vor sich hin zirpte. Ein sachtes Krabbeln auf ihrer Hand zog ihren Blick schließlich auf einen kleinen Marienkäfer, der ihre Finger wohl als willkommene Abkürzung zu einem Zweig in der Hecke betrachtet hatte. Interessiert folgte Sophie dem drolligen Kerl mit seinen lustigen Punkten und hatte ihn schon bald aus den Augen verloren, als eine unverhoffte Entdeckung ihre Aufmerksamkeit auf sich zog.

Vor ihr, versteckt zwischen vielen kleinen Ästen und Blättern, lugte die kleine Charlotte hervor und schien sie mit ihren Puppenaugen munter anzublinzeln! Sophie traute ihren Augen kaum. Wie hatte es ihre Puppe nur bis hierher in den Garten und so tief in die dicht gewachsene Hecke geschafft? Erst gestern Abend noch hatten die beiden zusammen in Sophies Zimmer gespielt, bevor die Mama sie ins Bett geschickt hatte!
Sophie kam jedoch nicht dazu, weiter darüber nachzudenken, denn als sie sich tiefer in die Hecke zu ihrer Puppe beugte, ertönte ein leiser Knall und mit einem »Puff, Beng, Bumm« schien sich alles um das Mädchen herum zu drehen und in die Höhe zu schießen. Benommen schüttelte Sophie den Kopf und staunte nicht schlecht, als sie sich plötzlich unter riesigen Schirmpilzen und Astgewölben mit Blättern so groß wie Schiffssegel wiederfand. Die Grashalme kitzelten sie am Kinn, und als sie sich umblickte, entdeckte sie den Marienkäfer, der vorhin noch auf ihrem Finger gesessen hatte und nun, gleich einem Pferd, beinahe an ihr vorbeizugaloppieren schien. Auf seinem Rücken saß ein kleines Männchen, das immerzu hin- und herschaukelte und dabei in seinem übergroßen orange-gelben Flickenmantel einen amüsanten Eindruck machte.

Als es Sophie entdeckte, sprang es vom Rücken seines wundersamen Reisegefährts herunter, schnappte das Mädchen an der Hand und hatte seinen Weg schon fortgesetzt, noch bevor dieses überhaupt wusste, wie ihm geschah. Schon wandte es sich an Sophie, die alle Hände voll zu tun hatte, nicht von dem glatten Marienkäfer herunterzurutschen: »Erlaube mir, dass ich mich vorstelle: Ich bin der Wächter Kunibert und ich habe den Befehl, dich zum König zu bringen!« – »Zum König? Wen meinst du? Und warum bin ich überhaupt hier?«, entgegnete Sophie überrascht und wusste nicht, ob sie sich freuen oder fürchten sollte. – »Du kennst unseren König nicht? Darf ich vorstellen: Ihre Majestät König Kunibert der Erste und erlauchtester Gebieter über das Heckenreich!« Bei diesen Worten kramte das Männchen eine kleine schiefe Krone aus Geäst unter seinem Mantel hervor und setzte sie sich flink auf den Kopf. Sophie konnte sich bei diesem Anblick das Lachen nicht verkneifen und hörte kaum hin, als das Männchen fortfuhr: »Als Menschenkind musst du dem König gehorchen, seine Bediensteten respektieren und allen Einwohnern des Heckenreiches ihre Wünsche von den Lippen ablesen!«

Sophie starrte den gekrönten Kunibert mit großen Augen an. »Wenn du ein Wächter bist und gleichzeitig auch der König«, fragte sie, »wer sind dann die ganzen Mägde, Angestellten und Untertanen, von denen du sprichst?« – »Na kannst du sie denn nicht sehen? Sie sind hier und dort und überall!« Bei diesen Worten hüpfte Kunibert umher, unter Zweigen hindurch und über Blätter hinweg, präsentierte sich in immer neuen Posen und formte sich Kopftücher aus Grashalmen oder Regenschirme aus Pilzen. Sophie war so verwundert, dass ihr der Mund vor Staunen offenstand. Offenbar bestand das gesamte Heckenvolk nur aus diesem wundersamen kleinen Kerl, der jede seiner Rollen so sehr liebte, dass ihm vermutlich nicht mal aufgefallen war, wie allein er hier lebte.
»Worauf wartest du?«, rief das Männchen ihr zu und Sophie kam gar nicht dazu, über den Sinn seiner Frage nachzudenken. Schon hatte Kunibert sie wieder bei den Händen gegriffen und plapperte munter auf sie ein: »Die Untertanen haben in ihrem Reich ein riesiges Geschöpf entdeckt, wie ein Menschenkind, nur viel größer als du! Weil es dir gehört, möchten sie, dass du es ihnen gibst, damit die Kinder einen Gefährten zum Spielen haben. Du musst dir nur wünschen, dass es kleiner wird, dann können sie es auch schon an sich nehmen!«

Sophie spürte einen dicken Kloß im Hals, als sie daran dachte, ihre geliebte Charlotte einem anderen überlassen zu müssen: »Aber…« – »Vergiss nicht, ich bin der König und Menschenkinder müssen mir gehorchen!«, fiel ihr Kunibert ins Wort. »Ich zähle bis drei, dann schließt du die Augen und denkst an deinen Wunsch!« Voller Vorfreude auf seinen neuen Spielkameraden hüpfte Kunibert auf und ab, hielt jedoch inne, als er die Tränen in Sophies Augen entdeckte: »Warum weinst du?« Sophie seufzte und erklärte ihm schniefend, dass die Puppe ihre beste Freundin sei, die sie nie im Stich lassen könnte. Da ergriff den kleinen Mann das Mitleid, er zog zwei Taschentücher aus seinem Flickenmantel hervor und stimmte in Sophies Tränenfluss mit ein. »Aber ich bin doch auch alleine und wünsche mir nichts sehnlicher als einen Freund«, klagte Kunibert mit hängendem Kopf.
So saßen sie beide nebeneinander unter einem großen Schirmpilz und hingen ihren Gedanken nach. Die Nachmittagssonne stand schon hoch am Himmel, als Sophie plötzlich eine Idee hatte und begeistert meinte: »Hör zu, mein lieber Kunibert: Wir beide können doch Freunde sein! Ich kann dich jeden Tag besuchen und wenn du möchtest, bringe ich auch Charlotte mit. Du musst uns beide nur klein zaubern, dann können wir zusammen auf Entdeckungstour gehen!«

So kam es, dass Sophie und ihre Puppe den kleinen Mann jeden Tag in seiner Hecke besuchten und mit all den gemeinsamen Erlebnissen nicht nur eine neue Sichtweise auf die Welt in ihrem Garten, sondern auch einen engen und treuen Freund gewannen, mit dem sie viele schöne Erinnerungen teilten.

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Gute-Nacht-Geschichte 7

Die Farben der Welt

Eine Geschichte von Steffen Woywode

Ganz tief im Schlottermotter-Meer, wo die Dunkelheit sich in Finsternis hüllt, sollen angeblich die schaurigsten und absonderlichsten Kreaturen hausen, die noch nie das Licht der Welt erblickt haben.

Unter ihnen lebten auch die Glunkelfünkchen, die so gar nicht dem weitverbreiteten Monster-Klischee mit riesigen Glubschaugen, Klauen und Reißzähnen entsprachen. Ihr ganzer Körper war von einem inneren Licht-Farbspiel und einem ständigen Glitzern und Funkeln erfüllt. Auf dem Kopf hatten sie zwei Leuchtfühler und mehrere kleine flossenförmige Auswüchse, die ihnen das Aussehen von exotischen Blüten verliehen. Die Glunkelfünkchen besaßen magische Kräfte. Ihre Leuchtstrahlen durchbrachen die Finsternis und drangen bis hinauf zu den oberen Meeresschichten, wo sie sich in einem geheimnisvollen Farben- und Formenreichtum entfalteten. Das Schlottermotter-Meer war an manchen Tagen geradezu erfüllt von einem unterseeischen Feuerwerk. Hier und da durchbrachen vereinzelt vielfarbige Lichtströme die Meeresoberfläche und bildeten fantastische und flackernde Gestalten, die sich langsam in den luftigen Weiten auflösten.

Obwohl die kleinen leuchtenden Wesen ihr Reich in den dunklen Tiefen liebten, so waren sie doch zugleich neugierig, wie die obenliegende Welt des Lichts aussah. Schon oft hatten sie fantastische Geschichten von den vorbeiziehenden Fischschwärmen gehört und auch schon viele versunkene Schiffe und Schätze gefunden. Die Sehnsucht der Glunkelfünkchen wurde immer stärker und stärker. Eines Tages stand die erträumte Reise plötzlich und unerwartet vor ihrer Tür. In den dunklen Tiefen und Labyrinthen des Schlottermotter-Meeres tauchte ein riesiger Weiß-Zackenwal auf, der die Glunkelfünkchen um Hilfe bat.

Weiß-Zackenwale besitzen die einzigartige Fähigkeit, schwimmen und fliegen zu können. Der Wal war als Bote im Auftrag der Weissanier und Schwarziner unterwegs, deren tyrannische Herrscher vor langer Zeit mit Hilfe eines bösen Zaubers alle Farben aus ihrem Königreich verbannt hatten und seitdem nur mit Schwarz und Weiß vorliebnahmen. Mit den Farben hatten die Weissanier und die Schwarziner zugleich auch ihr Glück, ihre Liebe und ihre Fantasie verloren. Nach langen Jahren der Unterdrückung war das alte Herrscherhaus schließlich von den Untertanen gestürzt worden und die Farben sollten endlich wieder aus ihrer Verbannung befreit werden. Alle Beschwörungen und Versuche der Gelehrten und Zauberer waren jedoch bisher erfolglos geblieben. Unter den Weissaniern und Schwarzinern erzählte man sich jedoch seit langem Legenden von den magischen Glunkelfünkchen und viele Boten wurden ausgeschickt, um die sagenhaften Wesen zu suchen. Der Weiß-Zackenwal war bereits seit vielen Monaten unterwegs, bis er endlich am farbensprühenden Schlottermotter-Meer ankam.

Natürlich sicherten die Glunkelfünkchen den Weissaniern und Schwarzinern ihre Hilfe zu und geleiteten den Wal mit farbenfrohem Leuchten bis an die Grenze der dunklen Meerestiefen. Hier angekommen nahm der Wal sie nun in seinem großen Maul auf und schwamm mit ihnen weiter bis zur Oberfläche des Meeres. Zum ersten Mal im Leben erblickten die Glunkelfünkchen jetzt das Sonnenlicht und waren wie geblendet von der Helligkeit und Wärme der neuen Umgebung. Vereinzelte Wolkenschleier umspielten den azurblauen Himmel.

Der Weiß-Zackenwal reiste mit den kleinen schillernden Wesen kreuz und quer durch das große und endlos erscheinende Schlottermotter-Meer. Am Rand des Meeres angekommen erhob sich der Wal mit sanften Flossenschlägen in die Lüfte. Unter ihnen breiteten sich grüne Wälder, farbenprächtige Blumenwiesen, schillernde Flüsse und bunt gesprenkelte Dörfer und Städte aus.

Auf diese Weise gelangten sie schließlich zu den schwebenden Inseln der Weissanier und Schwarziner. Ein trostloses Bild offenbarte sich den Glunkelfünkchen, das völlig im Gegensatz zu den bisher gesehenen Farbwelten stand. Die schwebenden Inseln wirkten wie unberührte Leinwände oder leere Buchseiten, die mit nichts als Eintönigkeit und Farblosigkeit gefüllt waren. Über den gesamten Rand der höchsten Insel ergoss sich der tosende Finster-Wasserfall, der rein schwarzes Wasser führte, auf die darunterliegenden Inseln.

Als der Wal am Ufer des Pechschwarzen Meers nahe der Hauptstadt Weiss-Nicht-Heim landete, bildete sich sofort ein riesiger Volksauflauf um die Neuankömmlinge herum. Von sämtlichen Inseln und Stämmen waren Abgesandte eingetroffen. Alle sahen in den Glunkelfünkchen die langersehnten Retter aus ihrer entsetzlichen Leere, denn wie das Land waren auch seine Bewohner in glückloser, liebloser und fantasieloser Eintönigkeit gefangen.

Die Glunkelfünkchen machten sich, ohne lange zu überlegen, sofort ans Werk und erfüllten das unglückliche Land mit einer magischen Flut an Formen und Farben. Die weiß-schwarze Tristesse wurde mit einem Mal von kleinen und großen Rissen durchzogen. Glitzernde und schillernde Lichtströme durchzogen die Lüfte und bildeten eine wahre Symphonie an fantastischen und geheimnisvollen Bildern. Schließlich platzte die ganze Hülle des Landes auf und eine faszinierende und magische Vielfalt offenbarte sich den Inselbewohnern, die sie sich in ihren kühnsten Träumen nicht schöner hätten ausmalen können. Menschen und Tiere, Städte und Landschaften erstrahlten in den vielfältigsten Farbkompositionen. Es gab buntkarierte und gestreifte Häuser, gepunktete und geblümte Kleider, funkelnde Felle und Gefieder, rot und blau belaubte Bäume, smaragdgrüne Flüsse und Seen.

Die neue Welt war ein wahres Feuerwerk an Fantasie, Glück und Liebe, das sich in den Herzen ihrer Bewohner widerspiegelte. Alle Gefühle und Gedanken waren gleich dem Land von einem inneren und unbeschreiblichen Leuchten erfüllt.

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Gute-Nacht-Geschichte 8

Die Schlumpidus

Eine Geschichte von Steffen Woywode

Die Schlumpidus waren eine ganz außergewöhnliche Familie, wie es sie im endlos erscheinenden Universum kein zweites Mal gab.

In der kleinen Rasselbande vereinten sich fünf aufgeweckte und unbeschreibliche Wesen, die über und über aus einem kunterbunten Allerlei aus Stoffresten, Flicken und Knöpfen bestanden. Kariert und geblümt, gepunktet und gestreift, fransig und samten. Genauso einzigartig wie ihr Aussehen waren ihre Namen: Klimbim, Ratzfatz, Bimbam, Zickzack und Rumbum.

Die Heimat der Schlumpidus war der winzige Planet Flickonia, der sich aus einer Vielzahl unterschiedlichster Materialien und Geschöpfe zusammensetzte. Es gab friedliche Reißverschluss-Wölfe, kreuz und quer umherrollende Wollknäuel-Schafe, vielfarbige Holzknopf-Blumen, streusel-spuckende Katapult-Vulkane, lautstarke Knallhupen-Fische, sich beliebig stapelnde Bauklotz-Käfer, weitläufige Nadelkissen-Wiesen, gigantische Riesen-Filz-Gebirge, bunt schillernde Seifenblasen-Puste-Seen, wilde Hampelhüpf-Bären, sich beständig schüttelnde Rassel-Bäume und leuchtende Ballon-Vögel. Genauso ungewöhnlich wie ihr Planet war auch das Haus der Schlumpidus, das die Form eines riesigen Brumm-Kreisels aus bunt bedrucktem Blech besaß. Der Brumm-Kreisel war in einer ständigen und langsamen Bewegung, die von einer leisen und fröhlichen Melodie begleitet wurde.

Jedes Familienmitglied besaß ganz besondere und individuelle Eigenschaften. Klimbim war ein äußerst fürsorglicher und besonnener Zeitgenosse, Ratzfatz sprühte vor Witz und Naseweisheit, Bimbam ließ kein noch so verwegenes und wildes Abenteuer aus, Zickzack quoll über vor ausgeflippten und chaotischen Ideen und Rumbum liebte das Verträumte und Einfühlsame. Alle zusammen ergaben sie ein kunterbuntes und sich ergänzendes Allerlei aus Fantasie und Spaß.

Die meiste Zeit über tobten die Fünf beim Fangenspielen im vielklingenden Rassel-Bäume-Wald, beim Reiten auf den wilden Wollknäuel-Schafen, beim Planschen im farbenprächtigen Seifenblasen-Puste-See, bei der aufregenden Streuseljagd an den Katapult-Vulkanen und beim Versteckspielen in den Labyrinthen des Riesen-Filz-Gebirges aus. Zudem waren die fünf Schlumpidus auch sehr musikalisch veranlagt und spielten liebend gern auf dem Zikkophon, der Klavonika, einem Grammombel, der Ompolele und der Fluxunette.

Eines Tages beschlossen die Schlumpidus auf große Tournee quer durchs Universum zu gehen. Mit ihrem Brumm-Kreisel-Haus, das zugleich ein Raumschiff war, machten sie sich auf den Weg zu fernen und unbekannten Welten.

Während ihrer Reise trafen sie unzählige exotische Wesen, die sie freundlich auf ihren Heimatplaneten willkommen hießen. Da waren die Vielzuviels, die wilden Radau und Trubel verabscheuten und lieber alles gemütlich angingen. Auf ihrem Planeten schien die Zeit wie dickflüssiger Sirup bedächtig dahinzugleiten. Überall waren riesige umherschlendernde Sessel zu sehen, auf denen Vielzuviels gemütlich herumlümmelten. Andere Bewohner machten ausgiebige Puzzlespiele, kullerten langsam in der Gegend herum oder pflegten liebevoll ihre Blumengärten. Ansonsten war ihnen einfach alles viel zu viel.

Ganz im Gegensatz dazu wirkten die Schwatzianer, die ständig am Erzählen und Ausschauhalten nach neuen Geschichten waren. Der ganze Planet war von einem beständigen Raunen und Flüstern erfüllt, das wie sanftes Meeresrauschen klang. Über alles und jeden wussten die Schwatzianer etwas zu erzählen. Genauso geschwätzig waren auch die Tiere und Pflanzen des Planeten: angefangen von Gemunkel-Hasen, Blabla-Katzen und Plauder-Ziegen bis hin zu Tratsch-Bäumen, Schnack-Blumen und Laber-Sträuchern. Alle Bewohner besaßen ihre ganz eigene Erzählweise und Sprache.

Dieser Geschäftigkeit in nichts nach standen die Nimmernieschläfer, die niemals müde wurden und kreuz und quer umherwuselten. Immerzu hatten sie irgendwas, irgendwo und irgendwann zu tun. Die Besonderheit der Nimmernieschläfer bildeten ihre zwei Köpfe, die häufig miteinander stritten, welche Aufgaben als nächstes zu erledigen waren. Jeder Kopf hatte natürlich seinen eigenen Dickschädel und wollte den eigenen Interessen nachgehen. Auf diese Weise hielten sich die Nimmernieschläfer nie lange mit einer Sache auf und waren stets auf dem Sprung zu neuen Taten.

Auf jedem Planeten gaben die Schlumpidus den Bewohnern ein unvergessliches Konzert, das die Zuhörer mit den mitreißenden Klängen der einzigartigen „Schlumpidu-Blues“-Stücke begeisterte. Natürlich wurden daneben auch viele neue Freundschaften geknüpft und fantastische Erlebnisse ausgetauscht. Die Schlumpidus hatten das Universum sozusagen im kunterbunten Sturm erobert.

Auf diese Weise erlebte die fünfköpfige Rasselbande während der Tournee viele außergewöhnliche und verrückte Geschichten, die sich wie sie selbst manchmal besonnen, manchmal witzig, manchmal wild, manchmal chaotisch und manchmal verträumt gestalteten. Eine vielfältige Mischung, die ihr Leben zu einem wundervollen und magischen Abenteuer werden ließ…

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Gute-Nacht-Geschichte 9

Eine Geschichte vom Fliegen

Eine Geschichte von Harald Schleuter

Es war Herbst geworden. Längst waren die Schwalben gen Süden gezogen, die Nächte begannen kühl zu werden, und der Wind wehte manchmal schon rau.

Unter dem Blätterdach einer Eiche saß0en zwei Raupen und blinzelten in die tiefstehende Sonne. »Wir müssen uns bald verwandeln«, sagte die eine. »Ja«, antwortete die andere. »Weißt du schon, wie du einmal aussehen wirst?«, fuhr sie fort, wobei sie langsam zu einem Regentropfen kroch, der rund wie eine kleine Kugel auf einem der vielen Blätter der Eiche lag. Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne brachen sich in ihm, so dass er in allen Farben funkelte, als die Raupe bei ihm angelangt war. »Ich werde bestimmt etwas Schönes«, wisperte sie, schloss ihre kleinen Knopfaugen, sah noch einmal ihr buntschillerndes, vom Wassertropfen verzerrtes Spiegelbild und versank danach, wie ihre Raupenschwester, in einen langen und tiefen Schlaf.

Von geheimen Kräften geschoben, begann sich ihr Inneres und Äußeres umzuformen. Unter fester, doch biegsamer Hülle, wuchsen hauchzarte Flügel, spinnwebfeine Fühler und Beine. Und während sie nicht davon spürte, wachte die Natur, dass auch in diesem Wunder alles den richtigen Platz einnahm. Als die Frühlingssonne die große Eiche erwärmte, begannen sich die Schmetterlinge zu bewegen. Leise, wie aus der Ferne, drang ein Stimmchen zu unserem Schmetterling. »Es ist Zeit, Bruder; wir müssen hinaus!« »Woher weißt du, dass wir schon vollkommen sind?«, fragte unser Freund besorgt.
»Ich spüre einfach, dass ich hinausmuss«, erwiderte der erste und begann, sich aus der Puppenhülle zu befreien. »Die Sonne scheint. Komm mit«, fügte er nach einer Weile hinzu. Leises Knistern und Rascheln verriet, dass er aus seiner alten Behausung schlüpfte.

»Es ist hell, ganz ungeheuer hell«, drängte jetzt das Stimmchen. »Und ich habe Flügel, wunderschöne Flügel mit blauen und roten Punkten! Ich bin ein Pfauenauge! Komm! In die Sonne!« Leises Rascheln zaghaften Flatterns drang an das Ohr unseres Schmetterlings und ein ganz leises Jauchzen, das er aber für Einbildung hielt, denn erklären konnte er sich das nicht. Ich warte lieber noch, dachte unser Freund. Wer weiß, wie das Leben da draußen ist. Vielleicht bin ich noch gar nicht fertig mit allem, vielleicht ist heute der falsche Tag. Ein bisschen und nur aus Neugier, drückte er gegen die Hülle, ganz sacht, aber als er ein helles Knistern vernahm, zog er sich erschrocken zurück, gab acht, der dünnen zerbrechlichen Wand, die ihn vom neuen Leben trennte, nicht zu nahe zu kommen.

So saß er, eingeklemmt von Vorsicht und Angst und wartete auf die Rückkunft des Mutigen. Der aber genoss den Tag, taumelte von Blüte zu Blüte, nippte hie und schlürfte da und vergaß in all der Freude den einstigen Gefährten. Erst am darauffolgenden Tag brachte ihn der Abendwind zur alten Eiche zurück. Halb belustigt, halb besorgt und erstaunt, blickte er auf die unscheinbar graue Hülle, in der sein Freund noch immer eingeschlossen war.  »He«, rief er übermütig, wobei er mit einen seiner Beinchen gegen das kleine Gehäuse trommelte. »Steckst du etwa immer noch da drin?«

»Bist du endlich da«, antwortete unser Puppenschmetterling. »Warum hast du so lange nichts von dir hören lassen?« Deutlich schwangen Unmut und Vorwurf in seiner Frage. »Weil es hier draußen so aufregend schön ist«, antwortete der frohe Schmetterling. »Weil der Wind weht, weil es Nektar und ganz viele Freunde gibt und vielleicht auch, weil ich fliegen kann und mich verliebt habe.«

»Was heißt verliebt?«, fragte der Eingeschlossene. »Und was ist mit dem Wind? Ist das nicht etwas gefährlich für unsere Flügel?« »Der Wind ist schön«, antwortete der erste,» nur wenn er zu stark bläst, weht er dich fort, und dann musst du dich anstrengen, um anzukommen, wo du ankommen wolltest.« »Also ist es da draußen aufregend, anstrengend und sehr windig«, fasste der Puppenschmetterling den Bericht zusammen. »Du stellst zu viele Fragen; herauskommen musst du wie alle Schmetterlinge, die es je auf dieser Erde gegeben hat, herauskommen mussten.
Eine Weile schwiegen die beide. »Morgen«, sagte der Puppenschmetterling. »Morgen » Doch dann fügte er gleich ein »Vielleicht« an, weil er Angst vor seinem eigenen Mut bekommen hatte.

Als das Pfauenauge nun sah, dass all sein Zureden umsonst war, flog es traurig davon. Ich kann ihn doch jetzt nicht im Stich lassen, dachte es. Wenn er es jetzt nicht schafft, schafft er es vielleicht nie. Es war noch nicht weit geflogen, als es auf einer Enzianblüte einen zitronengelben Falter sitzen sah. »He, Zitrone«, rief das Pfauenauge. »Hilfst du mir, meinen Freund aus der Puppenhülle zu befreien?« »Wieso denn?« fragte der Falter überrascht und erstaunt. »Er schafft es nicht allein. Vielleicht hat er auch ein bisschen Angst vor der Welt, ich weiß es nicht.«

Eine Etage unter der blauen Enzianblüte saß eine Hummel auf einem breiten Blatt und sonnte sich. »Wer hat denn Angst vor der Welt, brummte sie. »Das gibt es doch gar nicht!« »Doch, doch«, wisperte das Pfauenauge, wobei seine langen Fühler vor Aufregung zitterten und sein Stimmchen sich fast überschlug. »Doch, doch«, wiederholte es, wollte noch mehr erklären, aber da brummte die dicke Hummel schon: »Ach was, flieg voraus und zeige mir, wo er sitzt.« Ihre durchsichtigen Silberflügel surrten, für einen Moment schien sie still in der Luft zu stehen, dann aber schoss die mit einem Ruck in die Höhe.

»Ich komme mit«, rief der zitronengelbe Falter. »Ich auch, ich auch«, sagte eine große, grüne Heuschrecke, die ganz in der Nähe auf einem Grashalm zirpend alles mit angehört hatte. So machten sich der Schmetterling, der Zitronenfalter, die Hummel und die große, grüne Heuschrecke auf den Weg. Als sie über den Teich flogen, gesellten sich zu ihnen zwei blaue, schlanke Libellen, die mit ihren vier in der Sonne gläsern schimmernden Flügeln den anderen immer ein Stück voraus waren und deshalb oft anhalten und warten mussten, um sie nicht aus den Augen zu verlieren. Über einer Wiese stießen ein Kohlweißling, ein Marienkäferchen und ein Maikäfer dazu, und schließlich, als sie an der alten Eiche angekommen waren, hatte sich eine große Schar Schmetterlinge, Falter und Bienen, Heuschrecken und Käfer mit ihnen vereinigt.

»Hier«, sagte das Pfauenauge und wies mit seinen Fühlern auf die graue Hülle am Ast der Eiche. »Da drin steckt er.« Sofort versuchten die Hummel und die große Heuschrecke, mit ihren kräftigen Kiefern und Beinen die Behausung des Ängstlichen zu zerbrechen. »Haltet ein! So geht es nicht«, rief das Marienkäferchen, und musste sich ordentlich anstrengen, um sich Gehör zu verschaffen. »Wir haben uns doch alle aus unseren Larven- und Puppenhüllen allein befreit. Wir können ihm raten, aber herauskommen muss er aus eigener Kraft.« Da hielten Hummel und Heuschrecke inne und berieten sich mit den anderen. »Recht hat das Marienkäferchen«, sagten die meisten. »Tun muss er es selbst!«

»Anstrengen musst du dich«, riefen die Libellen, die Bienen und alle an der alten Eiche versammelten. »Richtig anstrengen, dann schaffst du es! Bestimmt!« Das sagte nun jeder auf seine besondere Weise: die Hummel brummt, die Bienen summten, die Heuschrecken und Grillen zirpten, die Libellen, Schmetterlinge und Käfer wisperten. Jede einzelne Stimme war leise, aber im Chor vereint, klangen sie so laut, dass die durch die verkrustete Behausung des eingeschlossenen Schmetterlings drangen und ihn wachrüttelten.

Wenn es so viele geschafft haben, dachte er, dann muss ich es auch versuchen. Und während draußen seine Freunde riefen, presste er seinen Körper gegen die alte Hülle. Ohne zu fragen, ob die Sonne scheine oder der Wind wehe, stemmte er sich mit aller Kraft – bis er das Knistern wieder hörte und schließlich ein lautes Krachen.

Da wichen plötzlich Enge und Dunkelheit, tauchte er in die Helligkeit des Tages, umströmte ihn die Wärme der Sonne und der Jubel seiner Freunde. So saß er eine Weile wie geblendet und betäubt auf dem Ast der alten Eiche. Dann aber öffnete er die Augen, sah seine filigranen Fühler und Beine, seine prächtigen Flügel, sah die Bäume und Blätter und die blühende Wiese tief unter sich. »Oh, ist das schön hier«, flüsterte er und war auf einmal so glücklich wie nie zuvor. Freudig und aufgeregt gratulierten ihm alle, die gekommen waren. »Ich danke euch«, rief er noch ganz benommen. »Wie kann ich euch nur danken?!«, und Freudentränen tropften aus seinen Augen. »Lasst uns davon erzählen«, schlug das Marienkäferchen vor, und alle stimmten ihm zu.

Lachend und jubilierend flog die bunte Schar davon. Höher und immer höher segelten sie vom leisen Wind getragen über das Grün der Wiesen dem Blau des Himmels entgegen.
Ja, ich muss es allen sagen, dachte unser Schmetterling. Alle die zaghaft und ängstlich sind sollen wissen, wie gelb der Löwenzahn und wie rot die Tulpen blühen und wie schön es ist, zu leben und gemeinsam zu fliegen.

Und so erfuhren es bald die Tiere des Waldes und der Wiese, die Vögel unter dem Himmel und die Frösche im Teich, wie es dem ängstlichen Schmetterling gelungen war, sich zu befreien und mit den Freunden glücklich zu sein.

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Gute-Nacht-Geschichte 10

Schiff ahoi!

Eine Geschichte von Ingrid Annel

»Auspacken können wir später«, rufen Anja und Paul wie aus einem Mund. Viele Stunden hat die Fahrt in den Urlaub gedauert, jetzt wollen sie sofort an den Strand, die Ostsee begrüßen.

Als sie oben auf der Düne stehen, öffnet sich vor ihnen die Weite des Meeres und des Himmels. Der ganze Strand ist voller Menschen. Überall hocken Kinder am Ufer, um Sandburgen zu bauen.
»Da hinten ist noch ein freier Platz«, zeigt Paul am Ufer entlang. Unterwegs bewundern sie die fertigen Burgen: einfache Kleckerburgen, aber auch richtige Schlösser und Paläste, mit Zinnen und Türmen.
»Und wie soll unsere Burg aussehen?«, fragt Anja.
»Wir bauen keine Burg, sondern einen großen Dom.«
»Ob wir das schaffen?«, zweifelt Anja.
»Dann eben eine kleine Kirche«, lacht Paul.

Schon schaufeln und buddeln sie drauflos, schichten Sand auf für das Kirchengebäude. Vorne bauen sie einen Glockenturm an, die Seiten stützen sie mit Säulen ab. Vorsichtig graben sie schmale Fenster in den feuchten Sand. Und eine Tür mit spitzem Bogen.
»Das ist eine echte Sandsteinkirche«, freut sich Paul. Aber Anja ist noch nicht zufrieden. »Sie müsste noch farbige Fenster bekommen«, meint sie.
Die beiden suchen nach Muscheln und kleinen Steinen. Anja findet einen Bernstein, der im Sonnenlicht zu leuchten beginnt. »Der passt gut in ein Fenster«, jubelt sie.

Am Abend, als alle Badegäste längst zu Hause sind, bestaunen die Strandmöwen all das, was im Laufe des Tages gebaut wurde. Sie hüpfen von Burg zu Burg und kreischen vor Begeisterung, wenn sie ein besonders großes und schönes Bauwerk finden. Da entdecken sie die kleine Kirche.
»Eine Kirche? Die hatten wir noch nie!«, schreien sie laut durcheinander. Bis die älteste der Möwen gebietet: »Jetzt haltet doch mal euren Schnabel!« Schlagartig sind alle Möwen still. Und da hören sie etwas: Glockengeläut.

Verwundert schauen sie auf die Sandkirche und rücken näher heran, um es deutlicher zu hören. Tatsächlich, Glockenläuten! Unglaublich, das müssen sie gleich aller Welt verkünden: Die kleinste Kirche der Welt, und so ein schöner Glockenklang! Auf und davon fliegen die Möwen, in den abendlichen Himmel.
Leiser und leiser werden die Glocken, die vom Dorf herüber klingen. Da treffen ganze Schwärme von Marienkäfern am Strand ein. Sie schauen zu, wie der Wind die Wellen immer weiter den Strand hinauf treibt. Eine Burg nach der anderen versinkt im Meer. Schon greift das Wasser nach der kleinen Kirche. Doch da hebt eine Welle mit einem Ruck das ganze Bauwerk in die Höhe und trägt es aufs Meer hinaus.

Die Marienkäfer, die oben auf dem Kirchendach sitzen, staunen. Bis der schlaueste Käfer meint: »Ich habe ja schon gehört, dass große Kirchen aus mehreren Kirchenschiffen bestehen. Warum das so heißt, weiß ich nicht. Aber das hier, das ist ein richtiges Kirchenschiff. Mit dem wollen wir in die Welt segeln.« »Ja, auf in die weite Welt! Schiff ahoi!«, rufen die anderen Käfer. Und lassen sich von ihrem Schifflein aufs Meer hinaus tragen. 

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Gute-Nacht-Geschichte 11

Die Sprichwort-Hexe Maja

Eine Geschichte von Kerstin Noack

In einem kleinen Wald am Rande des Hexenberges lebt die Sprichwort-Hexe Maja. Warum man sie so nennt? Das werdet ihr erfahren!

Nach einem langen Tag im Hexenwald, wenn sich Kater Nunzius auf sein flauschiges Kissenbett vor dem Kamin kuschelt, ist für die kleine Hexe Maja die Nacht noch längst nicht angebrochen. Bevor Maja abends zu Bette geht, fegt sie noch einmal wie ein Wirbelwind durch die Stube. Wenn Kater Nunzius und Eule Rufus sie verdutzt ansehen, sagt Maja stets nur »Ordnung ist das halbe Leben!« Erst dann heißt es für die kleine Hexe: Schlafenszeit!

Auch früh am Morgen hört man schon Radau aus dem Wald am Rande des Hexenberges dröhnen. Noch bevor der erste Sonnenstrahl die kleine Hexenhütte erreicht hat, ist Maja auf den Beinen. Getreu dem Motto: „Morgenstund´ hat Gold im Mund“ werkelt sie in der Küche und klappert mit Töpfen, Pfannen und Tassen. Zum Frühstück zaubert sie für sich und ihre tierischen Freunde stets die tollsten Leckereien wie dicke, runde Pfannkuchen mit Ahornsirup und warmen Kakao.

Nach dem Frühstück erwartet Maja heute Besuch von ihrer Tante Gundula, die sich aber erst zur Mittagsstunde blicken lässt. Abgehetzt kommt sie durch den Wald geflogen. Maja stört das nicht. »Besser spät als nie!«, kichert sie und schnappt sich ihren Besen. An diesem Tag ist Hexenflohmarkt auf dem Hexenberg. Kater Nunzius will die beiden begleiten, doch Maja ermahnt ihn: »Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch!« und fliegt geschwind davon.

Tante Gundula kommt kaum hinterher. »Den Letzten beißen die Hunde!« hört sie die kleine Hexe noch rufen. Doch Maja ist zu schnell unterwegs. Als Tante Gundula sie endlich einholt, sieht sie die kleine Hexe kopfüber am Ast eines Baumes hängen und kann sich vor Lachen kaum halten. »Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen!«, schimpft Maja über die Schadenfreude ihrer Tante.

Vom Baum geholt und endlich auf dem Flohmarkt des Hexenberges angekommen, flanieren die zwei Hexen durch die gefüllten Stände mit Zaubertränken, Hexenkesseln, schwarzen Umhängen, Hüten und herrlichen Gaumenfreuden. Plötzlich wird es finster auf dem Hexenflohmarkt, denn am Himmel brauen sich dicke Gewitterwolken zusammen und schon bald fängt es an, in Strömen zu regnen. Maja versucht, ihre bereits durchnässte Tante zu beschwichtigen. »Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung!«, spricht sie und zaubert gleich zwei knallrote Regenmäntel herbei, mit denen die zwei wieder geschwind in das schützende Dickicht des Hexenwaldes flüchten.

Als Maja und Tante Gundula am Abend wieder in dem Häuschen im Hexenwald ankommen, streiten sich Kater Nunzius und Eule Rufus gerade um eine große Schachtel Schokoladenkekse. Geschwind geht Maja dazwischen und schnappt sich die begehrten Leckereien. »Wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte«, flüstert sie Tante Gundula mit einem Augenzwinkern zu und bereitet einen fruchtigen Tee für die Zeit, bis das Gewitter endlich nachlassen würde. »Abwarten und Tee trinken! Das hat schon meine Großmutter immer gesagt«, erzählt Maja. Als Blitz und Donner dann endlich vorbeigezogen zu sein scheinen, traut sich der ängstliche Kater Nunzius unter dem Sofa hervor. Doch ein letzter großer Donnerknall fährt durch den tiefen Hexenwald und das Katerchen flüchtet mit einem Sprung wieder in sein Versteck.

Maja blickt mit einem Lächeln in den Spalt unter dem Sofa und spricht ermutigend: »Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!«, holt den zitternden Freund unter dem Sofa hervor und kuschelt sich mit ihm vor den Kamin, wo sie und Tante Gundula ihm solange die spitzen, flauschigen Ohren kraulen, bis er ganz sanft eingeschlafen ist.

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Gute-Nacht-Geschichte 12

Hotzenpock und Rumpedumm

Eine Geschichte von Antje Frenzel

In einem Wald, der so groß war, dass kein Mensch hindurchlaufen konnte, lebten zwei Freunde, die unterschiedlicher nicht sein konnten.

Der eine war ein Zwerg, ganz winzig, von vielen wurde er oft übersehen, und der andere ein Riese, zumindest für die Zwerge. Der kleine hieß Rumpedumm und sein großer Freund war Hotzenpock. Sie kannten sich schon, seit sie in der Schule nebeneinander saßen, und waren wirklich die allerbesten Freunde. An einem nassen, trüben Tag ging Rumpedumm zu seinem Freund Hotzenpock, weil er mit ihm Pilze sammeln wollte. Rumpedumm liebte Pilze – in Soßen, in Eierkuchen oder mit Nudeln. Es gab nichts, was er nicht schon mit ihnen versucht hatte. Hotzenpock mochte Pilze auch sehr gern, aber noch viel lieber mochte er Holunderbeeren, weil sie die Zunge so schön blau machten – und außerdem kam er an die viel besser ran als an die Pilze unten am Boden.

Nachdem sich die Freunde bei einem leckeren Frühstück gestärkt hatten, brachen sie also auf in den feuchten, kalten Wald – es war genau das richtige Wetter für Pilze und Beeren. Rumpedumm hatte eine schicke, wasserdichte Jacke an, damit er nicht nass wurde und zu frieren begann. Sein Freund der Riese meinte, er bräuchte sowas nicht. »Ich bin so groß, mir wird schon nicht kalt«, sagte er. Rumpedumm sagte ihm, dass das keine gute Idee wäre, aber Hotzenpock wollte einfach nicht auf ihn hören.

Nach einer Weile hatten der Zwerg und der Riese ihre Körbe gut gefüllt und machten sich auf den Heimweg. Hotzenpock hatte schon ganz nasse Füße und freute sich, diese am knisternden Feuer wieder aufzuwärmen. Als sie ankamen, begann sein kleiner Freund die Pilze und Beeren zu putzen und zu kochen. Auf einmal hörte er ein lautes Poltern und rannte ganz aufgeregt in die Stube, wo der Riese Hotzenpock über den Boden rollte. »Was ist denn hier passiert?«, fragte Rumpedumm erstaunt und auch ein bisschen verängstigt. »Ich musste ganz doll niesen  und dann bin ich plumps vom Stuhl gefallen«, antwortet Hotzenpock ein wenig beschämt. »Außerdem kratzt es ganz schlimm in meinem Hals, was das bloß ist?«, wunderte sich der Riese, bevor er sich auf sein großes, grünes Plüschsofa hievte.

Rumpedumm wusste sofort Bescheid. Sein Freund hatte sich eine Erkältung eingefangen und das nur, weil er nicht auf ihn hören wollte. »Du nimmst jetzt erst einmal ein heißes Bad in der Wanne. Das bekommen wir schon wieder hin«, rief der Zwerg, als er in die Küche ging. Hotzenpock machte sich sofort ins Bad, denn er hatte ja heute Morgen auch nicht gehört und was hatte er davon – eine Rotznase. Der Zwerg machte sich am Ofen sofort ans Werk. »Nur gut, dass wir heute so viele Holunderbeeren gefunden haben, daraus werde ich einen schönen Saft machen, der wird den Hotzenpock schon wieder auf die Beine bringen. Und dann mach ich ihm noch eine leckere Suppe aus Pilzen, die gibt ihm noch mehr Kraft.«

Nachdem Hotzenpock eingepackt in Decken auf dem Sofa Platz genommen hatte, machten es sich die beiden Waldmenschen bequem und ließen sich das leckere und gesunde Essen so richtig schmecken. Rumpedumm schickte seinen Freund aber früh ins Bett, damit er sich gesund schlafen konnte. Er selbst legte sich dann aufs Sofa, weil er seinen alten Freund in diesem Zustand nicht allein lassen wollte.

Am nächsten Morgen schien die Sonne durch das Fenster in Hotzenpocks Baumhöhle und weckte die beiden. Dem Riesen ging es zum Glück schon vieeel besser und er bereitete für sich und Rumpedumm das Frühstück zu, um sich bei seinem Kumpel zu bedanken, machte er für ihn ein Pilzomelett.

Drei Wochen später waren die beiden wieder zum Pilze suchen und Beerensammeln verabredet. Auch dieses Mal hatten sie mit dem Wetter kein Glück, aber das war nicht schlimm, denn Hotzenpock hatte sich schicke rote Gummistiefel und eine tolle blaue Regenjacke gekauft und war nun gegen Wind und Wetter geschützt.

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Gute-Nacht-Geschichte 13

Frieda Faulpelz

Eine Geschichte von Helga Licher

Frieda Faulpelz lebte in einem kleinen Haus am Rande der Stadt. Sie verbrachte den Tag meistens im Bett, denn Frieda war immer müde und hatte keine Lust aufzustehen.

Eines Morgens, Frieda lag gerade friedlich schlummernd in ihren Kissen, klingelte es laut an der Haustür. Erschrocken sprang Frau Faulpelz aus ihrem Bett und schlich leise zum Fenster. Vorsichtig spähte sie durch die Vorhänge und sah einen Mann in einer Uniform vor der Haustür stehen.
»Hallo Frieda Faulpelz, machen Sie bitte die Tür auf, ich habe Post für Sie!«

Frieda überlegte, wer sollte ihr wohl schreiben? Misstrauisch öffnete sie die Tür einen Spalt und sah den Postboten fragend an. »Ist der Brief wirklich für mich?«

Der Postbote nickte nur und reichte ihr einen blauen Umschlag, der mit einer bunten Briefmarke beklebt war.
Frieda schloss die Haustür schnell wieder und setzte sich auf das Bett, um den Brief zu lesen.
»Liebe Frieda«, stand da geschrieben, »ich komme dich heute besuchen. Viele Grüße deine Tante Gundel.«
Frieda war sprachlos, sie konnte sich kaum an Tante Gundel erinnern. In den letzten Jahren hatte sie nie Besuch bekommen. Ratlos sah sie sich im Zimmer um. Überall stand schmutziges Geschirr und die Fenster mussten auch dringend geputzt werden.

Auf den Schränken lag eine dicke Staubschicht und auf den Fensterbänken standen vertrocknete Blumen. So konnte Frieda keinen Besuch empfangen. Schnell stand sie auf, band sich eine bunte Schürze um und räumte zuerst das Schlafzimmer auf. Sie zog bunte Bezüge auf die Kissen und legte ihre Strümpfe in den Kleiderschrank.
Dann wusch sie das Geschirr ab, putzte die Fensterscheiben und wischte den Fußboden blitzblank. Zum Schluss rührte sie noch den Teig für einen Schokoladenkuchen an. Frieda holte das beste Geschirr aus dem Schrank, legte eine bestickte Decke auf den Küchentisch und stellte frische Blumen in eine Vase.

Zufrieden setzte Frieda Faulpelz sich in den Sessel und sah sich stolz um. So gemütlich hatte es schon lange nicht mehr in ihrem Haus ausgesehen. Gerade als sie den Kuchen aus dem Backofen holen wollte, hörte sie Tante Gundels laute Stimme: »Hallo Frieda, öffne die Tür, ich bin da!«

Frieda lief zur Haustür und wurde stürmisch von ihrer Tante begrüßt.
Sie tranken Kaffee, aßen von dem köstlichen Kuchen und hatten sich sehr viel zu erzählen. Es wurde ein wunderschöner Nachmittag und Frieda versprach Tante Gundel demnächst auch zu besuchen.

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Gute-Nacht-Geschichte 14

Die Prinzessin ohne Namen

Eine Geschichte von Helga Licher

Im Königreich „Hinter den Bergen“ lebte ein Königspaar mit seinen drei Söhnen Kurt, Flori und Tobi. Da der König sich schon lange eine Tochter wünschte, war die Freude riesengroß, als eines Tages endlich eine kleine Prinzessin geboren wurde.

Der König und die Königin riefen den Hofstaat zusammen, um zu beraten, wie das kleine Mädchen heißen soll.
»Wir nennen sie Isolde«, sagte der König und strich seinem Töchterchen über die blonden Locken. Die Königin schüttelte energisch den Kopf.
»Nein, sie soll Mechthilde heißen wie meine Mutter.«
Doch dieser Name gefiel den Hofdamen der Königin gar nicht. Die Eltern der Prinzessin grübelten die ganze Nacht, doch sie konnten sich auf keinen Namen einigen.
Und so kam es, dass das Mädchen von allen nur „Prinzessin“ gerufen wurde.
»Prinzessin, komm, wir spielen...«, rief Kurt und lief mit seinem Ball in den Garten. Flori hatte Mitleid mit seiner Schwester und schenkte ihr ein Herz aus Schokolade.
»Sei nicht traurig Prinzessin, wir mögen dich auch ohne Namen.«
Traurig wandte die Kleine sich ab, setzte sich auf eine Bank und sah ihren Brüdern beim Spielen zu.

»Ach, wie gerne hätte ich einen schönen Namen. Jeder Schlossbewohner hat einen Namen. Der Koch heißt Benno und der Diener wird Gustav gerufen. Nur ich werde Prinzessin genannt.« Das Mädchen begann bitterlich zu weinen.

Plötzlich raschelte es im Laub und ein vorwitziger Hase streckte schnuppernd sein Näschen in den Wind. Verwundert schaute er auf die weinende Prinzessin und hoppelte näher zur Bank. Eine weinende Prinzessin hatte er in diesem Schlosspark noch nie gesehen.
»Warum bist du so traurig?«, fragte der Hase neugierig.
Die Prinzessin trocknete rasch ihre Tränen und hockte sich zu dem Häschen ins Gras.
»Ich möchte endlich einen richtigen Namen und nicht immer nur Prinzessin gerufen werden«, sagte sie leise.

Der kleine Hase lachte und rieb sich nachdenklich sein Näschen.
»Du hast Recht, eine Prinzessin ohne Namen ist keine richtige Prinzessin. Du hast wunderschöne Haare, sie leuchten in der Sonne wie ein Himmel voller Sterne und deine Augen strahlen wie Diamanten. Der Name Sternenzauber würde gut zu dir passen.«
Die Prinzessin lachte und klatschte vor Begeisterung in die Hände.
»Das ist ein wunderschöner Name, danke kleiner Hase.«
Das Mädchen war überglücklich und lief schnell ins Schloss, um ihren Eltern von dem kleinen Hasen zu erzählen.

Dem König und der Königin gefiel dieser Name sehr gut und zwei Tage später wurde im Schloss ein großes Fest gefeiert und die Prinzessin auf den Namen „Sternenzauber“ getauft.

Von diesem Tag an bekam das Häschen von der glücklichen Prinzessin Sternenzauber jeden Tag die größte Mohrrübe, die im Schlossgarten wuchs.

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Gute-Nacht-Geschichte 15

Die Schneeflocken

Eine Geschichte von Antje Frenzel

Lilli war eine kleine, freche Sommerfee mit prächtig glänzenden Flügeln. Wenn die Sonne auf sie schien, glitzerten sie in einem warmen goldenen Ton und wenn die Sonne sich hinter den Wolken ausruhte, dann leuchteten sie in einem kräftigen Purpur. Zusammen mit ihrer Mutter, ihrem Vater und ihrer kleinen Schwester Loretta wohnte sie in einem Feenbaum.

Ein Feenbaum ist ein alter knorriger Laubbaum, in dem sehr viele Feenfamilien leben. Lillis Baum war eine alte Eiche, die schon mindestens 100 Jahre an ihrem Platz stand und in der nur Sommerfeen lebten. Im Herbst und im Winter konnten diese Feen nicht draußen spielen, denn der schwere Regen, der fiese Wind und der eisige Schnee hätten ihre Flügel gebrochen. Das war in etwa so schlimm, als würde sich ein Menschenkind den Arm brechen. Also nicht wirklich, wirklich schlimm, doch so schlimm, dass man es lieber nicht riskieren sollte.
Lilli fand das doof, sie mochte die dicken, klaren Regentropfen und sie liebte die vorlauten Herbstwinde, die das bunte Laub durch den Wald pusteten. Aber am allermeisten von allen hatte sie die Schneeflocken lieb, denn sie hatten alle eine einzigartige Form und waren so schön. Ihr größter Wunsch war es, einmal mit ihnen durch einen Wintertag zu tanzen.

»Mama«, sagte sie an einem besonders frostigen Wintermorgen voller Aufregung, »heute werde ich mit den Schneeflocken tanzen!« – »Aber Lilli, du weißt doch, dass es nicht geht. Deine Flügel würden einfrieren und brechen und dann müsstest du zum großen Sommerfeenfest im Bett liegen. Willst du das?« – »Aber wenn ich aufpasse? Ich kann mir doch einen Schutz über die Flügel legen. Dann geht es bestimmt«, sagte die kleine Fee sehr störrisch und ihre Mutter antwortete ebenso entschieden: »Nein! Das kommt nicht in Frage.«

Diese Antwort hörte Lilli schon gar nicht mehr. Sie überlegte, wie sie es schaffen könnte, ihre filigranen Flügel vor den wunderschönen Schneeflocken zu schützen. Die Winterfeen brauchten keinen Schutz, ihre Feenflügel waren so fest wie die Baumrinde ihrer Feenbäume und so konnten sie dem Schnee, dem Regen und sogar dem Wind trotzen. Bei dem Gedanken an die Winterfeen kam Lilli der Gedanke, sie würde sich einfach Eichenrinde um die Flügel binden und dann müsste es gehen. Gesagt, getan. Heimlich besorgte sie sich in der Nacht ein wenig Rinde aus dem Vorratsraum. Sie wurde dort aufbewahrt, um damit den Baum von innen zu wärmen oder um kleine Risse zu flicken und so den Winterwind draußen zu halten.

Am nächsten Tag hatte ihre Mutter allerhand mit den Vorbereitungen für das Sommerfeenfest zu tun, so dass Lilli sich heimlich davon schleichen konnte. Sie zog sich die Rinde über ihre Flügel und dann sprang sie von der Flugterrasse in das gerade beginnende Schneegestöber. Oh, war das eine Freude. Tausende von Schneeflocken tanzten mit ihr umher und freuten sich mit ihr.

Doch dann passierte etwas, womit die kleine Fee nicht gerechnet hatte, die Rinde deckte ihre Flügel nicht vollkommen ab und so legten sich einige freche Schneeflocken direkt auf ihre Flügel. So schnell sie konnte flog die kleine Sommerfee in Richtung Feenbaum und nun empfand sie die Schneeflocken gar nicht mehr nett und hübsch, sie versperrten ihr die Sicht und immer mehr versuchten, durch die kleinen Ritzen in der Rinde zu kommen. Vor lauter Erschöpfung schaffte sie es gerade noch so an den Feenbaum der Winterfeen. Müde und überfroh, endlich wieder im Trockenen zu sein, schlich sie ins Innere. Hier war sie noch nie gewesen und sie kannte auch keine Winterfeen und hatte deswegen ein wenig Angst vor ihnen. Da kam auch schon eine auf sie zu.

»Was ist denn mit dir passiert und wieso trägst du Rinde um deine Flügel? Bist du etwa eine Sommerfee?« Lilli war selbst zum Reden zu schwach und konnte nur leicht nicken. »Oh, oh. Na dann komm mal fix mit mir mit zu unserer Krankenstation.« Lilli war froh, dass sich die grünlich schimmernde Winterfee Trudi so lieb um sie kümmerte. Auf der Krankenstation wurde ihr die Rinde abgemacht und nun kam das ganze Ausmaß ihres Ausfluges zu Tage. Viele kleine Risse waren in ihren purpurnen Flügeln zu erkennen und da bekam sie es gehörig mit der Angst zu tun. »Oh nein, oh nein, was hab ich nur getan? Ich werde nicht mehr fliegen können!«, begann die verängstigte Lilli zu schluchzen. Doch die Krankenschwester konnte sie beruhigen. »Ein paar Tage Ruhe, eine Schiene und ein bisschen Feentrunk und du bist bald wieder wie neu.«

Durch einen unterirdischen Gang konnte Lilli nach Hause gehen. Sie verabschiedete sich noch schnell von Trudi und lud sie zum Dank zum Sommerfeenfest ein – man konnte eigentlich nur daran teilnehmen, wenn man eine echte Sommerfee war, aber auch, wenn man eine Einladung bekam.

In ihrer Wohnung angekommen, wartete schon Lillis Mutter auf sie. Natürlich hatte sich schon rumgesprochen was geschehen war. Lillis Mutter war so glücklich, dass es ihrem kleinen Feenmädchen gutging, so dass sie gar nicht wirklich böse war und Lilli versprach ihr, auch nie wieder im Schnee spielen zu wollen. »Mit den Schmetterlingen und Bienen um die Wette zu fliegen, macht eh viel mehr Spaß!«

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Gute-Nacht-Geschichte 16

Weihnachten mit Elli und Kamelli

Eine Geschichte von Antje Frenzel

»Juhu, Elli in zwei Wochen ist Weihnachten«, freute sich Kamelli, die kleine Häsin aus dem Morgenwald. Ihre Freundin Elli, auch eine Häsin, die im Zauberwald wohnte, war gerade zu Besuch. Die beiden waren die größten Weihnachtsliebhaber, die man sich vorstellen konnte. Auch dass es bisher noch nicht geschneit, sondern nur geregnet hatte, machte den beiden nichts aus.

Nachdem sie es sich gemütlich gemacht hatten, Tee tranken und Karten spielten, kam Kamelli eine Idee. Sie hatte ihre Freundin Elli so gern, dass sie ihr am nächsten Tag Plätzchen backen wollte. Elli war nämlich ein absolutes Schleckermäulchen und konnte an keiner Süßigkeit vorbeihoppeln, noch ein Grund warum sie die Weihnachtszeit so liebte.

Am nächsten Morgen stand Kamelli schon ganz früh in ihrer Küche und fing an, den Teig zusammenzurühren. Dabei hörte sie auf dem alten Plattenspieler ihrer Mutter Weihnachtslieder und summte den ganzen Morgen fröhlich mit. Gegen Mittag hatte sie schon drei Bleche mit Plätzchen fertig, packte sie in eine schöne Dose und machte sich auf den Weg zu ihrer Hasenfreundin.

Elli freute sich wie ein Schneekönig, es war so lieb von ihrer Freundin Kamelli, dass sie sich den ganzen Morgen in die Küche gestellt hatte, nur um ihr eine kleine Weihnachtsfreude zu machen. Sie kochte für die beiden eine schöne Kanne Weihnachtstee mit Apfel und Zimtgeschmack und deckte den Tisch, dann biss sie herzhaft von einem Keks ab und spuckte ihn sogleich wieder aus. »Igitt, was ist denn das«, rief Elli und guckte in das erschreckte Gesicht ihrer Freundin. »Oh – entschuldige, so hab ich es nicht gemeint, ich freu mich sehr über dein Geschenk, aber irgendwie sind dir diese Plätzchen misslungen«, schob sie schnell hinterher, weil Kamelli schon fast weinte. »Wieso, was ist denn mit meinen Plätzchen...«, schluchzte diese nun. Elli gab Kamelli auch ein Plätzchen, diese biss nun zaghaft davon ab und spuckte es auch gleich aus. »Irks, das ist ja wirklich eklig.« Die beiden grübelten eine Weile, was wohl mit den Keksen passiert war, denn eigentlich war Kamelli eine super Bäckerin. Dann kam Elli eine Idee. »Hast du auch genug Zucker genommen?«, fragte sie. Die traurige Häsin biss noch einmal von einem Plätzchen ab und dann merkte sie, was passiert war. Sie musste die Zuckerdose verwechselt haben – mit der Salzdose. »Oh, Elli das ist mir ja noch nie passiert«, sagte sie ganz beschämt. Elli versicherte ihrer Freundin, dass es überhaupt nicht schlimm wäre, und schlug vor, dass sie beide ja zusammen neue Plätzchen backen könnten.
Gesagt, getan, kauften die Freundinnen die nötigen Zutaten und machten sich ans Werk. Es machte noch viel mehr Spaß, als es heute Morgen schon gemacht hatte, und jetzt passte Kamelli auch besonders auf, dass ihr nicht wieder ein Fehler unterlaufen würde. Und dann passierte es: »Kamelli, schau mal!« Es fing an, zu schneien.
Spätestens jetzt war das Missgeschick wieder vergessen. Es duftete wundervoll in der Hasenküche, im Wohnzimmer knisterte ein Feuer und draußen schneiten dicke Flocken vom Himmel, die sich langsam auf dem nassen Waldboden breit machten. Elli und Kamelli kochten sich noch eine warme Schokolade und genossen dann ihre Plätzchen, die dieses Mal suuuper lecker waren.

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Gute-Nacht-Geschichte 17

Paulchen Naseweiß

Eine Geschichte von Marcel Kesterke

Auf dem Gelände eines großen Zoos leben einige Kaninchenfamilien auf einer großen, grünen Wiese unter großen schattigen Bäumen. Auch Paulchen Naseweiß lebt dort, mit Mama, Papa, Schwester Mia und vielen Kaninchenfreunden. Paulchen ist ein kleiner Kaninchenjunge mit einer weißen Stupsnase, hellbraunem Fell und hat einen gaaaaaanz großen Traum: Er möchte am liebsten einmal eine Weltreise machen und ganz viele Orte und Tiere kennenlernen.

An einem sonnigen Nachmittag in den Ferien, als Paulchen gerade zufrieden mümmelnd auf der Wiese sitzt, kommt auf einmal ein großes, braunes Tier mit zwei komischen Bergen auf dem Rücken vorbei. Interessiert, wer das wohl sein mag, begibt sich Paulchen zu ihm. »Sag mal ... Wer bist du denn?«, fragt er und sieht das Tier mit großen Augen an. »Ich bin Oskar und ein Kamel«, antwortet das große, braune Tier und bewegt sich langsam weiter auf dem Weg durch den Zoo. »Aha ... und wo kommst du her? So jemanden wie dich kenne ich gar nicht«, fragt Paulchen interessiert weiter und folgt Oskar auf seinem Weg. »Ich komme aus Arabien, dort ist es heiß und außerdem gibt es ein Meer aus Sand!« – »Uiii ... das muss toll sein«, denkt sich Paulchen verträumt und bemerkt dabei gar nicht, wie er vor lauter Träumereien an einem großen See angekommen ist.

Dort entdeckt er auf einmal einige große, graue Tiere, die sich am Ufer und im Wasser tummeln. Neugierig hoppelt er hinüber zu ihnen, um sie ebenfalls zu fragen, wer sie sind und woher sie kommen. »Wir sind Nilpferde und leben am Nil, einem großen, langen Fluss in Afrika, ganz in der Nähe von alten Pyramiden.« Doch so genau hört Paulchen schon gar nicht mehr hin, denn soeben hat ein neues Tier seine Aufmerksamkeit erregt. Es stolziert auf großen, langen Beinen durch das Wasser und hat einen großen langen Schnabel, mit dem es immer wieder im Wasser herumpickt. »Guten Tag, was bist du für ein Vogel?«, fragt Paulchen sofort, als er zum Ufer gehopst ist. »Ich bin ein Reiher, ich komme vom Roten Meer, da, wo es bunte Papageienfische gibt«, erklärt ihm der Reiher geduldig. Aber Paulchen hört schon wieder nur mit einem Ohr zu, da er ganz damit beschäftigt ist, seine Pfötchen im kalten Wasser zu kühlen, bevor er sich wieder auf den Weg nach Hause machen will.

»Ich hoffe, ich finde wieder den Weg zurück«, denkt er gedankenverloren. Die Sonne steht schon hoch oben am Himmel und plötzlich ruft jemand: »Heeeh, heeey du!« Erschrocken dreht sich das kleine Kaninchen herum, kann aber niemanden entdecken. »Was guckst du denn so? Hier bin ich!«, sagt die Stimme darauf. Aber Paulchen sucht und sucht und kann einfach niemanden finden. »Guck doch mal hier ... auf dem großen Ast, beim Busch links von dir«, erhebt sich die Stimme wieder. »Ein Drache!«, ruft Paulchen erschrocken und macht erst einmal einen Satz in die Luft. »Ein Drache? Ich bin ein Chamäleon! Ich kann meine Farbe verändern und mich an die Umgebung anpassen.« – »Aha ...«, bringt Paulchen nur hervor und traut sich so langsam wieder, zwischen seinen Pfötchen hervorzulugen. Nach diesem Schreck beeilt er sich aber, endlich zu Hause anzukommen.

»Wo warst du denn so lange?«, fragt seine Familie fast wie aus einem Mund, als er wieder im gemütlichen Kaninchenbau angekommen ist. Nachdem er sich kurz gesammelt hat, beginnt Paulchen zu erzählen: »Ich war auf einer Weltreise!«, beginnt er stolz. »Ich habe Oskar, ein Kamel getroffen. Es lebt in einem Meer und wenn es schwimmt, schauen nur die Berge auf dem Rücken wie zwei Inseln aus Sand hervor.« – »Wirklich?«, fragt Mia, seine Schwester, und sieht ihn mit großen Augen an. »Ja, das hat er selbst erzählt!«, verkündet ihr Bruder stolz und erzählt weiter. »Danach war ich in Afrika und habe große, dicke Pferde getroffen. Die heißen alle Nils! Und sie leben in Pyramiden.« – »So ein Blödsinn«, mischt sich Paulchens Mama ein. »Denk daran, vom Lügen bekommt man lange Hasenohren!« – »Aber das war wirklich so!«, beteuert Paulchen. »Ich habe dann an einem ganz roten Meer noch einen Reiher getroffen, mit dem habe ich fliegende Vogelfische beobachtet! Die wohnen dort im roten Wasser, sind ganz bunt und fliegen manchmal herum. Als ich dann wieder nach Hause wollte, bin ich einem Chamäleon begegnet, es kann sich unsichtbar machen und in einen Drachen verwandeln! Damit hat es mich ganz schön erschreckt«, gibt Paulchen zu, »und danach bin ich aber geflitzt, um wieder nach Hause zu kommen«, beendet er seine Erzählung dieser spannenden Reise.

»Ich glaube ..., es wird Zeit, dass die Ferien vorbei sind und die Schule wieder beginnt«, meldet sich der Kaninchenpapa zu Wort, nachdem er die ganze Zeit ruhig zugehört und Paulchens Erzählung gelauscht hat. »Dann lernt ihr wieder, wie das mit den Tieren richtig ist ... « – »Genau!«, stimmt ihm Paulchens Mama zu. »Und jetzt husch ins Bett, es ist schon wieder viel zu spät.« Also verschwindet Paulchen nach einer kleinen Stärkung zusammen mit seiner Schwester Mia im Hasenbettchen und beginnt sofort, von seinem aufregenden Tag im Zoo zu träumen.

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Gute-Nacht-Geschichte 18

Die Schatzsuche

Eine Geschichte von Nina A. (5. Klasse/10 Jahre)

Es war einmal ein Geschwisterpaar namens Hannelore und Hans. Sie waren 8 Jahre alt.  Die Eltern der beiden waren verschwunden und die Kinder lebten auf einer Lichtung im Wald allein und in ärmsten Verhältnissen, doch sie waren froh dass sie sich hatten.

Eines schönen Herbsttages, als Hannelore und Hans auf den Wiesen des Waldes spazierten, bekamen sie mit, dass es einen Schatz in einem gruseligen Schloss geben soll. Der Herrscher des Schlosses war ein Riese. Die Kinder träumten von diesem Schatz, da dann alle ihre Sorgen verschwunden wären. Sie packten ein Laib Brot und ein kleines Gefäß mit Milch ein und zogen los, um den Schatz zu finden. Als sie eine Weile gewandert waren, stießen sie auf eine Höhle. In dieser wohnte ein Zwerg. Er war freundlich und bot den Kindern an, rein zu kommen. Die Geschwister waren erschöpft von dem langen Fußmarsch und so nahmen sie das Angebot an. Hannelore und Hans erzählten dem Zwerg von der Schatzsuche, dieser wurde hellhörig und ließ sich den genauen Plan der beiden Kinder erzählen. Um wieder Kraft zu haben übernachteten sie für drei Nächte in der Höhle des Zwerges. In der dritten Nacht, als Hannelore besonders früh aufwachte, sah sie, wie ein Riese sich mit dem Zwerg unterhielt. Gebannt hörte sie zu, was in dem Vorraum der Schlafkammer von den Geschwistern gesprochen wurde. Was sie hörte, beunruhigte sie und sie machte ihren Bruder wach. Hannelore machte ihm verständlich, keinen Laut von sich zu geben. Gemeinsam hörten sie, wie der Riese zu dem Zwerg sagte: „Ich sage dir, wenn diese Kinder auch nur in die Nähe von meinem Schloss kommen, dann bekommst du, wenn du Glück hast vielleicht noch eine Karotte bevor ich dir dein Leben nehme!“ Siegessicher versicherte der Zwerg, dass er die Geschwister irgendwie losbekommen würde, ohne dass sie auch nur in die Nähe des Schlosses kämen. Der Riese aber sprach: „Nein, locke sie zu meinem Schloss. Ich werde eine Falle bauen und sie hart für mich arbeiten lassen!“ 

Drei Tage später war genau das geschehen, was der Riese wollte, er hatte eine Falle gebaut, worin er die Kinder gefangen hatte und nun bekamen sie wenig zu essen und mussten von früh bis spät hart für ihn schuften.

In einer schönen Winternacht veranstaltete der Riese ein rauschendes Fest, wo die Kinder den Gästen dienen mussten. Eine Fee hatte Mitleid mit ihnen und half Hannelore und ihrem Bruder aus der Gefangenschaft des Riesen zu fliehen. Sie schilderte dem Geschwisterpaar den Weg zum Schatz. Als diese den Schatz fanden, stieß Hannelore einen Freudenschrei aus und im selben Moment wurde ihr klar, was sie soeben getan hatte. Erschrocken lauschten sie in die Stille hinein und stellten erleichtert fest, dass sie niemand bemerkt hatte. Gemeinsam schlossen sie die Schatztruhe auf und fanden einen großen, aus reinstem Gold bestehenden Ring, ein Zaubertuch und einen Zauberkamm. Die Kinder konnten ihr Glück kaum fassen, als sie in dem Stein des Ringes ihre Eltern in der Gefangenschaft des Riesen sahen. Hannelore und Hans konnten sie befreien. Zu viert rannten sie aus dem Wald hinaus und als sie an der Lichtung ankamen, da stand dort ein schönes Haus. Vor dem Haus stand die Fee, sie sagte: „Dieses Haus ist nun euers und die drei Gegenstände sollen euch für immer Reichtum bescheren!“

Die Familie lebte bis an ihr Ende und ich wünschte du und ich, wir wären auch dabei gewesen!     

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