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Im Leben einmal richtig ausmisten: Schafe als Therapie

Dass Tiere nicht nur bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen eine wichtige Rolle spielen können, ist bereits länger bekannt. Der gemeinsame Gang ins Freie und das Erleben in der Natur sind weitere Bestandteile, die in der Behandlung von psychisch erkrankten oder auffälligen Kindern und Jugendlichen einen guten Therapieerfolg versprechen.

Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara Halle (Saale): Mit Schafen lernen und arbeiten

Am Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara Halle (Saale) ist vor einigen Monaten ein Projekt gestartet, mit dem beide Ansätze miteinander verbunden werden. Aus einem Stationsbesuch der Krankenhausleitung an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und –psychotherapie (KJPP) ist die Idee entstanden, eine Gruppe junger Patientinnen und Patienten in die Arbeit eines Schäfers einzubinden, der seine Herde in der Franzigmark, einer weitläufigen Naturlandschaft im Nordwesten von Halle (Saale), hält.

Daniela Marintschev, Pflegedirektorin des Krankenhauses, erläutert den Ansatz: „Die Projektteilnehmer sind Jugendliche, die in ihrem persönlichen schulischen oder privaten Umfeld auf Probleme getroffen sind und echte Unterstützung benötigen, die Ihnen einen Weg zu einer guten persönlichen Entwicklung und zu einem gelingenden Start ins Berufsleben aufzeigt.“ Einmal wöchentlich, mit einer Winterpause, helfen sechs Jugendliche ergänzend zu ihrer Behandlung in der KJPP dem Schäfer bei seinen vielfältigen Aufgaben bei der Aufzucht und Pflege der Schafe. Lämmer müssen farblich markiert, Ohrmarken gesetzt, die Tiere gefüttert, getränkt oder umquartiert werden. Natürlich gehört auch das Ausmisten zu den Pflichtaufgaben eines Schäfers. Umso erstaunlicher ist die Entwicklung, die bei einigen Projektteilnehmern zu beobachten ist. Wo anfangs noch die aufwändig lackierten Fingernägel oder das Smartphone im Mittelpunkt standen, macht sich bei einer Brotzeit in schlammbedeckten Gummistiefeln eine neue Art von Zufriedenheit und Freude bemerkbar. Wenn eine junge Patientin zusammen mit dem Schäfer ein verstoßenes Lamm mit dem Fruchtwasser eines anderen Schafes einreibt, um Akzeptanz bei der neuen Mutter zu erreichen, ist bei der gesamten Gruppe gespanntes Erstaunen garantiert. Erlebnisse wie dieses zeigen Wirkung. 

Ziel des Projekts ist es, den teilnehmenden Jugendlichen durch die Teamarbeit und die körperlich anspruchsvolle, gleichzeitig emotional bindende Tätigkeit, ein neues Selbstbewusstsein zu vermitteln und so die Erkrankung überwinden zu helfen.

„Die Tiere stehen den Kindern bedingungslos gegenüber. Sie habe keine Vorurteile und stecken sie nicht in eine Schublade wegen ihrer Vergangenheit und Erkrankung“, fasst Dr. Hendrik Liedtke, Chefarzt und Ärztlicher Direktor am Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara, den besonderen Ansatz zusammen. Die Arbeit mit den Schafen auch offiziell als Therapie anerkennen und fördern zu lassen, ist das nächste Ziel der Verantwortlichen des halleschen Krankenhauses.

© Krankenhaus Halle Saale

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