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Vom Batterie-Service zum Autohaus

Bei Flügel wird 90-jähriges Firmenjubiläum gefeiert. Unternehmer-Familie stellt sich den neuen Anforderungen.

Nur im kleinen Rahmen, mit der Familie und der Belegschaft, soll in diesem Jahr das 90-jährige Jubiläum eines Unternehmens gefeiert werden, das für jeden Autofahrer der Landeshauptstadt ein Begriff sein dürfte. Vor 90 Jahren wurde das heutige Autohaus Flügel gegründet. Damals als Spezialbetrieb für die elektrische Ausrüstung von Fahrzeugen. Zum Autohaus wurde das Unternehmen erst nach der Wende… An diese Geschichte möchten Eberhard und Wolfgang Flügel im Februar gerne erinnern. 

Der Gründungstermin des Unternehmens kann mit dem 1. Februar 1932 genau datiert werden. Nach der Pleite der Mitteldeutschen Werkstätten in der Weimarischen Straße wurden daraus drei neue Unternehmen – ein Reifenbetrieb, eine Reparaturwerkstatt für Steyr-Lastwagen (Heunsch) und der Batteriehandel von Paul?Flügel. 

Mit Varta- und Pertriks-Batterien im Angebot wurde eine erste Basis geschaffen. Die schnell mit anderem Elektro-Zubehör für Kraftfahrzeuge ergänzt wurde – mit Werkstatt und Verkauf. Die Magnetzündungen waren in den 1930er-Jahren noch sehr anfällig, mussten regelmäßig repariert werden. Das gleiche galt für Anlasser und Lichtmaschinen. Arbeit gab es für den Familienbetrieb genug. 

Der Zweite Weltkrieg sorgte für Stillstand. Paul?Flügel?wurde 1940 eingezogen, das Firmengebäude 1945 bei einem Bombenangriff zum Teil zerstört – und nach 1947 wieder aufgebaut. Das heutige Verwaltungsgebäude ist der letzte erhaltene Teil des ursprünglichen Unternehmens, das heute noch exakt auf der Grundfläche steht, wie zur Übernahme 1932.  

Bedarf an Kfz-Dienstleistungenin der DDR war sehr groß

Und es stellte sich Nachwuchs ein – 1948 Hans und 1951 die Zwillinge Wolfgang und Eberhard. Alle drei machten eine Ausbildung zum Kfz-Elektromechaniker und waren ab Anfang der 1970er-Jahre Teil des Familienbetriebes. Damit die Nachfolge geregelt war, machte Eberhard 1974 seinen Meisterabschluss, sein Bruder Wolfgang erwarb den Meistertitel drei Jahre danach. Während Eberhard 1976 den Betrieb in der Weimarischen Straße übernahm, machte sich Wolfgang?Flügel?in Bischleben selbstständig, spezialisierte sich neben der Autoelektrik auf den Anbau und Verkauf von Anhängerzugvorrichtungen für Autos. 

Der Bedarf an Kfz-Dienstleistungen in der DDR war groß, es gab mehr Anfragen als Kapazitäten. Der Betrieb in der Weimarischen Straße wurde schnell zur anerkannten Kfz-Elektrowerkstatt mit IKA-Vertrag – spezialisiert auf Wartburg und Trabant. Dann kam die Wende. Und Handlungsbedarf. Denn das Gelände in der Weimarischen Straße teilten sich zu diesem Zeitpunkt drei Unternehmen. Das Grundstück selbst gehörte einer westdeutschen Erbengemeinschaft. Eberhard?Flügel:?„Die beiden Firmen Heunsch haben sich mit westdeutschen Autohandelsfirmen verbunden – wir wollten nicht abhängig sein und haben es selber versucht. Wir haben mit der Erbengemeinschaft verhandelt und mit Unterstützung der Deutschen Bank das Grundstück erworben. Danach konnten wir uns direkt bei einem Hersteller bewerben.“ 

Seit März 1991 vertrat Eberhard?Flügel?danach die Firma Nissan – als?Autohaus?und Werkstatt. Auf dem Gelände wurde erweitert und modernisiert, eine erste Ausstellungshalle errichtet.?Flügel?stand in Erfurt viele Jahre für Nissan – bis sich 2006 der Wechsel zu Ford anbot. 
Verbunden war damit die Bedingung, dass für die Marke Ford in Erfurter ein zweiter Standort geschaffen werden muss – eine Aufgabe, die Bruder Wolfgang in der Mittelhäuser Straße übernahm, sich bereit erklärte, außer Mitsubishi, Fiat und Citroen auch noch die Marke Ford ins Portfolio zu übernehmen. 
Gemeinsam wollen sie sich jetzt den Anforderungen der Zukunft stellen. Auch, wenn auf dem automobilen Sektor heute unmöglich gesagt werden könne, was morgen sein wird. Die Umstellung auf die Elektromobilität, der Umbruch bei Ford, wo sich immer stärker auf die Online-Bestellungen konzentriert wird – das alles mache es nicht einfach. 

Für die momentanen Lieferengpässe wegen der Pandemie bittet Eberhard?Flügel?seine Kundschaft um Verständnis. In der gesamten Branche, der der gesamten Republik, werde damit gekämpft. 

© Hartmut Schwarz / Erfurt, TZ 

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