Geschlechterrollen in der Kindererziehung

Schon Kleinkinder haben anfängliche Vorstellungen von Geschlechterstereotypen. Bis zum sechsten Lebensjahr ist es daher für Eltern besonders wichtig, die Vorstellungen von Geschlechterrollen entsprechend zu prägen.

Typisch blau - typisch pink?

Ganz unbewusst lebt man den Kindern Geschlechterstereotypen vor. Doch wie funktioniert eine genderneutrale Erziehung? Schon in den ersten Lebensmonaten greifen Babys nach geschlechtsspezifischen Spielzeugen, wie in etwa nach einem Spielzeugauto oder einer Puppe. Einerseits liegt dies zum Teil daran, dass sich die Gehirne von Jungen und Mädchen unterschiedlich entwickeln. Inwieweit diese geschlechtsspezifischen Entwicklungen angeboren oder anerzogen sind, ist unklar. Bewiesen ist jedoch, dass Eltern zu einem hohen Teil geschlechtsspezifisches Denken beeinflussen. Zum großen Teil prägen aber auch Kindergärten die Vorstellungen von Genderrollen. Während Jungs in Kindergärten häufig draußen toben oder mit Autos spielen, spielen Mädchen mit Puppen oder basteln. Ebenso trägt die Kleidung der Kinder zur Trennung in Mädchen- und Jungs-Gruppen bei. Häufig tragen Mädchen eher hellere Kleidung, insbesondere in Rosatönen, wohingegen Jungs eher dunklere Töne, wie Blau tragen.

Bei der genderneutralen Erziehung soll es nicht darum gehen, Kindern beizubringen, dass es keine unterschiedlichen Geschlechter gibt, sondern ihnen die Individualität eines jeden Menschen nahezubringen. Dabei soll jedem Kind die Möglichkeit geboten werden, sich frei zu entfalten, ganz davon abgesehen, ob das Verhalten nun typischerweise Jungen oder Mädchen entspricht.

Isländisches Modell der geschlechtsneutralen Erziehung

Island wird als das Land mit der größten Gleichberechtigung von Mann und Frau bezeichnet. Schon in den Vorschulen sollen die Rollenverständnisse abgeschwächt und den jeweiligen Geschlechtern Stärke vermittelt werden. Dazu werden Jungen und Mädchen in zwei Gruppen eingeteilt und entgegengesetzt zu ihren eigentlichen Verhaltensweisen beschäftigt. Dabei sollen die Kinder individuell agieren, unabhängig davon, ob sie sich dabei nun typisch „mädchen- oder jungenhaft“ verhalten. Die Kinder vergnügen sich in isländischen Vorschulen eher draußen in der Natur und lernen, sich selbst Spielzeuge zu bauen, anstatt in stereotypischen Puppen- oder Spielecken zu spielen. Auch die Begrüßung läuft in einer isländischen Vorschule anders als gewöhnlich ab. Die Mädchen begrüßen sich mit einem Handschlag, während die Jungs sich zur Begrüßung umarmen. Mittlerweile gibt es mehrere Kindergärten und Vorschulen in Island, die nach diesem Prinzip handeln. Derzeit gibt es diese Arten von Kindergärten jedoch ausschließlich im Norden Europas.

Inwieweit und mit welchen Mitteln eine möglichst genderneutrale Erziehung bei euren Kindern umgesetzt wird, bleibt euch selbst überlassen. Klar ist, dass man als Elternteil durchaus das Denken seiner Kinder über Geschlechterrollen beeinflussen kann, jedoch bleibt zu berücksichtigen, dass auch andere Faktoren Einfluss nehmen.

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