Bommel lädt zur Märchenstunde

Beitrag von Bommel Bär
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Bommel fieberte diesem Tag schon lange entgegen – er hatte sich dieses Datum extra im Kalender angestrichen. Dort stand: Heute ist Erzähl-ein-Märchen-Tag! Und weil Bommel und seine Freunde Märchen so sehr lieben wie wohl jedes Kind, lud er alle zu einer Märchenstunde ein.

Während Bommel als Märchenerzähler vor ihnen saß, nahmen seine Gäste im Halbkreis um ihn herum Platz und schauten den Teddybär mit großen Augen an. Bommelinchen, Elli, der Elefant, und Charly, die Katze, waren bereits in ihre Decken gekuschelt, hielten eine Tasse Kakao in den Händen und redeten vor Aufregung wild durcheinander. 

Als Bommel jedoch mit den Worten „Es war einmal“ begann, war es mucksmäuschenstill. Unser kleiner Geschichtenerzähler fuhr fort: „Es war einmal in einem weit entfernten Königreich. Dort lebten alle Kuscheltiere friedlich zusammen. Alle waren freundlich zueinander, niemand neidete dem anderen etwas und wenn gestritten wurde, vertrug man sich auch sofort wieder. Es gab jedoch jemanden, dem diese Idylle gar nicht gefiel – dem Zauberer Magix. Er lebte in einem hohen Turm, von dem er das ganze Königreich überblicken konnte. Gegen nette Worte und Umarmungen war er allergisch und so beschloss er, etwas zu unternehmen, um die Harmonie unter den Tieren zu stören. 

Doch wen sollte sein Zauber treffen? Magix blickte angespannt durch sein Fernrohr und suchte nach einem geeigneten Kandidaten. Da entdeckte er den kleinen Drachen Dragi in seiner Höhle Mittagsschlaf halten. Der Zauberer dachte bei sich ‚Perfekt. Genau danach habe ich gesucht. Bisher verträgt sich Dragi noch mit allen Kuscheltieren, aber wenn ich ihn mit meinem Zauber belege, wird die Liebe zwischen den Kuscheltieren wie eine Blume verwelken.‘

Und so geschah es: Magix sprach seinen Zauberspruch ‚Rumpelpumpelfiedewitz und dreimal Rosenkohl‘ und richtete seinen Zauberstab auf den kleinen Drachen. Als Dragi von dem Zauber getroffen wurde, spürte er ein seltsames Gefühl in sich aufsteigen. Plötzlich konnte er nichts Schönes mehr in der Welt entdecken und keine Freude empfinden. Auch die anderen Kuscheltiere mochte er nicht mehr. Stattdessen beneidete er sie um den Spaß, den sie ohne ihn hatten. An der Stelle, an welcher Dragi der Zauber getroffen hatte, blieb ein kreisrundes Mal in Form eines Zauberhuts zurück. Doch weil dieses genau zwischen seinen Flügeln saß, konnte er es nicht sehen. 

Missmutig rappelte sich Dragi von seinem Schlaflager auf und trat vor seine Höhle. Als ihm ein verführerischer Essensduft in die Nase stieg, merkte er wie hungrig er doch war. Seine Nase führte ihn zu dem Haus seines Freundes Hoppel, dem Hasen. Doch anstatt ihn freundlich zu begrüßen, machte sich Dragi direkt über den Kochtopf her. ‚Aber Dragi, was ist denn mit dir los? Das sollte mein Mittagessen werden. Ich hätte doch mit dir geteilt, wenn du gefragt hättest‘ rief der Hase empört. Doch Dragi schnaubte nur wortlos, so dass Rauch von seinen Nüstern aufstieg und ging weiter seines Weges. Er grüßte keines der Tiere, die ihm begegneten. Verwundert blieben diese stehen und blickten dem kleinen Drachen irritiert hinterher. 

Als Dragi an den Bau von Waschbär Putzi kam, betrachtete er zunächst die Blumenpracht in seinem Vorgarten, um sie anschließend mit einem kräftigen Stampfen niederzutrampeln. Putzi kam herbeigeeilt und schaute fassungslos dem wilden Treiben zu. Er rief: ‚Dragi, was tust du? Ich hab mir solche Mühe mit meinem Garten gegeben und du zerstörst in einfach. Was haben dir denn die Blumen getan?‘ Anstatt zu antworten, ließ Dragi auch den Waschbären stehen und wandte sich zum Weitergehen.

Schließlich gelangte er an einen Fluss, doch eine Brücke, die ihn sicher zur anderen Seite brachte, war nicht in Sicht. Und so benutzte Dragi einfach die faul im Wasser treibenden Nilpferde. Er hüpfte auf ihre Rücken und balancierte zum anderen Ufer. Empört riefen die grauen Riesen dem Drachen hinterher: ‚Was für eine Frechheit uns einfach als Steg zu benutzen! Wir hätten dich doch hinüber gebracht, wenn du uns gefragt hättest.‘ Doch Dragi war bereits außer Hörweite.

Dragis unfreundliches Verhalten hatte sich bis zum Abend im ganzen Königreich herumgesprochen. Alle Kuscheltiere waren sich einig, dass sie herausfinden mussten, was den kleinen Drachen so verändert hatte. Als seine Freunde, meldeten sich Hoppel und Putzi freiwillig um der Sache auf den Grund zu gehen.

Am folgenden Tag gingen die beiden zu Dragis Höhle, um ihn zur Vernunft zu bringen. Doch der kleine Drache wollte nicht mit sich reden lassen und drohte ihnen sogar damit Feuer zu speien, wenn sie nicht augenblicklich gehen. Also traten Hoppel und Putzi traurig den Rückzug an. Als Dragi ihnen dabei seinen Rücken zudrehte, konnten beide ganz deutlich das faustgroße Mal sehen, welches der Zauber hinterlassen hatte. Erschrocken eilten sie davon, um sich in sicherer Entfernung zu beraten. 

Jeder im Königreich wusste, was dieses Mal bedeutet. Putzi und Hoppel steckten die Köpfe zusammen und grübelten, wie sie Dragi vom bösen Zauber befreien konnten. Sie wussten aber auch, dass ihre Kräfte nicht ausreichen würden, um gegen Magix etwas auszurichten. ‚Aber Moment mal‘, rief Hoppel aufgeregt. ‚Wir kennen doch ein Wesen mit magischen Fähigkeiten – das Einhorn!‘ 

Erleichtert eilten die beiden Freunde zu dem Hügel, auf dem das Einhorn für gewöhnlich graste. Und tatsächlich – da stand es – strahlend weiß und mit rosa Flügeln. Das Horn schimmerte in der Sonne und zog die Blicke förmlich auf sich. Scheu näherten sich Hase und Waschbär diesem zauberhaften Wesen und sprachen es verlegen an: ‚Guten Tag, liebes Einhorn. Kannst du uns helfen, unseren Freund Dragi von einem Zauber zu befreien?‘ ‚Hallo ihr beiden, wenn ihr mich so liebt fragt, kann ich gar nicht Nein sagen. Wie kann ich euch helfen?‘ Hoppel und Putzi erzählten die ganze Geschichte, von Dragis seltsamen Verhalten, dem verräterischem Mal und dem Zauberer Magix. Das Einhorn hörte aufmerksam zu und sicherte den beiden Freunden Hilfe zu. ‚Lasst uns sofort aufbrechen‘, sprach das Einhorn. ‚Wir dürfen keine Zeit verlieren. Umso länger Dragi das Mal trägt, umso schwerer wird es, den Zauber zu lösen. Schwingt euch auf meinen Rücken. Wir fliegen zu Magix Turm! Mit der Kraft meines Horns werden wir ihn dazu bringen, den Zauber von Dragi zu nehmen.‘

Und ehe sich Hoppel und Putzi versahen, saßen sie auf dem Rücken des Einhorns und sahen die Landschaft unter sich dahinziehen. Als die drei den Turm erreichten und den Zauberer ausfindig machten, begann das Horn des Einhorns zu leuchten. Der Zauberer wich davor zurück und versuchte sich mit Hilfe seines Zauberstabs zur Wehr zu setzen. Aber es halb nichts – die magische Kraft des Einhorns war zu stark. Sie bewirkte, dass Magix willenlos den Anweisungen der Kuscheltiere Folge leistete. Als sie sicher sein konnten, dass der Zauber gelöst war, ließen sie von ihm ab. Ein Vergessenszauber stellte sicher, dass sich Magix an nichts erinnern konnte. Was schlimm klingt, sollte nur zur Besten aller sein. Denn solange sich der Zauberer nicht an seine böse Tat und die Rettung durch die drei mutigen Freunde erinnern konnte, war sichergestellt, dass er sich auch nicht rächen würde.

Und so verließen Hoppel und Putzi den Turm auf dem gleichen Wege, wie sie gekommen waren. Das Einhorn setzte die beiden direkt vor Dragis Höhle ab. Aus dem Inneren konnten sie bereits vergnügtes Pfeifen hören. Es schien alles wieder wie früher zu sein. Und tatsächlich: Freudig empfing Dragi seine Freunde. Die Freude darüber war so groß, dass an diesem Tag noch lange gefeiert wurde. Das ganze Königreich war erleichtert, dass die Harmonie unter ihnen wieder hergestellt war. Magix indessen sollte als „Der Vergessliche“ in die Geschichtsbücher eingehen. ENDE“

Als Bommel von seinem Märchenbuch aufblickte, traute er seinen Augen nicht. Seelenruhig schlummerten Bommelinchen, Elli und Mine in ihren Decken und schienen nur die Hälfe der Geschichte mitbekommen haben. Ob sie wohl auch gerade von einem Abenteuer im Kuscheltierland träumen? 

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