Bommel und der Albtraum

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Bommel ist traurig. Seit ein paar Wochen färben sich die Blätter bunt.

Bommel und der Alptraum

Bommel ist traurig. Seit ein paar Wochen färben sich die Blätter bunt. Das findet er schön. Aber was er gar nicht mag, ist das schlechte Wetter. Bommel schaut aus dem Fenster in die dicken Nebelschwaden und den leichten Nieselregen, der alles durchnässt. Aber Bommel findet, dass das Wetter nicht nur für die Teddys blöd ist, die draußen sind. Er findet es auch von drinnen blöd: „Der Sommer war viel schöner. Da konnte ich mit meinen Freunden schwimmen gehen und Fahrrad fahren und mich sonnen und lange draußen sein!“, sagt Bommel ganz genervt.

Außerdem hat Bommel große Langweile. Seine Freunde wollen bei dem Wetter nicht mit ihm spielen, denn das ist auch ihnen zu kalt. Er ist auch schrecklich müde, seitdem er so wenig machen kann. Eigentlich könnte er ständig schlafen. Einfach die Augen schließen…

Und während Bommel darüber nachdenkt, schläft er ein. 

„Nanu, wo bin ich denn hier gelandet?“, fragt sich Bommel inmitten eines dunklen, düsteren Waldes. Er steht auf einer kleinen Brücke, die über einen tiefschwarzen Fluss führt: „Iiih, das Wasser riecht ja eklig! Das muss ja schlimm dreckig sein.“, ruft Bommel entsetzt aus.  Er versucht sich weiter umzuschauen, aber es ist so dunkel, dass er fast nichts erkennen kann. Am Ende der Brücke sieht er einen Wald mit großen Bäumen. Aber was dahinter ist, kann er nicht erkennen. 

„Was mache ich denn jetzt? Ich bin ja hier ganz allein!“, sagt Bommel voller Angst. Er entschließt sich ein Stück in den Wald zu gehen. Vielleicht trifft er ja dort jemanden, der ihm nach Hause helfen kann. 

Schritt für Schritt tastet sich Bommel dem Wald entgegen. Die großen Bäume mit ihren blattlosen, spitzen Ästen sind furchteinflößend. „Ob das eine gute Idee war?“, fragt sich Bommel während er langsam im Wald verschwindet. 

Plötzlich hört er es im Wald so laut krachen, dass ihm davon die Ohren weh tun. Weit entfernt erkennt er ein großes Feuer, das die Nacht taghell erleuchtet. Der Lärm wird immer lauter: so dunkel und tief klingt das. Bommel hat noch nie ein solches Geräusch gehört. „Wer macht denn da so einen Lärm mitten in der Nacht? Moment Mal, wo Feuer ist, da muss auch jemand sein!“, überlegt sich Bommel. Und schon rennt er in großer Hoffnung nicht mehr allein zu sein, dem großen Lichtschein aus Feuer entgegen. 

Hätte er das mal lieber nicht gemacht! Am Lichtschein angekommen, traut Bommel seinen Augen kaum. Sein Bauch verkrampft sich, er kann sich vor lauter Angst gar nicht mehr bewegen. Seine kleinen Knopfaugen sind weit aufgerissen und er bekommt Gänsehaut entlang seines Fells. „A-a-a-a-ch, h-h-h-err-j-j-j-j-eee!“, beginnt Bommel vor Furcht zu stottern. 

Vor ihm steht ein riesiger, grüner Drache. Er hat einen gewaltigen, gelben Bauch und rote Flügel. „Wenn er die ausbreitet, ist der Drache so breit, dass er den ganzen Wald verdunkeln kann.“, denkt sich Bommel. Der rote Kamm auf dem Drachenkopf und das spitze, gewaltige Horn auf der Nase sind so gruselig, dass Bommel sich vor Schreck die Augen zuhält. Da donnert der Drache los und speit meterhohe Flammen in den Nachthimmel: „Wer wagt es sich in meinen Wald zu schleichen? Dies ist der Wald des mächtigen Drache Grüni. Komm raus und zeige dich! Ich will dir eine Lehre erteilen, du Eindringling!“ Dort, wo die Flammen den Wald erreichen, fallen dicke Äste herunter. Bommel muss im Zickzack springen, um nicht von herabfallenden Ästen getroffen zu werden. Ihm ist furchtbar heiß. So viel Feuer hat Bommel noch nie gesehen. 

„Na los! Wo bist du, du Wicht? Ich kann dich spüren. Du bist hier! Keiner wagt es in Grünis Wald zu kommen, ohne zu fragen. Komm raus und spüre den Schrecken des Drachen!“, brüllt Grüni in die Nacht hinein. Seine Stimme ist so gewaltig, dass der Erdboden bebt. 

„Hier muss ich schnell weg!“, denkt sich Bommel. Auf Zehenspitzen, immer den Drachen im Blick, versucht er sich in den dunklen Wald zurückzuziehen. „Bloß weg von diesem Grüni, bevor er mich grillt!“, fürchtet sich Bommel mit Schweißperlen auf der Stirn. Da passiert es: Bommel hat den morschen Zweig auf dem Waldboden nicht gesehen. Er tritt darauf und ein verräterisches, lautes Knirschen hallt durch den Wald. 

Der Drache Grüni dreht sich ruckartig zu Bommel um und schaut ihm direkt ins Gesicht. Seine eisblauen Augen färben sich glutrot. Plötzlich steigt Dampf aus den Ohren des Drachen Grüni. Sein gelber Bauch beginnt sich rot zu färben. Bommel kann richtig spüren, wie es in der Luft knistert, weil der Drache so wütend ist. 

Und dann rennt Bommel davon. So schnell, wie er bisher noch nie in seinem Leben gerannt ist. Über große Äste, spitze Steine. Vor lauter Angst fängt er an zu schreien. Immer wieder verfehlen heiße Feuerschwaden seinen Körper nur ganz knapp. Bäume fallen hinter Bommel um, weil sie der Hitze nicht standhalten können.

Oh nein, Bommel fällt hin! Sein Fuß hat sich in einer Baumwurzel verfangen. Während er versucht seinen Fuß zu befreien, wird es um ihn herum dunkel. Kein Geräusch ist zu hören. Diese Stille macht ihm noch mehr Angst, als das Getöse des Drachen. „Wo ist der Drachen hin?“, fragt Bommel in den Wald hinein. Bedrohlich nah über seinem Kopf kommt die donnernde Antwort: „Über dir, du kleiner Wicht!“ Da erkennt Bommel den riesigen Körper des Drachen, der bedrohlich über ihm steht. „Oh nein, lass mich gehen. Bitte!“, schreit Bommel. Und er schreit und schreit und schreit….

Ein helles Licht breitet sich vor seinen Augen aus. Die Nacht verschwindet gänzlich und die Hitze weicht herbstlicher Kühle. Jemand rüttelt an seiner Schulter und ruft seinen Namen: „Bommel, he, Bommel. Wach auf! Was schreist du denn so?“

Bommel öffnet seine Augen. Er ist völlig durchnässt und schaut in das Gesicht seines Freundes Charly, der Katze. „Oh Charly, wir müssen hier schnell weg! Grüni, der Drache. Er ist hinter uns her!“, schreit Bommel Charly an. „Beruhige dich, Bommel. Hier ist kein Drache! Schau dich um. Du bist in Sicherheit. Ich bin doch da. Das war alles nur ein böser Traum!“, versucht Charly Bommel zu beruhigen. Bommel schaut sich panisch im Raum um. Langsam atmet er ruhiger. Er zittert auch schon gar nicht mehr. Da sagt er zu Charly: „Du glaubst mir nie, welchen Albtraum ich hatte!“

„Okay, Bommel. Dann erzähl mal! Aber vergiss bitte nicht, dass das nur ein Traum war! Egal, was dir da passiert ist, ist nicht echt! Träume können uns manchmal einen großen Schrecken einjagen. Wir müssen aber immer daran denken, dass es nur Fantasie ist.“, sagt Charly einfühlsam zu Bommel.

„Du hast Recht, Charly! Ich habe jetzt auch gar keine Angst mehr!“, sagt Bommel mit einem großen Lächeln im Gesicht. Und dann erzählt Bommel Charly was er im Traum gesehen hat…