Clueso

Beitrag von Susann de Luca
Über Sauna, Muttis Kuchen und den perfekten Tag - der Sänger, Songwriter und Produzent im ganz privaten Interview.
Clueso

Clueso - Das Interview

Wie siehst Du Dich selbst? Als Künstler oder als Träumer - als Erwachsener oder als Jugendlicher?
(lacht) von allem etwas. Ich glaube, ich selber habe mich die letzten zwei Jahre erst mal damit auseinandergesetzt, dass ich Künstler bin. Vorher war ich nur jemand, der sich für die Musik so sehr interessiert hat, dass er alles andere vergessen hat.

Ist Dir Dein Talent sozusagen in die Wiege gelegt worden?
Ich denke, wenn man sich für irgendwas interessiert und sich darin verliert - sofern man die Möglichkeit hat, sein Ding zu finden, rechtzeitig, dann entwickelt man auch ein Talent dafür.- Oder wird da auch gut drin, wenn man den Ehrgeiz hat. Wenn man sich in irgendwas verliert, dann hat man den Ehrgeiz. Das hat bei mir einfach zeitig angefangen. Aber ich denke, dass es als Kind auch schon so war. Das hatte ich auch schon, schlimmer als jetzt, Mittelpunktsucht. (lacht)

Welche Leidenschaften außer der Musik gibt es noch in Deinem Leben?
Ojeoje…(lacht verschmitzt, überlegt kurz) Ich habe halt ein Umfeld wie hier (im Zughafen - die Studiogemeinschaft, d.R.), da kann ich mich zurückziehen. Oder ich geh halt auch gern in die Sauna oder irgendsowas. Fahr' dann halt komplett runter. Möglichst da, wo es sehr ruhig ist.

Dein neues Album heißt "Weit weg" aber Du lebst selbst noch immer in Erfurt…
Ich bin hier zu Hause, ich bin halt hier geboren, ich kenne mich aus. Jede Ecke hat so'n Feeling, finde ich…. - oder sagen wir… Als Künstler, wenn Du irgendwie verarbeitest…. - du bist halt wie ein Journalist, du bist unterwegs und saugst auf, die ganze Zeit. Und ich finde das Netzwerk, was in 'ner kleinen Stadt herrscht, viel gesünder und informativer - da kriege ich viel mehr mit als in 'ner Großstadt. Ich finde es ganz wichtig, ein Zuhause zu haben. Und so war halt Erfurt mein zu Hause, weil ich hier geboren bin, aber auch weil es von der Stadt gepasst hat - also die goldene Mitte…

Was hat es mit Deinem neuen Song "Winter Sommer" auf sich?
Also "Winter Sommer" ist auch so 'n Song… manche Leute finden den komplett geil und manche kommen nicht damit klar, weil ich da den Chorus in Kopfstimme singe die ganze Zeit, so richtig hoch. Und das ist sehr wacklig, was für mich aber auch gepasst hat zum Song, weil er so ein bisschen zerbrechlich ist.

Weißt Du, wie viele Autobahnkilometer Dein Album hält…
Das würde mich auch mal interessieren… (lacht) Das ist aber auch so'n Ding… Ich denke auch oft daran, wenn ich Musik mache, dass man das im Auto auch hören kann. Da habe ich so den Gedanken zu, weil dieses Rausfahren, was sehen und dann die Musik dazu, die so'n bisschen Hörspiel-Feeling hat… für mich ist da immer irgendein Film, der abläuft. - Ich mache selten Songs, die einfach nur so dahin dudeln - sondern ich mache halt immer Filme, so 'ne Art Geschichte…

Wie gehst Du mit dem stetig wachsenden Erfolg um?
Bei den ersten drei Konzerten mit den Fantas (Die Fantastischen Vier, d.R.) habe ich gedacht: "Nee das ist die Spitze vom Eisberg!" Da war für mich noch die erste Überlegung, ich glaube, so viele Menschen will ich gar nicht begeistern. Und als ich gemerkt hab', es funktioniert, dann habe ich gedacht: Na klar will ich so viele Leute begeistern und ich weiß jetzt, dass es geht. Es kamen Reaktionen nach den letzten Konzerten, die so heftig waren, dass ich gesagt habe: "Cool, das will ich!! - aber ich brauch 'nen Ausgleich". Insofern würde ich immer Geheimkonzerte machen oder Sachen in Cafés spielen, auf der Gitarre. Das haben wir jetzt in Weimar gemacht, da waren 400 Leute da, die saßen da einfach auf dem Boden. Und das würde ich halt niemals missen wollen.

Du hast permanent Ideen für neue Songs. Wonach wählst du aus, was aufs Album kommt?
Völlig egal. Wenn es mich gerade überkommt, dann wird auch in 'nem Interview schnell mal was aufgeschrieben (lacht). Also das hat dann auch Vorrang. Wenn ich 'ne Idee habe und merke da tröppelt irgendwie ein Satz oder irgendwas, dann mach ich das gleich. Da kann meine Mutter draußen mit Kuchen warten… die muss dann ein bisschen warten (lacht)

Chicago ist eine sehr gute Vorlage, wie auch die Songs zuvor. Jetzt nachzuziehen ist schwierig…
Ich hatte irgendwie Angst, wie kann ich das jetzt toppen? Die Alben kommen scheinbar alle so 'n bisschen von hinten rum, die kommen nicht sofort, wenn du sie hörst. Es hat ewig gedauert. Die Konzerte waren nicht voll, als Vorband hat uns keiner gekannt. Und es war sauschwer, den Leuten 'n Lied zu präsentieren, so dass sie jedes Wort verstehen, dass die den Song mitfühlen und dann am Ende noch mit rocken. Und dann war es so, plötzlich so nach 2 Jahren oder nach 1,5 Jahren, nachdem das Album draußen war, kamen plötzliche Leute in Essen oder so auf 'nen Festival und du gemerkt hast: fast 80 % singen die Songs mit. Das zu toppen, dieses Gefühl wiederzuerlangen mit 'nem Album, da lass ich mich jetzt überraschen.

Wovon träumst du noch?
Das willst du nicht wissen... (lacht laut)

Doch!
Ich lebe jetzt nicht so in dem: "Ich möchte da und da leben und das möchte ich unbedingt erreichen." Ich find's gut, gerade wo ich bin und ich weiß, der schönste Moment den Künstler haben, ist die goldene Mitte, glaube ich zumindest. Ich bin nicht so bekannt, das es mir auf den Sack geht, auf die Straße zu gehen - und ich bin nicht so unbekannt, dass ich Angst haben muss, mich erkennt keiner. Es ist so 'ne gesunde Steigerung zu erkennen. Und das finde ich eigentlich cool. Insofern träume ich von nichts anderem als dass es so weiter geht. Natürlich habe ich auch so romantische Träume, dass ich denke, ach irgendwann mal möchte ich auch mal einen Bauernhof mit Familie. Finde ich auch geil die Idee, aber nicht jetzt.

Wo trifft man Clueso privat?
In der Sauna! (und wieder das ansteckende, herzliche Lachen)
Ich wohne in der Nähe vom Anger 1, da hole ich meine Brötchen. Insofern kannst du mich da vielleicht treffen.

Wie sieht der perfekte Tag für Dich aus?
Boah… wenn ich auf was zurückgucken kann, was geschafft habe. Am coolsten ist es… der perfekte Tag ist für mich, ein Ergebnis zu haben. Also nach 3 Tagen Arbeit etwas in der Hand zu halten, was vorher im Kopf war. Das finde ich immer faszinierend, das ist cool. Und der perfekte Tag… wenn alles klappt, wenn du eigentlich nichts organisieren musst und es am Ende aussieht, als hättest du voll den Plan gehabt. - Das ist der geile Tag! (lacht)