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Die Laterne die Wünsche sammelt
Am Rand eines kleinen Dorfes, abgelegen in einem Tal und umgeben vom Wald, stand eine alte Laterne. Tagsüber beachtete sie kaum jemand, doch nachts, wenn sie hell leuchtete, kamen Leute aus dem Dorf, um der Laterne ihre Wünsche zu erzählen.
Die kleine Mira, die mit ihrer Familie auch in diesem Dorf lebte, hatte natürlich von der Wunsch-Laterne gehört und als sie eines Nachts nicht einschlafen konnte, schlich sie sich hinaus und ging zur Laterne am Waldrand.
Sie schaute hinauf zur Laterne und flüsterte leise: "Ich wünschte, Papa müsste nicht so weit weg arbeiten." Er ist immer so lange unterwegs und ist fast nie zuhause”
Die Laterne flackerte sanft und Mira schaute erstaunt, war das ein Zeichen? Hörte die Laterne ihr tatsächlich zu? Mira lächelte und ging zurück nach Hause in ihr Bett voller Hoffnung.
Nach und nach kamen immer wieder andere Dorfbewohner zu der Laterne, um ihr ihre Wünsche zu beichten. Ein Junge, der mutiger sein wollte, eine Frau, die das Lachen ihres Mannes vermisste, ein alter Mann, der sich weniger Schmerzen wünschte und mit jedem Wunsch schien die Laterne heller zu leuchten.
Jeder, der unter der Laterne stand und sich etwas wünschte, fühlte sich etwas hoffnungsvoller.
Manchmal fanden die Leute eine Lösung zu ihren Problemen und manchmal fühlten sie sich einfach etwas wohler mit dem Gedanken, ihre Wünsche und Sorgen losgeworden zu sein.
Mira kam oft zurück zur Laterne und eines Abends fragte sie: “Erfüllst du eigentlich wirklich Wünsche?”
Die Laterne antwortete natürlich nicht, sie war ja schließlich nur eine Laterne, aber ihr licht schien ein wenig sanfter und Mira begann zu verstehen, die Laterne konnte keine Wünsche erfüllen aber man fühlte sich leichter wenn man ihr seine Wünsche erzählte, als wenn einem ein Gewicht von den Schultern genommen wurde.
Eine Weile lang besuchte Mira die Laterne nicht mehr, aber als sie eines Nachts wieder kam, brachte sie keinen Wunsch, stattdessen sagte sie zu der Laterne: “Danke, dass du mir zugehört hast.”
In dieser Nacht leuchtete die Laterne so hell wie nie zuvor und Mira schlief tief und fest, ganz ohne Sorgen und Albträume.
Gute Nacht.



