Internetsucht – die Sorge, wenn Smartphone und PC übermächtig werden

Mein Kind schaut nur noch auf das Smartphone oder sitzt am PC – ist es internetsüchtig?

Stärker werdende Sorge

Immer mehr Kinder und Jugendliche besitzen ein Smartphone. An der Haltestellen oder während des Laufens wird auf den technischen Begleiter geschaut und mit Freunden gechattet oder ein neues Handyspiel gezockt. Für Eltern steigt die Sorge, ihr Kind könnte internetsüchtig sein oder werden.
Internetsucht wird häufig mit exzessiver Nutzung des Internets in Verbindung gebracht, dabei spielt es keine Rolle, ob sich mit mehrere Tätigkeiten oder nur einer beschäftigt wird. Experten äußern sich, das 8–12 Stunden täglich bei älteren Kindern bedenklich seien.

Doch das ist nicht ganz korrekt. Von einer Sucht spricht man erst, wenn der Suchtgegenstand die Gedanken und das Verhalten beherrscht. Alles wird dem Verlangen untergestellt und alles andere vernachlässigt, bis hin zu einem Selbst. Die Wissenschaft diskutiert noch darüber, ob eine Internetsucht wirklich eine Sucht ist und nicht eventuell etwas wie eine Zwangsstörung oder eine Störung der Impulskontrolle. Die Zuteilung ist gerade für die Behandlung wichtig. Im Januar 2018 hat die WHO, die Weltgesundheitsorganisation, die Videospielsucht („Gaming Disorder“) als Erkrankung anerkannt. Das umfasst zwar nicht alle Felder der Internetsucht, bietet jedoch einen Ansatz.


Doch wie erkenne ich, ob mein Kind betroffen ist?


Es gibt eine grobe Liste von Verhaltensauffälligkeiten, auf die Eltern achten können:


1) Das Internet entwickelt sich zur vorherrschenden Aktivität der Freizeit.
2) Das Internet wird früheren Hobbys vorgezogen.
3) Die schulischen Leistungen und/oder der Kontakt zu Freunden, Mitschülern und der Familie leiden infolge der Internetnutzung.
4) Um sich gut zu fühlen, muss immer mehr Zeit auf das Medium verwendet werden.
5) Das Internet wird genutzt, um negative Stimmung zu vermeiden oder von negativen Gefühlen zu flüchten.
6) Die Dauer der Zeit, die im Internet verbracht wird, wird verschwiegen oder falsch dargestellt.
7) Versuche, die eigene Internetnutzung zu kontrollieren und sich an Regeln über die Nutzungszeit zu halten, bleiben erfolglos.
8) Fehlt die Möglichkeit online zu sein, tauchen vermehrt Gefühle wie Gereiztheit, Traurigkeit oder Ängstlichkeit auf.
9) Trotz bereits entstandener Probleme wird die Internetnutzung fortgesetzt.

 

Selbst wenn ein oder zwei Punkte auftreten, bedeutet das noch nicht automatisch eine Sucht. Diese kann nur ein Therapeut wirklich bestätigen.
Hier sei darauf hingewiesen, dass viele Texte von einer „hohen Suchtgefährdung“ reden. Die Betonung liegt auf Gefährdung. Das heißt es kann, muss aber nicht auftreten.

Bei Suchtkrankheiten gibt es oft viele Gründe warum die Sucht begonnen haben kann. Viele Suchtkranke haben traumatische Erlebnisse hinter sich oder haben allgemein Probleme mit einem gesunden Sozialverhalten. Oft haben sie ein gestörtes Selbstwertgefühl und leiden unter Depressionen. Das Belohnungszentrum arbeitet bei Suchtkranken nicht richtig und ist meistens gestört. Es müssen mehre Faktoren zusammenkommen, damit eine intensive Nutzung zur Sucht wird.
Es kann auch einfach nur zu einer Phase kommen in der die Nutzung stark ansteigt. Kinder oder Jugendliche z. B. bekommen durch ein eigenes Smartphone Unabhängigkeit oder die Möglichkeit auf Selbstbestimmung. Auch sind viele Faktoren auf die Pubertät zurückzuführen, in der es nicht selten wird, das sich Dinge beim Kind verändert und die sozialen Kontakte zur Familie weniger intensiv sind.


Initiative der Eltern ist wichtig


Hier sind die Eltern gefragt! Sie müssen ihr Kind einschätzen um sagen zu können, dass es eine gravierende Veränderung ist oder nicht. Vor allem sind sie aber gefragt auch ihren eigenen Medienkonsum zu hinterfragen. Wie vorbildlich gehen sie selber, z. B. mit dem Smartphone, um?
Neben einer Offenheit dem Thema Internet gegenüber ist eine gewisse Akzeptanz und Toleranz vonnöten. Denn Zeiten verändern sich! Es wird sie z. B. nichts bringen die Technik grundsätzlich als schädlich hinzustellen. Kinder und Jugendliche reagieren dann eher abweisend, da sie sich nicht verstanden glauben.

Zudem ist es die Aufgabe der Eltern dem Nachwuchs den richtigen Umgang mit dem Medium zu lehren. Dazu gehört Aufklärung zum Datenschutz (Welche Informationen über mich selbst veröffentliche ich?) oder was gute und schlechte Webseiten sind. Wenn ihr eurem Kind den richtigen Umgang beibringen wollt, kommt ihr nicht drum herum selbst das Medium zu verstehen. Initiativen wie SCHAU HIN oder klicksafe.de liefern für Kinder, Jugendliche und Eltern Informationsmaterial für den richtigen Umgang mit dem Internet und jedem anderen Medium.Doch noch wichtiger als Verständnis: REGELN!


In einer Studie des DAK wurde ermittelt, dass ein Drittel der Familien keine Vorgaben zu den Inhalten und Zeit der Internetnutzung machten. Wenn das Kind mit in den Entstehungsprozess eingebunden wird, bekommt es ein Gefühl verstanden zu werden und nicht nur von oben herab kontrolliert zu werden.

 

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