Patchworkfamilie

Beitrag von Margarethe List

Die Trennung der Eltern ist für Kinder jeden Alters schwer zu verarbeiten. Immerhin waren Mama und Papa der Mittelpunkt des Lebens. Kommt ein neuer Partner in die Familie können einige Probleme auftreten. Das Vorhaben Patchworkfamilie gestaltet sich dann schwierig.  Unsere Pädagogin Margarethe List geht der Frage nach welche Probleme in einer Patchworkfamilie auftreten können und wie man mit ihnen umgeht. Außerdem erfahrt ihr, wie Kinder jeden Alters mit dem neuen Lebensabschnitt Patchworkfamilie umgehen. 

Patchworkfamilie

Was ist eine Patchworkfamilie?

Märchen haben uns eines gelehrt: Wenn sich Mama und Papa trennen, kommt irgendwann die böse Stiefmutter, oder der böse Stiefvater nach Hause. Das Leben ist dann nicht mehr lustig, denn Mama oder Papa haben dann nur noch Augen für die neue Liebe.

Gut, dass das alles nur Märchen sind. In der Realität kann die neue Beziehung nach einer Trennung ganz anders aussehen: eine Patchworkfamilie kommt dann zusammen, wenn mindestens ein Partner ein Kind aus einer früheren Beziehung in die neue Beziehung einbringt. Manchmal haben beide Partner Kinder aus der vorangegangenen Beziehung. Kunterbunt wird es, wenn dann noch ein gemeinsames Kind das Licht der Welt erblickt. Egal wie eine Patchworkfamilie zusammenkommt – sie alle haben eine Geschichte, die nach einem guten Ende sucht. Natürlich verläuft dieser neue Lebensabschnitt nicht immer reibungslos. Denn wie es schon im Name steckt: eine Patchworkfamilie bedeutet Arbeit! Kinder verkraften die Trennung der Eltern und das Kennenlernen des neuen Partners je nach Alter und Charakter ganz unterschiedlich. Als Eltern sollte man einen guten Zeitpunkt abwarten, um den neuen Partner vorzustellen. Es bietet sich an den neuen Partner Schritt für Schritt in das Familienleben einzuführen. Sowohl für das Kind, als auch für den neuen Partner braucht es Zeit, die neue Situation zu erfassen und einen Weg zu finden, den alle gern beschreiten.

Probleme in einer Patchworkfamilie

Das Projekt Patchworkfamilie zu starten, hängt von der wichtigsten Sache der Welt ab: den Gefühlen des Kindes. Der bisherige Ankerpunkt im Leben des Kindes ist weggefallen: Mama und Papa als liebendes Paar gibt es nicht mehr. Die wichtigste Regel, die man beachten sollte: eine Patchworkfamilie braucht sehr viel Zeit, Geduld und vor allem Kraft. Es wird Zeiten geben, in denen man an dieser „neuen Familie“ verzweifelt und am liebsten alles beenden möchte. Doch wie in vielen anderen Lebensbereichen brauchen die Gefühle eines Menschen genügend Zeit und Aufmerksamkeit um sich neu zu ordnen.

Außerdem sollte man sich keine Illusionen zu machen. Das Projekt Patchworkfamilie ist harte Arbeit. Mamas und Papas, aber auch die neuen Partner der Eltern-Kind-Familie sollten sich kleine, erreichbare Ziele setzen. Wer zu hohe Erwartungen stellt, kann stark enttäuscht werden. Niemanden der Beteiligten ist geholfen wenn zu viel Druck auf andere, oder sich selbst ausgeübt wird. Tief durchatmen und neue Kräfte sammeln ist die Devise. Dem Kind sollten dabei Rückzugsmöglichkeiten eingeräumt werden, um die eigenen Gedanken und Gefühle zu ordnen.

Die neuen Partner müssen daher sehr verständnisvoll sein, auch wenn es zu Zeiten von Zorn, Vorwürfen und Traurigkeit schwerfällt.  Auch wichtig: Eifersucht ist in einer Patchworkfamilie völlig unangebracht! Das schadet allen aufgebrachten Vertrauen gegenüber Kind und Partner. Wer sich dafür entscheidet der neue Partner in einer Eltern-Kind-Beziehung zu sein, wird den Expartner aus dem Patchworkfamilienleben nicht ganz heraushalten können. Schließlich müssen Mutter und Vater Abmachungen bezüglich des Kindes treffen.   

Mein Kind akzeptiert meinen neuen Partner nicht – und nun?

Natürlich spielt der Charakter des Kindes eine entscheidende Rolle und wie sich die Eltern getrennt haben, wenn  So klein Kinder auch sein mögen: man darf sie nicht unterschätzen! Kinder bemerken mehr, als man denkt. Dementsprechend ernsthaft sollte man an das Projekt „neuer Partner in der Familie“ arbeiten. 

Ist das Kind im Kindergarten hat es ein „egozentrisches Denken“. Das heißt, dass es alle Abläufe der Welt auf sich selbst bezieht. Wenn sich Mama und Papa trennen, könnte das Kind glauben, dass es selbst der Grund sei weshalb die Eltern nicht mehr zusammenleben wollen. Wut, Zorn, Eifersucht könnte es dann auf den neuen Partner übertragen. Der neue Partner sollte diese Gefühlsausbrüche nicht als einen Weltuntergang aufnehmen. Es ist völlig natürlich, dass das Kind sich gegen diese Neuerungen wehrt. Vieles bringt die Zeit mit sich. Allerdings kann man folgenden Tipp wahrnehmen: Schaffen Sie neue Rituale! Ausflüge, Hobbys oder andere Gelegenheiten, die das Kind nur im Kreise der neuen Patchworkfamilie unternimmt. Allerdings sollten altbewährte Rituale weitergeführt werden, um das Kind nicht völlig aus seinem bisherigen Lebensalltag herauszureißen.

Schwierig wird es ab der Altersklasse der Grundschulkinder. Bis Kinder in die Schule kommen, haben sie mit ihren Eltern schon viel erlebt: die ersten Schritte, die ersten Worte, Urlaube, Ausflüge, der erste Tag im Kindergarten, viele Geburtstagsfeiern und alles, was das Leben spannend und bunt macht. Mama und Papa waren stets an der Seite, haben Tränen getrocknet, herzhaft über Witze gelacht und das schwierige 1x1 erklärt. Eine Trennung wird von Kindern in dieser Altersgruppe bewusst erlebt.

Auch hier bietet es sich an neue Rituale einzuführen, die das Kind erkennen lassen, dass die neue Familie genauso Spaß haben kann. Aber das alte Rituale weiter zelebriert werden – denn sie sind wichtig, um den Halt im Leben nicht zu verlieren. Geben Sie dem Kind die Zeit, die es braucht um sich auf das neue Leben einzustellen. Das ist für ein Kind ab dem Grundschulalter schwieriger als für ein Kindergartenkind, da es sich in einer Lebensphase der Orientierung befindet: Familie, Freunde und der eigene Charakter müssen zusammenpassen. Die Trennung der Eltern wirft dieses Gefüge durcheinander. Deshalb: reden Sie mit Ihrem Kind, aber überfordern Sie es nicht mit Hypersensibiltät, großen Erwartungen, oder übermäßiger Aufmerksamkeit!

Im Teenager-Alter die Trennung der Eltern zu erleben, ist ein großer Stich ins Herz. Wenn die Hormone verrücktspielen, ist es gut, wenn das restliche Leben in seinen gewohnten Bahnen bleibt. Eine Trennung verkompliziert das Teenager-Leben zusätzlich. Bereiten Sie sich als Eltern darauf vor, dass Ihnen verschiedene Gefühlsausbrüche entgegenkommen werden: Zorn, Wut, Eifersucht, Hass, Traurigkeit, Verzweiflung, Unverständnis…

Es könnte möglich sein, dass sich Ihr Teenager völlig zurückzieht und niemanden sehen will. Eine normale Reaktion, da Ihr Kind vor dem Erwachsenenalter steht und versucht Probleme mit sich selbst auszumachen. Der Freundeskreis ist in diesem Alter besonders wichtig. Seien Sie nicht gekränkt, wenn Ihr Kind in diesem Alter nicht mit Ihnen, sondern lieber mit der besten Freundin oder dem besten Freund reden will. Die Zeit wird dafür kommen, dass sich Ihr Kind an sie wendet und Ihnen sagen will, wie es sich mit der neuen Situation fühlt.

 

Pädagogisch geprüft

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