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Sicherer Schulweg für Alle

Beitrag von Förderverein Kinderfreundliches Stuttgart e.V.
Der Stuttgarter Fußgängerschein feiert 10. Geburtstag – und entwickelt sich weiter. In diesem Jahr erscheinen die Begleitmaterialien zur Verkehrsfrüherziehung an Grundschulen erstmals nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Arabisch, Kurdisch, Englisch und Serbisch. Damit wollen der Förderverein Kinderfreundliches Stuttgart e.V., die Verkehrspolizei Stuttgart, das staatliche Schulamt und die Allianz einen Beitrag zur Integration von Flüchtlingsfamilien leisten.

Fußgängerschein jetzt auch auf Arabisch, Kurdisch, Englisch und Serbisch

Wie verhalte ich mich am Zebrastreifen? Kann ich einfach loslaufen, wenn die Fußgängerampel auf Grün springt? Wer sich zum ersten Mal alleine auf den Schulweg macht, muss sich vielen Fragen rund um die Verkehrssicherheit stellen. Auch in diesem Jahr wurden in Stuttgart wieder rund 4.500 Kinder durch die Einschulung erstmal zu Teilnehmern im Straßenverkehr. Zur Prävention von Schulwegunfällen ist die Verkehrsfrüherziehung seit 2005 fester Bestandteil des Lehrplans an den 78 Grundschulen in Stuttgart. Insgesamt haben inzwischen rund 45.000 Kinder den Stuttgarter Fußgängerschein in der Tasche.

„Der Kinderfußgängerschein ist ein wesentlicher Baustein einer erfolgreichen Verkehrssicherheitsarbeit und trägt dazu bei, die Zahl der Schulwegunfälle auf niedrigem Niveau zu halten“, sagt Kriminalrat Ludwig Haupt, Leiter des Referats Prävention des Polizeipräsidiums Stuttgart. [Bitte aktualisieren und ergänzen:]Im Jahr 2013 sind in Stuttgart 149 Kinder bei Verkehrsunfällen verletzt worden. Die Zahl der Unfälle mit Kindern unter 14 Jahren ging von 124 auf 99 im Vergleich zum Vorjahr zurück. Im Zehnjahresvergleich ist das der niedrigste Wert. Von den 149 verletzten Kindern waren 63 als passive Verkehrsteilnehmer am Unfallgeschehen beteiligt, beispielsweise als Mitfahrer in einem Auto. Die Schulwegunfälle haben sich im Jahr 2013 um drei auf 16 verringert. Hauptursachen in den von Kindern verursachten neun Verkehrsunfällen, waren plötzliches Hervortreten hinter Sichthindernissen und das Betreten der Straße, ohne auf den Verkehr zu achten. Bei den von Fahrzeugführern verursachten Schulwegunfällen war im Wesentlichen falsches Verhalten an Fußgängerwegen ursächlich.]

Vorbildfunktion der Eltern

Entwickelt wurde das bundesweit einzigartige Konzept zur flächendeckenden Verkehrsfrüherziehung vom Förderverein Kinderfreundliches Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Verkehrspolizei Stuttgart und dem staatlichen Schulamt. „Die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen im Straßenverkehr ist uns ein wichtiges Anliegen. Gerade die Erstklässler sind hier besonders gefährdet. Wir wollen den Kindern mehr Sicherheit auf dem Schulweg vermitteln und gleichzeitig den Eltern bewusst machen, wie sehr sie gerade im Straßenverkehr für ihre Kinder Vorbild sein müssen“, unterstreicht Stefan von Holtzbrinck, Vorsitzender des Fördervereins Kinderfreundliches Stuttgart.

Das Training beginnt gleich nach der Einschulung mit einem theoretischen Teil, in dem die eigenverantwortliche Teilnahme am Straßenverkehr auf dem Schulweg im Mittelpunkt steht. Im Anschluss folgt ein praktisches Training, bei dem die Kinder mit einem Verkehrspolizisten den sicheren Weg zur Schule üben. Als Anerkennung für die Teilnahme erhalten die Kinder zum Abschluss einen bunten Anspitzer in Form eines Motorradhelms und ihren Kinderfußgängerschein. „Das liebevoll gestaltete Dokument macht die Kinder total stolz“, sagt die Leitende Schulamtsdirektorin Almuth Windisch. Sie hat das Projekt Fußgängerschein von Anfang an unterstützt, weil es der pädagogischen Auffassung des staatlichen Schulamts entspricht, Kinder zur Selbstständigkeit zu erziehen. Windisch: „Kinder sollen ihren Weg ohne Angst gehen können. Das lernen sie auf ganz verlässliche Art in diesem Training mit der Verkehrspolizei vor Ort.“

Beitrag zur Integration

Auch in der Praxis kommt der Fußgängerschein gut an. Nach Einschätzung von Ingrid Vanek, Leiterin der Carl-Benz-Schule in Bad Cannstatt, wirkt das Training einer Entwicklung entgegen, die sie seit Jahren mit Sorge beobachtet: „Es wird leider immer seltener, dass Kinder alleine zur Schule gehen. Nicht etwa, weil die Wege lang oder schlecht wären, sondern weil immer mehr Eltern die Kinder lieber mit dem Auto bringen.“ Durch verbotswidriges Parken und riskante Wendemanöver stellten manche Eltern im Schulbereich dann sogar noch ein zusätzliches Verkehrsrisiko dar. Vanek: „Vor allem fehlt den Kindern, die immer gefahren werden, die Sicherheit, sich selbstständig im Straßenverkehr zu bewegen.“

Um die Eltern bei der Verkehrserziehung mit ins Boot zu holen, wird das Programm durch Informationsmaterial für die Erziehungsberechtigten abgerundet. Um einen Beitrag dazu zu leisten, dass auch die steigende Zahl von Kindern aus Flüchtlingsfamilien den Schulweg sicher bewältigen, wurden diese Elternbriefe in diesem Jahr erstmals auch ins Serbische, Kurdische, Arabische und Englische übersetzt. „Wir müssen in der Verkehrserziehung neue Wege suchen, um an die Kinder heranzukommen, die ganz neu und ohne jegliche Vorkenntnisse in unsere Stadt kommen“, erläutert Brigitte Preuss, Leiterin Personal der Allianz am Standort Stuttgart, die sich im Förderverein mit der Weiterentwicklung des Fußgängerscheins befasst. „Die Sorge um die Sicherheit der Kinder eint Eltern aller Kulturen. Wir hoffen daher, dass wir mit der Übersetzung auch einen Beitrag zur Integration der Flüchtlingsfamilien leisten können.“ 

Bild: © Fotolia / Manuel Schönfeld; Fotolia / Natallia Vintsik