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Der Garten zwischen den Welten

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Wenn die Welt schläft, erwacht der Garten zwischen den Welten. Ein silberner Pfad, leuchtende Füchse und eine Hüterin der Träume wachen über das fragile Gleichgewicht von Hoffnung und Wirklichkeit. Wer mit offenem Herzen schläft, könnte ihr begegnen und spüren, dass selbst verlorene Träume ihren Weg nach Hause finden.

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2:32 Minuten

Zum Vorlesen

Als der Mond in dieser Nacht besonders hell schien, öffnete sich am Rand des alten Waldes ein Pfad, den nur wenige sehen konnten. Er war schmal, von silbrigem Licht umhüllt, und führte zu einem Ort, der zwischen Traum und Wirklichkeit lag.

Dort lebte Airi, ein stilles Wesen mit schimmernden Augen, die das Licht der Sterne widerspiegelten. Sie war eine Hüterin der Übergänge, nicht ganz Mensch, nicht ganz Geist. Wenn die Welt zur Ruhe kam und die Menschen schliefen, wanderte sie durch den Garten zwischen den Welten und sorgte dafür, dass Träume ihren Weg fanden.

In dieser Nacht raschelten die Blätter leise, als kleine Lichtfüchse zwischen den Bäumen auftauchten. Ihre Schweife glühten sanft blau, und sie bewegten sich lautlos wie Gedanken. Sie brachten Nachrichten aus fernen Träumen, manchmal auch verlorene Hoffnungen, die wieder ihren Platz finden mussten.

Airi kniete sich an einen Teich, dessen Wasser wie flüssiger Himmel aussah. Darin spiegelte sich eine riesige Gestalt: ein Schlafdrache, uralt und friedlich, der tief unter der Erde ruhte. Mit jedem Atemzug ließ er die Welt ein kleines bisschen weiterdrehen. Solange er schlief, blieb das Gleichgewicht erhalten.

Plötzlich wehte ein kalter Wind. Ein Traum hatte sich verirrt, ein einsamer, trauriger Traum. Airi hob ihre Hand, und ein warmes Leuchten floss aus ihren Fingerspitzen. Die Lichtfüchse sammelten sich um sie, und gemeinsam führten sie den Traum zurück zu seinem Besitzer, einem Kind, das unruhig schlief.

Als alles wieder still wurde, setzte sich Airi unter einen Baum mit schwebenden Blüten. Der Garten atmete ruhig. Die Sterne funkelten, als würden sie lächeln.

Bevor der Morgen kam, löste sich der Pfad im Wald langsam auf. Doch wer mit offenem Herzen schlief, konnte Airi manchmal noch spüren, wie ein Gefühl von Sicherheit, wie ein sanftes Versprechen.

Und so schlief die Welt weiter, behütet von Wesen, die nur nachts existierten.

 

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