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Gute-Nacht-Geschichte "Die kleine Katze Minka büchst aus"

Gute-Nacht-Geschichte "Die kleine Katze Minka büchst aus"

Eine Geschichte von Franziska Selig

Gemütlich streckt sich die kleine Katze Minka. Das war vielleicht ein schöner Traum: Ein großer Teller mit Thunfisch – nur für sie. Kein Wunder, dass sie von ihrem knurrenden Magen geweckt wurde. Es ist allerhöchste Zeit fürs Frühstück. Ein letztes genüssliches Gähnen und schon ist sie bereit für den leckeren Start in den Tag. Doch als sie sich umblickt, sieht es leider gar nicht nach Frühstück aus, denn ihre Menschen liegen tatsächlich noch im Bett.

Mit einem großen Sprung landet sie auf dem Rücken ihres Herrchens. „Miauuuuu. Ich habe Huuuuuunger!“, mit einem lauten Miauen versucht sie auf ihr Dilemma aufmerksam zu machen. „Ich bin schon am verhuuuungern. Miauuuu!“ Um zu zeigen, wie dramatisch die Situation schon ist, läuft sie über seinen Rücken bis hin zum Kopf und schiebt ein lautes Miau hinterher. „Noch 5 Minuten, Minka.“, nuschelt ihr Futtergeber. 5 Minuten? In 5 Minuten ist die kleine Katze doch schon verhungert. Sie läuft noch eine Runde über den Rücken und miaut im Sekundentakt. Er muss doch verstehen, wie ernst die Lage bereits ist.

Als ihre Besitzer dann endlich aufstehen, ist das Frühstück der kleinen Katze jedoch kein Thema mehr. „Was schon so spät? Oh nein, ich habe verschlafen.“ Plötzlich ist im Schlafzimmer großes Gewusel und ihre Menschen springen wild hin und her. Nanu? Was ist denn nun los? Mit großen Augen beobachtet Minka das Geschehen. Als beide Menschen einfach an ihr vorbei huschen, ohne sie zu beachten, ahnt sie bereits Böses. Und wirklich: Wenige Minuten später verschwinden beide durch die große Tür, durch die sie jeden Morgen verschwinden. Verdutzt tapst sie in den Flur. Nur um zu sehen, dass wirklich niemand mehr da ist. Aber was ist das? Die große Tür steht ja offen.

Mit vorsichtigen Schritten läuft die schwarze Katze in Richtung der Tür. Schon immer hatte sie sich gefragt, was hinter dieser großen Tür, durch die ihre Menschen für so lange Zeit verschwanden, wohl steckte. Neugierig steckt sie ihren Kopf durch den Spalt. In dem Moment ertönt ein lautes Knallen von unten. Erschrocken zuckt die kleine Katze zurück und lauscht einen Moment. Nichts passiert. „Sei nicht so ein Angsthase!“, flüstert sie sich selbst zu und schüttelt ihr kleinen Kopf. Beim nächsten Versuch ist sie schon mutiger – bis zu den Vorderpfoten steht sie bereits im Treppenhaus. Zwei Schritte weiter und schon ist sie komplett draußen.

„Wie aufregend, ich war noch nie allein hier draußen. Immer nur in dieser blöden Box, wenn es zum Tierarzt geht.“, aufgeregt schnuppert die kleine Minka umher. Es riecht ganz anders als zuhause.  Plötzlich vernimmt die schwarze Katze ein Geräusch. Sie spitzt die Ohren. Das Geräusch klingt so ähnlich, wie wenn ihre Menschen wieder nach Hause kommen. Nur irgendwie stärker. Erschrocken reißt sie die Augen auf, als plötzlich ein Mensch in ihr Blickfeld kommt. Das ist eindeutig keiner ihrer Besitzer. Schnell schaut sie zurück zur Tür, hinter der ihr vertrauter Geruch auf sie wartet. Doch der Mensch ist schon viel zu nah, das schafft sie nicht. Dann bleibt ihr nur der Weg nach oben. Hastig springt sie von einer Stufe auf die nächste. Immer schneller. Immer höher.

Auf einmal geht es nicht mehr weiter. Da sind keine Treppenstufen mehr, die sie erklimmen kann. Nur zwei große Türen, wie die aus der sie gekommen ist. Sie spitzt die Ohren. Den Menschen hat sie abgehangen, sehr gut. Doch wohin nun? Da meldet sich ihr knurrender Magen zu Wort – Richtig das Frühstück war ja heute ausgefallen. Es wäre doch gelacht, wenn sie die Tüte mit den Leckereien nicht wieder von allein aufbekommt. Das hatte die letzten Male auch schon so gut geklappt. Danach hatten ihre Menschen zwar geschimpft, aber diesmal sind sie eindeutig selbst schuld. Auf leisen Pfoten springt die kleine Katze die Stufen wieder herunter. In der Eile hatte sie sich jedoch nicht gemerkt, an wie vielen Türen sie vorbeigerannt war und die sehen alle gleich aus. Da ertönt von unten wieder ein lauter Knall, dicht gefolgt von leisen Schritten. Minka spitzt die Ohren, das Geräusch kommt ihr sehr bekannt vor. „Miauuu“, ruft Minka dem Geräusch entgegen und fängt an die Stufen hinunterzuspringen.

„Minka?“, die Augen ihrer Besitzerin sind riesengroß als die schwarze Katze die letzte Stufe hinunterspringt und schließlich vor ihr steht. „Was machst du denn hier draußen? Bist du etwa ausgebüchst? Mein kleiner Schatz, was dir hätte passieren können.“, ihre Besitzerin drückt die kleine Minka stark an ihre Brust und gibt ihr einen Kuss auf den Kopf. Minka gibt ein empörtes Miauen von sich, schließlich haben doch ihre Menschen ihr Frühstück vergessen und die Tür offengelassen. „Du hast großen Hunger, oder? Ich bin gleich umgekehrt als es mir eingefallen ist. Tut mir leid, kleine Minka, dafür bekommst du jetzt eine große Portion Thunfisch!“ Hatte sie grad Thunfisch gesagt? Zufrieden schmiegt sich die kleine Katze an ihre Besitzerin. Zuhause ist es doch am schönsten.

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