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Gute-Nacht-Geschichte "Schiff ahoi!"

Eine Geschichte von Ingrid Annel
Gute-Nacht-Geschichte "Schiff ahoi!"

»Auspacken können wir später«, rufen Anja und Paul wie aus einem Mund. Viele Stunden hat die Fahrt in den Urlaub gedauert, jetzt wollen sie sofort an den Strand, die Ostsee begrüßen.

Als sie oben auf der Düne stehen, öffnet sich vor ihnen die Weite des Meeres und des Himmels. Der ganze Strand ist voller Menschen. Überall hocken Kinder am Ufer, um Sandburgen zu bauen.
»Da hinten ist noch ein freier Platz«, zeigt Paul am Ufer entlang. Unterwegs bewundern sie die fertigen Burgen: einfache Kleckerburgen, aber auch richtige Schlösser und Paläste, mit Zinnen und Türmen.
»Und wie soll unsere Burg aussehen?«, fragt Anja.
»Wir bauen keine Burg, sondern einen großen Dom.«
»Ob wir das schaffen?«, zweifelt Anja.
»Dann eben eine kleine Kirche«, lacht Paul.

Schon schaufeln und buddeln sie drauflos, schichten Sand auf für das Kirchengebäude. Vorne bauen sie einen Glockenturm an, die Seiten stützen sie mit Säulen ab. Vorsichtig graben sie schmale Fenster in den feuchten Sand. Und eine Tür mit spitzem Bogen.
»Das ist eine echte Sandsteinkirche«, freut sich Paul. Aber Anja ist noch nicht zufrieden. »Sie müsste noch farbige Fenster bekommen«, meint sie.
Die beiden suchen nach Muscheln und kleinen Steinen. Anja findet einen Bernstein, der im Sonnenlicht zu leuchten beginnt. »Der passt gut in ein Fenster«, jubelt sie.

Am Abend, als alle Badegäste längst zu Hause sind, bestaunen die Strandmöwen all das, was im Laufe des Tages gebaut wurde. Sie hüpfen von Burg zu Burg und kreischen vor Begeisterung, wenn sie ein besonders großes und schönes Bauwerk finden. Da entdecken sie die kleine Kirche.
»Eine Kirche? Die hatten wir noch nie!«, schreien sie laut durcheinander. Bis die älteste der Möwen gebietet: »Jetzt haltet doch mal euren Schnabel!« Schlagartig sind alle Möwen still. Und da hören sie etwas: Glockengeläut.

Verwundert schauen sie auf die Sandkirche und rücken näher heran, um es deutlicher zu hören. Tatsächlich, Glockenläuten! Unglaublich, das müssen sie gleich aller Welt verkünden: Die kleinste Kirche der Welt, und so ein schöner Glockenklang! Auf und davon fliegen die Möwen, in den abendlichen Himmel.
Leiser und leiser werden die Glocken, die vom Dorf herüber klingen. Da treffen ganze Schwärme von Marienkäfern am Strand ein. Sie schauen zu, wie der Wind die Wellen immer weiter den Strand hinauf treibt. Eine Burg nach der anderen versinkt im Meer. Schon greift das Wasser nach der kleinen Kirche. Doch da hebt eine Welle mit einem Ruck das ganze Bauwerk in die Höhe und trägt es aufs Meer hinaus.

Die Marienkäfer, die oben auf dem Kirchendach sitzen, staunen. Bis der schlaueste Käfer meint: »Ich habe ja schon gehört, dass große Kirchen aus mehreren Kirchenschiffen bestehen. Warum das so heißt, weiß ich nicht. Aber das hier, das ist ein richtiges Kirchenschiff. Mit dem wollen wir in die Welt segeln.« »Ja, auf in die weite Welt! Schiff ahoi!«, rufen die anderen Käfer. Und lassen sich von ihrem Schifflein aufs Meer hinaus tragen. 

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