Silvius Wodarz – Anwalt des Waldes und der Umwelt

"Wir wollen Menschen an Bäume heranführen und Sensibilität für dieses lebendige Naturgut schaffen. In die Herzen großer und kleiner Menschen pflanzen wir Bäume, um gedankliche Veränderungen anzustoßen." (Silvius Wodarz)

Ein Interview mit Silvius Wodarz zum "Baum des Jahres"

Umwelt- und Naturschutz liegen dem 86-jährigen Silvius Wodarz seit seiner Kindheit am Herzen. Bis heute hegt der einstige Forstbeamte ein ganz besonderes Verhältnis zur Natur und stellt als Initiator der Aktion Baum des Jahres und Präsident der Baum des Jahres Stiftung unsere prachtvollen Bäume in den Mittelpunkt seines Schaffens.

Herr Wodarz, woher kommt Ihre ursprüngliche Begeisterung für die Natur, insbesondere für Bäume?
Mein Vater war Landwirt. Wir hatten einen landwirtschaftlichen Betrieb in Mähren
mit etwas Wald. Vor allem meine Mutter hat mir Wald und Bäume etwas nähergebracht, die Liebe dazu geweckt ...

 

Sie haben als junger Mensch schließlich sogar den beruflichen Weg dahingehend eingeschlagen, waren im aktiven Forstdienst und sogar Forstdirektor. Somit haben Sie die Natur und den Wald weiterhin begleitet. Was sind Ihre Erfahrungen aus dieser Zeit?

Die Arbeit im Wald beziehungsweise in der Natur befriedigt, weil ich es mit Lebewesen zu tun hatte. Die Bäume reagieren auf Maßnahmen des Menschen und es ist motivierend, wenn man es „richtig" macht – und natürlich frustrierend, wenn nicht. Außerdem hat man auch Verantwortung für die Produktion des sehr wichtigen Rohstoffes Holz.

 

Warum ist es aus Ihrer Sicht wichtig, der Natur und Umwelt mehr Aufmerksamkeit zu widmen und sie zu schützen?

Es ist eine immer wieder diskutierte Frage, ob der Mensch zur Natur gehört oder nicht. Für mich ist er Teil der Natur, aber er kann sie, aus Sicht des Menschen gesehen, mehr als andere schützen oder zerstören. Umbringen kann er sie nicht. Die Natur ist stärker! Und „die Natur" ist nichts Statisches. So gesehen ist „Natur-Schutz“ etwas fraglich, denn der Begriff suggeriert „Erhaltung“ und das ist statisch.

 

Wie kamen Sie auf die Idee für Ihre Stiftung „Baum des Jahres“, die zuvor einmal „Dr. Silvius Wodarz Stiftung Menschen für Bäume“ hieß?

Wir haben die Stiftung in „Baum des Jahres Stiftung“ umbenannt, weil der Name direkt den Stiftungszweck benennt: „Menschen für Bäume“ ist unser Motto. Natürlich könnte man auch Bäume für Menschen sagen. (lacht herzlich) Es sagt jedoch deutlich, dass wir Menschen für unsere Ziele gewinnen wollen. Menschen können Bäume pflanzen, schützen, pflegen und nutzen. Und weil sie sie auch nutzen können sollen, müssen menschliche Eingriffe verantwortungsvoll, weitsichtig – also nachhaltig – erfolgen.

Eine Ihrer wunderbaren Ideen, die Sie entwickelt haben, war die Umsetzung für die Wahl vom Baum des Jahres. Was für ein Bestreben steckt dahinter?

Diese Idee habe ich leider erst ab 1989 mit der Ausrufung der Stieleiche, damals noch im Alleingang, umgesetzt. Schon 1991 habe ich dann das Kuratorium „Baum des Jahres“ als unseren Fachbeirat gegründet, damit diese Aktion von mehreren getragen wird.
Damals waren wir neun Personen, heute sind wir 32! Sie sollen „Menschen für Bäume“ gewinnen, bei ihnen Kenntnisse verbreiten, denn daraus kann eine Verhaltensänderung eintreten, die sie zu aktiven Baumfreunden werden lässt. Wenn das erfolgt, ist das Stiftungsziel erreicht.

 

Sie gelten als „Anwalt des Waldes und der Umwelt“ …

Dieses Attribut haben mir andere zugelegt. Vielleicht, weil ich beharrlich für unsere Ziele werbe, manchmal auch kämpfe. (lacht)

 

2017 ist die Fichte zum Baum des Jahres gekürt worden. Was verbinden Sie mit diesem Baum?

Die Fichte ist, zusammen mit der Kiefer, der häufigste Baum in Deutschland. Sie polarisiert.
Die einen nennen sie den Brotbaum der deutschen Forst-(und Holz-)wirtschaft
und für andere ist sie der Inbegriff von Naturferne – und noch dazu im Reinbestand.
Extreme fordern zur Diskussion auf. Manchmal leider sogar zu Gewalttätigkeiten, wie dem Herausreißen von frisch gepflanzten Douglasien, hier als Stellvertreter von Fichten genannt, in einem fremden Wald. Diese „Sprache“ ist nicht unsere Sprache. Die Fichte ist als Flachwurzler sturmgefährdet, ihre schwer zersetzliche Streu führt auf Dauer zur Versauerung des Waldbodens. Sie ist gefährdet durch Schadinsekten, wie etwa dem Borkenkäfer, und sie wird womöglich durch die Klimaveränderung zu leiden haben, denn sie liebt es „kühl und feucht“. Darüber soll man diskutieren, sich Gedanken machen und nach realistischen Alternativen ehrlich suchen. Die Fichte verdammen und es sich dann am heimischen, knisternden Kaminfeuer gemütlich zu machen, ist zu wenig.

Wodurch wird ein Baum zum „Baum des Jahres“?

Das Kuratorium „Baum des Jahres“ wählt bei seiner jährlichen Zusammenkunft im Oktober in Berlin aus diversen Vorschlägen drei Kandidaten beziehungsweise Baum-Arten aus, die allen Mitgliedern zur geheimen schriftlichen Abstimmung zugehen. Diese ergibt dann den von der „Baum des Jahres Stiftung“ ausgerufenen Baum des Jahres. Jede Baumart kann mal „Baum des Jahres“ werden!

 

Welche Bäume mögen Sie besonders gerne und warum?

Alte Bäume, weil sie den Charakter eines Baumes sichtbar machen – ähnlich wie manchmal die Gesichter alter Menschen.

 

Sie haben ein toll klingendes Motto, das besagt: „Man muss Bäume nicht neu erfinden, man muss sie nur neu entdecken!“ Wofür genau möchten Sie Menschen diesbezüglich wieder sensibilisieren?
Dass sie das Lebewesen Baum für sich entdecken und respektieren. Da gibt es sehr viele unterschiedliche Facetten. Dazu zählt nicht nur der erste Kuss!

 

Was kann jeder einzelne von uns, vielleicht sogar jeden Tag, tun, um die Umwelt und die Natur mehr zu respektieren und besser mit und in ihr zu leben?

Da gibt es unendlich viele Möglichkeiten, sie müssen nur durch zahlreiche

Menschen genutzt werden. Nur das macht Sinn, ist aber schwer zu erreichen und zu kontrollieren – denken Sie nur an den sparsamen Umgang mit Energie.

 

Für Natur- und Baumfreunde haben Sie eine hübsche Seite ins Internet gebracht, auf der man unter anderem vieles über den Baum des Jahres nachlesen kann. Was bieten Sie hier alles für den interessierten Leser?
Die Möglichkeit, sich zu informieren und zu orientieren, um sich dann entsprechend den angeeigneten Kenntnissen und Wissen zu verhalten. Problembewusstsein entwickeln
und in Lösungen aktiv umzusetzen.

 

Lieber Silvius Wodarz, wir bedanken uns herzlich bei Ihnen für das Interview!

 Wenn Sie mehr über Silvius Wodarz‘ beherztes Engagement rund um die Natur und Bäume erfahren möchten, schauen Sie gerne im Internet auf seine Seite:

www.baum-des-jahres.de

© Interview: Susann de Luca / Fotos: privat