Zitadelle Petersberg Erfurt

Die Zitadelle Petersberg in Erfurt gilt als eine der besterhaltenen und größten Festungen aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert in Europa.

Zitadelle Petersberg Erfurt

Die Zitadelle in Erfurt

Die Zitadelle Petersberg befindet sich in der Nähe des Erfurter Doms, wurde über drei Jahrhunderte gebaut, verändert, erweitert, teilweise geschliffen und wieder erweitert. Sie diente zunächst und immer wieder als Festung, war zeitweise Kaserne und ist jetzt eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands und Europas. 

Die Zitadelle Petersberg in Erfurt ist ein hervorragendes Beispiel an mittelalterlicher Baukunst. Der Bau wurde 1665 vom kurmainzischen Kurfürsten und Erzbischof Johann Philipp von Schönborn begonnen. Sie beinhaltet neuitalienische, barocke und romanische Bauteile. Zunächst diente sie als Schutz gegen protestantische Angriffe, später gegen die Preußen und Franzosen. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde sie kurzfristig von diesen annektiert. Nach dem Wiener Kongress 1815 gehörte Erfurt endgültig zu Preußen. Hauptaugenmerk lag aber fast immer auf dem Schutz der Bevölkerung, so auch bei der Reichsgründung 1871, während der beiden Weltkriege und in der Nachkriegszeit.

Teile der Stadtverwaltung, staatliche und touristische Einrichtungen, die Kunstausstellung sowie Wohnungen befinden sich heute in der Zitadelle. Der mühsame Aufstieg auf den Petersberg wird durch das wunderschöne Panorama wieder wettgemacht. Die „Glashütte“, das moderne Restaurant bietet gediegene Thüringer Küche. Besonders beliebt bei den Besuchern sind die Geheimgänge, die sogenannten Mienengänge unter der Festung oder Horchgänge in den Mauern der Festung. 

Was Kinder lieben!

231 Meter erhebt sich die Zitadelle über die Erfurter Altstadt. Diese beherbergt die Peterskirche, die zur damaligen Zeit größte romanische Klosterkirche des Landes Thüringen. Unter und in der Festung gibt es viele Geheimgänge, die sogenannten Horchgänge, aber auch Mienengänge unter der Festung. Abends werden „Funzelführungen“ angeboten. Das sind besonders gruselige Führungen in den Geheimgängen mit Funzeln. Der ideale Ausflug mit Kindern für Halloween.

Führungen der Stadt Erfurt

Die mittelalterliche Stadt Erfurt bietet viele Sehenswürdigkeiten für Jung und Alt. Die Zitadelle Petersberg bietet viel Geheimnisvolles, das immer wieder besonders die jüngere Generation anzieht. Soll an die Festungsführung eine Stadtbesichtigung angeschlossen werden, erhalten Sie 10 % Rabatt auf diese. Die Festung ist besonders zu Halloween etwas wirklich Tolles für Kinder (Horchgänge, Funzelführungen, etc.) Kostümführungen in mittelalterlicher Tracht sind kommen immer gut an. Am Ende der Führung ist es möglich, den Abend in einem der besten Lokale der Stadt ausklingen zu lassen. Die Tischreservierung wird ebenfalls für Sie durchgeführt. 

Organisatorisches

Da es immer irgendwo Ausbesserung zu machen gibt, sind Teile der Festung immer eine „Baustelle“. Es ist daher wichtig, dass die Gruppen klein gehalten werden (bis maximal 25 Personen). Es werden sowohl Einzel-, Gruppen- als auch Firmenführungen angeboten. Die Führungen dauern in der Regel zwischen 1,5 und 2 Stunden und werden auf Deutsch, Russisch und Englisch durchgeführt. Pauschalpreise sind für Gruppen bis zu 25 Personen möglich. Menschen mit körperlichen Einschränkungen sollten sich darauf einstellen, dass die Führung nicht in allen Bereichen für sie geeignet ist. Der Einstieg in die Horchgänge erfolgt z. B. über verschieden hohe Stufen. 

Preise

Die Preise richtigen sich nach der Gruppengröße und Sprache. 84 Euro kostet eine Führung ohne Kostüm, auf Deutsch und mit Führer. Funzelführungen finden generell erst ab 17 Uhr statt und kosten 99 Euro. 
Hinweis: Seit 1. 8. 2012 finden diese Führungen nur mehr mit Taschenlampen statt. Dafür können diese aber das ganze Jahr über gebucht werden. 

Für die Stadtführung im historischen Kostüm werden ebenfalls zusätzlich 15 Euro verlangt. Wird die Führung in einer Fremdsprache durchgeführt, wird zusätzlich ein Aufschlag von 15 Euro verrechnet. Schüler zahlen 2,50 Euro. Für Schülergruppen werden mindestens 55 Euro verlangt. Bis zu 3 Begleiter sind kostenlos, aber für jeden weiteren werden 9 Euro verrechnet. Als erwachsene Einzelperson zahlen Sie 9 Euro. 

Mit Ermäßigung werden 6 Euro verrechnet und mit der ErfurtCard zahlen Sie überhaupt nur 6 Euro pro Person. Diese Karte bietet einige wirklich tolle Vergünstigungen und Angebote. Die Karte gilt 48 Stunden! Eines davon betrifft den „Altstadt-Express“. Dabei handelt es sich um einen Bus, der Sie quer durch die mittelalterliche Stadt Erfurt führt. Fragen Sie einfach bei der Touristeninformation nach.

Individuelle Termine sind selbstverständlich auch kein Problem. Die Tickets sind bei „Erfurt Tourist Information“ am Benediktplatz 1 erhältlich. Die Standardführungen beginnen jeden Samstag um 14.00 Uhr und dauern 2 Stunden. Tiere sind nicht erlaubt (z. B. Hunde!).

Zitadelle Petersberg Erfurt - Eine kleine Auswahl der baulichen Highlights

Die Kernfestung erstreckt sich über ca. 12 ha und besitzt einen sternförmigen Grundriss, der unregelmäßig angeordnet ist. Dieser besteht aus den acht Bastionen:

  • Kilian,
  • Leonhard,
  • Martin,
  • Gabriel,
  • Michael,
  • Johann,
  • Franz und 
  • Philipp.

Ein kurmainzischer Postenweg mit Wacherkern und einer hohen Brüstungsmauer führt um die Zitadelle. Die Mauern erstrecken sich in 8 bis 23 m Höhe über eine Strecke von 2 km. Das Besondere daran, im 4 bis 6,5 m starken Fußbereich befinden sich Konterminen. In diesen haben die Soldaten patrouilliert, um feindliche Mineure zu lokalisieren. Im ehemaligen Festungsgraben liegen Lünetten und Ravelins. Diese sollten die Nordwestseite verstärken. Das Hornwerk ist eine weitere Verstärkung, wurde aber 1873 geschliffen. Den Zugang zur Festung bildeten das Peterstor mit der Petersbrücke. 

Darüber hinaus gibt es seit 1828 das Anselmi-Hilfstor, einen weiteren Zugang. Seit 1873 gibt es auch zwei Straßen sowie eine Treppe an der Bastion Franz, die es aber erst ein paar Jahre gibt. Die Fassade des Tors zeigt Löwenköpfe, Gesimse und Wandpfeiler sowie einen durchbrochenen Dreiecksgiebel. Dort befindet sich das Amtswappen des kurmainzischen Kurfürsten Johann Philipp von Schönborn. In der Torhalle sind Kasematten sowie zwei Fallgitter in der Decke und Pechlöcher zu sehen. In der Kernfestung sind viele Überreste der ehemaligen Stadtmauertürme zu sehen, wie z. B. der Lauernturm oder Glockenturm. Dieser dient mit der Bastion Martin als Aussichtsplattform.

Die Peterskirche wurde zu Beginn des 12. Jahrhunderts als dreischiffige romanische Pfeilerbasilika gebaut. Bis 1803 (Säkularisation) diente sie als Klosterkirche des Benediktinerklosters St. Peter und Paul. 1813 wurden die Anbauten zum Kloster durch Artilleriegeschosse fast gänzlich zerstört. Die Preußen bauten diese dann zu einem Magazin um. Die Peterskirche dient heute als Kunstausstellungsraum. Auf dem Gelände des ehemaligen Klosters entstand die Defensionskaserne. Diese ist über drei Stockwerke verteilt mit Artillerie- und Infanterieschießscharten durchzogen. Auch hier zeigten sich, wie kreativ die Baumeister der vergangenen Epochen mit wenig Material umgingen. Im Falle eines feindlichen Ansturms standen voneinander getrennt einsetzbare Palisadenwände zur Verfügung. Diese Räume dienten lange Zeit als Lager und Truppenunterkunft. Seit 2000 stehen diese aber leer. Östlich davon gibt es die Festungsbäckerei und die Seitenkaponniere. Das älteste Kasernengebäude Thüringens befindet sich im Norden des oberen Plateaus.

Aufgrund der Bedrohung durch die Schweden zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde die Zitadelle Petersberg vom Baumeister Johann Maximilian von Welsch ausgebaut. Er verstärkte vor allem nach französischem Vorbild die Grabenverteidigungen und Vorfestungen. Da diese Bauten inklusive der Anschlussbauten sehr kostenintensiv waren, sollte die Festung sogar geschliffen werden. Der Bayerische Erbfolgekrieg (1778 – 1779) änderte dies jedoch wieder. Die Preußen besetzten unter Leopold Alexander von Wartensleben und Ludwig Ernst von Voß die Stadt samt der Festung und dem Benediktinerkloster. Der Ausbruch des Krieges zwischen Preußen und Frankreich förderte die Ausbauarbeiten an der Zitadelle. Neue Palisadenwände samt dahinter liegender Schanze (Glacis) waren die Folge. Die Niederlage in der Schlacht von Jena und Auerstedt (1806) ließ das preußische Heer in die Festung flüchten. Es kapitulierte auf Befehl von Prinz Wilhelm von Oranien. 

Die Zitadelle Petersberg Erfurt stand dann unter französischer Herrschaft und war Napoléon Bonaparte direkt unterstellt (1806 – 1813). Im Russlandfeldzug 1812 wurde das französische Heer empfindlich geschlagen. 1813 wurde der Belagerungszustand ausgerufen und die Festung verstärkt. Die Zitadelle fasste Lebensmittel sowohl für 2.000 Menschen und deren untergebrachten Tiere und das für einen Zeitraum von 6 Monaten! Die Völkerschlacht bei Leipzig (16. – 19. Oktober 1813) beendete die französische Herrschaft.

« Zurück zur Übersicht