Schlossmuseum Wolfshagen in der Prignitz

Den nordwestlichsten Teil des Landes Brandenburg bildet die Prignitz. Diese Gegend war in der Bronzezeit ein wichtiger Siedlungsraum, wie das hochbedeutende Hünengrab des „König Hinz“ von Seddin beweist.

1899 stieß man auf die Grabkammer und fand bedeutende Bronzegegenstände (jetzt im Neuen Museum Berlin) und dabei sogar einen Eisennagel, eines der ältesten Eisenfundstücke überhaupt. Um das Jahr 1000 lebten hier slawische Stämme, die durch im Wendenkreuzzu g 1147 von einem Heer mehrerer Bischöfe und Ritter besiegt wurden. Damit wurde das Gebiet dem Heiligen Römischen Reich eingegliedert und der Erbe der Herrschaft in Brandenburg, der Markgraf Albrecht der Bär konnte seinen rechtselbischen Besitz einnehmen. Andere Territorien wurden von kleineren Herren, dem Bischof von Havelberg, den Edlen Herren Gans und den Edlen Herren von Plotho beim Übergang über die Elbe in Besitz genommen. Die Edlen Herren Gans gründeten die Städte Wittenberge und Perleberg (das bald vom Markgrafen beansprucht wurde) und weiter am Verlauf des Flüsschens Stepenitz eine Burg in Wolfshagen, übernahmen die slawische Burg Putlitz und gründeten am Oberlauf der Stepenitz das erste Kloster der Region, Marienfließ, 1231. 

Die Familie nannte sich je nach den Besitzungen, die die Urkunden betrafen Gans von Perleberg oder Gans von Wittenberge oder Gans zu Putlitz und dieser Name ist bis heute so geblieben. Ihre fast fürstliche Stellung konnten sie gegenüber der Übermacht des Markgrafen nicht behaupten und nahmen ihre Güter von ihm zu Lehen an. Von den größeren Teilen, die sie in der Prignitz besessen hatten, mussten manche verkauft werden, aber immerhin hatten sie im Jahr 1945 noch sieben voll bewirtschaftete Rittergüter mit Gutshaus, Park und Wirtschaftshöfen. 

Eines dieser Gutshäuser ist Wolfshagen. Im Keller finden sich noch mittelalterliche Fundamente und bei der Rekonstruktion wurde auch die Basis eines Torgebäudes zur ehemaligen Zugbrücke freigestellt. Der Wasserspiegel der Stepenitz ist jetzt sehr gesunken, früher war hier eine weite aufgefächerte Wasserlandschaft und deshalb wurde zur Sicherung einer Furt die Burg errichtet. Sie hat ihre Bedeutung bald verloren, schon um 1600 wurde der Burgturm abgetragen. Danach standen drei Renaissancegebäude auf dem Grundriss des jetzigen Gutshauses, die aber den 30jährigen Krieg teilweise nur als Ruinen überstanden hatten. Von dem immer bewohnten Hauptteil aus wurde 1787 unter Einbeziehung der beiden anderen Reste die jetzige Zweiflügelanlage aufgebaut. Im 19. Jahrhundert wurde ein großzügiger Landschaftspark angelegt, der Hauptwirtschaftshof mit Scheunen, Ställen, Brennerei für Kartoffelspiritus auf die andere Sraßenseite gelegt, wo sich schon die Mühle an der Stepenitz befand. Von dem Gartenkünstler Lenné wurden auf beiden Seiten der Stepenitz die Parkanlagen geschaffen, in die in der Peripherie dann weitere Gebäude hereingesetzt wurden. 

1570 wurde nach einer Kirchenvisitation angeordnet, dass auch in Wolfshagen eine Kapelle errichtet werden sollte. Deren Grundriss ist noch erhalten, aber das schlichte Fachwerkgebäude mit angebauter Gruft wurde um 1982 entsorgt.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde nach Vertreibung des Gutsherrn und seiner Frau das Haus geplündert und mit Flüchtlingen vollgestopft. Z. B. gab es im linken Flügel vier Zimmer, jedes mit einer Familie belegt und ein gemeinsamer Herd auf dem Flur. Das Gut von fast 2.000 ha wurde aufgesiedelt und 150 neue Bauernstellen geschaffen, allerdings so berechnet, dass sie alle zu klein und nicht lebensfähig waren und in die LPG eingebracht werden mussten. Im Jahr 1952 wurde in dem Schloss eine Schule eingerichtet. Auf die Weise blieb das Haus erhalten, vieles im Inneren wurde zerstört. Aber als die Schule in den 90er Jahren schließen musste, war immer noch so viel Bausubstanz aus dem 18. Jahrhundert vorhanden, dass die Nutzung als Museum als die sinnvollste erschien. 

Der Förderverein Schloss-Museum Wolfshagen hat ab 1995 für diese Nutzung geworben und erst zwei, dann zwei weitere Räume provisorisch mit Ausstellungsgegenständen gefüllt, bis dann zum Jahr 2000 die umfangreiche Förderung die Instandsetzung des ganzen Hauses ermöglichte. Alleine für die Fundamente wurden an der unsicheren Hanglage schwere Armierungen in den Boden eingebracht, die das Haus seitdem stützen. Als Schulgebäude war das Haus der Gemeinde übertragen worden, die es auch heute weiterhin besitzt, aber dem Förderverein Schloss-Museum Wolfshagen den Betrieb überlässt. Alle Gegenstände, die nun im Hause sichtbar sind, sind Leihgaben von Familienverbänden und einzelnen Mitgliedern Prignitzer Familien sowie teilweise Besitz des Fördervereins. 

Das Museum mit dem Untertitel „Landadel und Porzellan“ enthält mehrere Kategorien. Das Hauptanliegen ist, sichtbar zu machen, wie ein Haus des märkischen Landadels von innen ausgesehen hat. Das ist wichtig, nachdem alle diese Häuser geplündert, großenteils abgerissen, zweckentfremdet und selten auch einmal wiederaufgebaut worden sind. Man bekommt den Eindruck mit den Jagdtrophäen, den alten Möbeln, den Familienbildern, Glas, Silber und Porzellan und im Souterrain der Gutshausküche und einer Sammlung von Textilien. In Erinnerung an die abgerissene Schlosskapelle wurden zwei Räume zu einem Kapellenraum zusammengefasst, der auch für kirchliche Veranstaltungen genutzt wird und viele authentische Gegenstände der ursprünglichen Kapelle enthält. Der Gartensaal im ersten Stock wird für Trauungen, Vorträge und Konzerte benutzt. Im ersten Stock befindet sich eine umfangreiche Porzellansammlung, ca. 1.000 Stück unterglasurblau gemalten Porzellans aus vier Jahrhunderten und fünfzig Manufakturen. Diese Sammlung ist die größte in dieser Art und umfasst Gebrauchsporzellan, den schönen Alltagsgegenstand. 

An die Schulzeit erinnert ein originaler Klassenraum im Souterrain und dicht daneben ist eine besondere Kostbarkeit für Kinder: Ein Spielzeuggutshof mit Herrenhaus, Park, Wirtschaftsgebäuden und vielen Figuren landwirtschaftlicher Geräte. Alles Spielzeug aus dem Erzgebirge, seit 1905 in der Familie v. Gersdorff Jahr für Jahr erweitert und jetzt unter einer Glashaube ausgestellt, bei der man einzelne Bezirke durch Beleuchtung hervorheben kann, zur Freude der kleinen Besucher.

Öffnungszeiten:
März bis Dezember: Mittwoch - Sonntag von: 11.00 - 17.00 Uhr
Januar bis Februar: Sonntags von: 11.00 - 17.00 Uhr

Eintrittspreis:

5€ pro Person
Kinder frei

Schloss-Museum Wolfshagen Prignitz
Putlitzer Str. 16
16928 Groß Pankow GT Wolfshagen
Mehr Infos unter www.schlossmuseum-wolfshagen.com 

Text und Bild: Schloss-Museum Wolfshagen Prignitz©