Stiftung Ettersberg in Erfurt

Die Stiftung Ettersberg kann man auch als Mahnmal der Demokratie bezeichnen. Selbstverständlich bedarf es einer gewissen Reife, um diese Stiftung in ihrem Tun und Handeln zu verstehen. Es geht hier um das Verhindern von Diktaturen, die sich im Laufe der Geschichte doch sehr oft entwickelt haben bzw. entwickeln werden. Um dem entgegenzusteuern und einen wissenschaftlichen Zugang zu erschließen, wurde diese Stiftung etabliert und ins Leben gerufen.

Stiftung Ettersberg stellt sich vor

Die Stiftung Ettersberg ist eine beachtliche Institution im Sinne der Bildung und Forschung, die sich sowohl in Weimar als auch in Erfurt befindet.
Jose Semprun hat den Ausschlag für dieses Mahnmal der Gedächtnisarbeit gegeben. Der Name Ettenberg stammt vom Ettenberg, der in Weimar liegt und eine doppelte Belastung von Diktatur erleben musste. Von den Nationalsozialisten wurde das Konzentrationslager Buchenwald geführt, danach wurde es ein Speziallager der sowjetischen Besatzung.
Hauptaugenmerk liegt auf der Erforschung der SED-Diktatur, es stehen aber alle diktatorischen Systeme unter Beobachtung. Es werden Symposien, pädagogisches Material und Bücher erarbeitet, die der Aufarbeitung dieser ernsten und traurigen Thematik gewidmet sind.
Ziel dieser Stiftung ist eine Welt in demokratischer Ordnung, die eine gesellschaftliche Vielfalt gewährleistet. Als Ziel gilt: "Diktaturen erforschen, Demokratie stärken."
Es gilt die Öffentlichkeit in den Prozess des Erkennens, wann sich diktatorische Komponenten entwickeln, zu sensibilisieren und sich auszukennen, ab wann es gefährlich für demokratische Grundwerte in der Gesellschaft werden kann.

Jorge Semprun

Jorge Semprun, der Initiator der Stiftung Ettersberg, lebte von 1923 bis 2011 und wurde im schönen Madrid in Spanien geboren. Mit seiner großbürgerliche Familie, die eher linksliberal denkt, flieht er 1936 nach Paris vor dem Spanischen Bürgerkrieg. Dort beginnt er ein Studium der Philosophie und gleichzeitig fängt er an mit der Resistance zu sympathisieren.
Die Beschäftigung mit der deutschen Philosophie eröffnet ihm das deutsche Denken, das ihn fasziniert. Danach muss er als Insasse von Buchenwald das hässliche Deutschland kennenlernen. Weimar und Erfurt bedeuten für Semprun einerseits deutsche Kultur in ihrer höchsten Form und dann wieder grässliche und menschenverachtende Zerstörung mit Konzentrationslagern.

Gedenk-und Bildungsstätte Andreasstraße

Der Name Andreasstraße leitet sich von der Andreaskirche her, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft befindet. Um 1871 wird an dieser Stelle ein Gericht und ein Gefängnis errichtet, die 1878 vollendet sind. Dieses Gefängnis durchläuft eine Entwicklung in der preußischen Kaiserzeit, in der Weimarer Republik und eine sehr dunkle Zeit in der Ära des Nationalsozialismus. Menschen, die anders denken, werden eingesperrt - die Nationalsozialisten bringen es auf 400 Gefangene pro Tag. Terror, Verfolgung und eine Unmenge an Todesurteilen sind prägend für diese Zeit.
Nach den Nazis kommt die sowjetische Besatzung und sperrt ebenfalls politisch Andersdenkende hinter Schloss und Riegel. Nach diesem Gefängnis geht es für viele der Inhaftierten nach Buchenwald.

Von 1952 - 1989 wird das Haus zu einer Stasi-Untersuchungshaftanstalt. Jetzt sind es die, die sich der SED-Diktatur entgegenstellen, die inhaftiert werden. Drastische Strafen sowie Todesstrafen sind an der Tagesordnung. Als die Friedliche Revolution im Jahre 1989 startet, wird die Andreasstraße besetzt und der Schrecken der DDR-Geheimpolizei findet ein jähes Ende.

Nach der deutschen Wiedervereinigung wird das Gebäude weiterhin als Haftanstalt benutzt, dann kam es zu einem langen Leerstehen.
2003 initiiert die Gesellschaft für Zeitgeschichte den Erhalt dieses Gebäudes zur Dokumentation seiner schrecklichen Geschichte. Die Andreasstraße soll Zeitzeugen ihre Zeit in diesem Gefängnis erklären lassen und ein Mahnmal für die Demokratie werden. 2012 erfolgt die feierliche Eröffnung der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße, die mit der Dauerausstellung "Haft, Diktatur, Revolution: Thüringen 1949-1989" den Menschen deutlich machen soll, dass Freiheit nichts Selbstverständliches ist. Sie ist ein hohes Gut, das es zu verteidigen gilt. Erfurt hat mit seiner Andreasstraße Geschichte geschrieben und dem jahrhundertelangen Gefängnis neues Leben eingehaucht.

Öffnungszeiten

Prinzipiell sind die Öffnungszeiten Dienstag und Donnerstag von 12 bis 20 Uhr, an Freitag, Samstag, Sonn- und Feiertagen ist von 10 bis 18 Uhr offen.
Jeden Samstag und Sonntag wird um 14 Uhr eine Führung organisiert, außerdem steht am Wochenende eine Ansprechperson für die Besucher zur Verfügung, die sich um die Fragen der Besucher und Besucherinnen kümmert.

Preise

Der reguläre Eintritt beläuft sich auf 2 Euro, ermäßigt nur 1 Euro. Für einen Mediaguide, den es in deutsch oder englisch gibt, werden 3 Euro verlangt. Wer am ersten Dienstag im Monat Zeit hat, kann die Gedenkstätte kostenlos besuchen.
Eine Führung regulär kommt auf 60 Euro, ermäßigt 40 Euro. Eine Führung mit einem Zeitzeugengespräch kostet 100 Euro, ermäßigt 80 Euro. Soll die Führung fremdsprachig erfolgen, kommt ein Aufschlag von 15 Euro dazu.

Veranstaltungen und Workshops 

Im Rahmen des Bildungsauftrages, der von der Stiftung Ettersberg ausgeht, finden zahlreiche Veranstaltungen statt, die das Bewusstsein der Gesellschaft für den Wert der Demokratie aufrechterhalten sollen.
Besonders die Jugend liegt der Institution am Herzen, denn mit der Zeit verblasst die Erinnerung, Zeitzeugen werden immer rarer, da sie leider versterben. Deshalb ist es sehr wichtig, diese mit jungen Menschen in Kontakt treten zu lassen, um nichts zu vergessen oder zu verharmlosen.
Ettersberg lädt ein zu Symposien und Veranstaltungen, die nicht nur interessant und bildungsrelevant sind, sie öffnen das Herz und den Verstand, dass solche Grausamkeiten nicht mehr passieren.
Für Schulen sind die Workshops zu empfehlen, die pädagogisch aufbereitet werden und den Schülern und Schülerinnen Werte der Demokratie, die heute ganz selbstverständlich in unseren Breiten sind, bewusstmachen.

"I don`t know much about history", ein Textauszug aus einem sehr populären Song illustriert das jugendliche Desinteresse an politischen und historischen Tatsachen, Trends und Entwicklungen. Die Stiftung Ettersberg ist das beste Beispiel diesem Empfinden junger Menschen entgegenzuwirken, sie mit gelebter Historie zu konfrontieren und sie anzuregen, diverse Tendenzen in der Gesellschaft kritisch zu hinterfragen und zu reflektieren. Bildung sollte hier schon bei Kindern anfangen, um von vornherein eine objektive Betrachtungsweise zu ermöglichen.
Das Vergangene gehört genauso in die Gegenwart, denn nur so kann man getrost in eine Zukunft starten, die Freiheit und Würde für jeden Einzelnen verspricht und garantiert.
Es ist wichtig, die Schattenseiten der dunklen Vergangenheit aufzuarbeiten, um zu verhindern, dass es wieder zu solchen Auswüchsen kommt. 

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